Studie - Trendwende bei Immobilienpreisen eingeläutet

Reuters · Uhr
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Berlin (Reuters) - Auf dem deutschen Immobilienmarkt zeichnet sich einer Studie zufolge eine Trendwende ab.

Im Frühjahrsquartal lagen die Immobilienpreise erstmals seit rund zwei Jahren wieder auf breiter Front im Plus, wie das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) am Donnerstag mitteilte. Alle Wohnsegmente – Eigentumswohnungen, Ein- und Mehrfamilienhäuser – sind demnach im Vergleich zum Vorquartal im Wert gestiegen. Sie würden dabei auch die aktuellen Inflationsraten übertreffen, so der German Real Estate Index (Greix), ein Gemeinschaftsprojekt der Gutachterausschüsse für Grundstückswerte, ECONtribute und dem IfW Kiel.

"Die Trendwende auf dem Immobilienmarkt ist eingeläutet", sagte IfW-Immobilienexperte Jonas Zdrzalek. "Die große Unsicherheit der vergangenen Jahre und Monate nimmt offenbar ab, und der Ausblick auf sinkende Zinsen stabilisiert den Markt." Investoren würden erneut Vertrauen in die langfristige Wertsteigerung von Immobilien gewinnen. "Hinzu kommt der Einbruch im Neubaugeschäft, der das Angebot verknappt und damit die Preisdynamik unterstützt", sagte Zdrzalek.

Verglichen mit dem Vorquartal sind von April bis Juni die Preise für Eigentumswohnungen um 2,4 Prozent gestiegen, so die Studie. Die Preise für Einfamilienhäuser legten um 2,0 Prozent zu. Mehrfamilienhäuser verteuerten sich sogar um 4,4 Prozent, im Vorquartal waren die Preise noch um rund 10,5 Prozent gefallen. Speziell in diesem Segment herrsche allerdings aufgrund geringer Transaktionen eine hohe Volatilität, die Aussagekraft sei daher begrenzt, so die Studie.

MINUS ZUM VORJAHRESZEITRAUM

Auch inflationsbereinigt, also gemessen in aktueller Kaufkraft, legten Immobilien erstmals seit zwei Jahren wieder im Wert zu. Verglichen mit dem Vorjahresquartal liegen jedoch noch alle Wohnsegmente im Minus. "Allerdings ist dieses nun bereits zum dritten Mal in Folge rückläufig", hieß es. "Auch dies ist ein Zeichen der Stabilisierung." Gestiegen ist auch die Zahl der Immobilientransaktionen, verharrt aber auf niedrigem Niveau und nur bei rund 60 Prozent des Durchschnitts von 2019 bis 2021. Bei Neubauten lag das Niveau sogar nur bei rund 35 Prozent.

In Deutschlands größten Städten ist die Stabilisierung den Angaben nach deutlich erkennbar. Die Preise für Eigentumswohnungen legten zum Vorquartal durchweg zu oder zeigten sich nach bereits erfolgten Anstiegen stabil. In Hamburg (plus 4,3 Prozent) und Frankfurt (plus 3,7 Prozent) waren die Preissprünge am höchsten. Auch in Düsseldorf (plus 2,2 Prozent) wurde es teurer. Leicht nach oben ging es in Stuttgart (plus 0,6 Prozent), entgegen dem Trend leicht nach unten in Köln (minus 0,6 Prozent), wo die Preise aber bereits in den ersten drei Monaten 2024 gestiegen sind. Für Berlin und München liegen noch keine Daten vor.

"Bewahrheitet sich die Trendwende, ist die großflächige Korrektur am deutschen Immobilienmarkt nach rund zwei Jahren beendet", so das IfW. Das Barometer, das 20 Städte und Regionen erfasst, verbuchte dabei einen Preisrückgang von gut 14 Prozent, ehe die Richtung jetzt gedreht hat. Die Korrekturphase fällt mit besonders hohen Inflationsraten zusammen, so dass der Wertverlust gemessen in aktueller Kaufkraft mit mehr als 20 Prozent wesentlich höher war. "Der Einbruch war kurz und heftig, es wäre überraschend, wenn es nun im gleichen Tempo nach oben geht", sagte Zdrzalek. "Bestätigt sich die Preiswende, wäre die Korrekturphase nur die Unterbrechung eines langanhaltenden Aufwärtstrends gewesen."

(Bericht von Rene Wagner, redigiert von Sabine Ehrhardt. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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