Münchener Rück auf Kurs zu Gewinn von mehr als 5 Mrd Euro

München (Reuters) - Die Münchener Rück ist trotz zunehmender Großschäden auf dem besten Weg, in diesem Jahr mehr als die angepeilten fünf Milliarden Euro Gewinn zu erwirtschaften.
Mit 3,8 Milliarden Euro hat sie drei Viertel davon schon nach sechs Monaten in der Tasche. Vorstandschef Joachim Wenning sagte am Donnerstag in einer Pressekonferenz, es sei "noch wahrscheinlicher geworden", dass der weltgrößte Rückversicherer über fünf Milliarden Euro landen könnte. "Aber wir bleiben vorsichtig. Wer weiß denn schon, was die Hurrikan-Saison bringt." Die Wirbelstürme ziehen meistens im Herbst über Nordamerika hinweg, wo ein großer Teil der Schäden versichert ist. Das Ziel sei inzwischen "äußerst konservativ", schrieb Analyst Thorsten Wenzel von der DZ Bank.
"Nie haben wir in den ersten sechs Monaten eines Jahres mehr verdient als 2024", resümierte Wenning. Der Nettogewinn lag um 55 Prozent über Vorjahr und knapp 200 Millionen Euro über den Erwartungen der Analysten. Der Versicherungsumsatz stieg um 5,4 Prozent auf 14,95 Milliarden Euro. Die Branche profitiert seit einigen Jahren von Preiserhöhungen, die die Erstversicherer bereit sind hinzunehmen. Doch bei den Verhandlungen über neue Verträge mit Erstversicherungskunden zum 1. Juli zeichnete die Münchener Rück mit 3,5 Milliarden Euro gut fünf Prozent weniger Geschäft, die Preise stiegen im Schnitt nur noch um 0,6 Prozent. Wenning glaubt aber nicht an eine Trendwende: "Das Marktumfeld ist immer noch hochattraktiv. Die Preisdisziplin ist hoch. Wir scheuen uns aber auch nicht, Geschäft abzulehnen." Das Plus sei eine positive Überraschung, schrieb Analyst Wenzel.
CROWDSTRIKE MACHT MÜNCHENER RÜCK KEIN KOPFZERBRECHEN
Vorsicht lässt die Münchener Rück unter anderem bei Cyber-Policen walten, die sie lange als lukratives Wachstumsfeld gesehen hatte. Dort halte die Preisentwicklung nicht mit den steigenden Risiken Schritt, sagte Wenning. Wo Kunden nicht akzeptierten, dass Cyberangriffe als Mittel des Krieges von der Absicherung ausgeschlossen würden, ziehe sich die Münchener Rück zurück. Sie scheue systemische Risiken. "Wir haben da einen Marktanteil von zehn Prozent - und wir wollen auch nicht 20 oder 30 Prozent", sagte der Vorstandschef. Er bezifferte das Prämienvolumen in diesem Bereich auf zwei Milliarden Euro. Der weltweite IT-Ausfall durch die Panne beim Sicherheitssoftware-Anbieter Crowdstrike werde keinen Einfluss auf das Ergebnis in diesem Jahr haben.
Im Kerngeschäft, der Schaden-Rückversicherung, musste die Münchener Rück allein im zweiten Quartal für Großschäden von 957 (Vorjahr: 600) Millionen Euro einstehen. Der Wert lag aber mit 14,4 Prozent des Versicherungsumsatzes nur leicht über den 14 Prozent, mit denen die Münchener Rück kalkuliert. Die Schaden-Kosten-Quote war mit 77,5 (83,5) Prozent niedriger als ein Jahr zuvor. Das Hochwasser an Flüssen in Süddeutschland Ende Mai und Anfang Juni ging zum größten Teil zu Lasten der Erstversicherer, die Münchener Rück veranschlagt nur rund 200 Millionen Euro in der Rück- und 44 Millionen in der Erstversicherung - bei einem branchenweiten Gesamtschaden von rund 2,5 Milliarden.
Mit Ergo zeigte sich der Vorstandschef zufrieden. Mit einem Gewinn von 535 (470) Millionen Euro sei die Erstversicherungs-Tochter auf dem besten Weg, ihr Ziel von 800 Millionen Euro in diesem Jahr zu ereichen. Doch damit hätte die Ergo "noch nicht ihr Limit erreicht", sagte Wenning. Die Ergebnisse könnten in den nächsten Jahren weiter steigen.
(Bericht von Alexander Hübner, redigiert von Myria Mildenberger. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)