Klimaaktivisten stören Flughafen-Betrieb - Effekt begrenzt

Reuters · Uhr
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Berlin/Frankfurt (Reuters) - Die Folgen der Störaktionen von Klimaschutz-Aktivisten an mehreren Flughäfen haben sich am Donnerstag in Grenzen gehalten.

Am stärksten betroffen war der Flughafen Köln-Bonn. Dort wurden 16 Flüge der Lufthansa-Tochter Eurowings mit rund 2500 betroffenen Passagieren gestrichen bei insgesamt 234 Flügen an diesem Tag, wie der Airport und die Fluggesellschaft mitteilten. Aktivisten der "Letzte Generation" hatten ein Loch in den Zaun geschnitten und sich Zutritt zum Gelände verschafft. An den Flughäfen Berlin Brandenburg, Nürnberg und Stuttgart gab es durch kurzzeitige Störungen am frühen Morgen zusammen nur eine Handvoll Ausfälle oder Umleitungen. Die Reaktionen von Politik und Verbänden fielen scharf aus.

An den vier Flughäfen drangen insgesamt acht Personen ein und klebten sich am Asphalt fest, wie die Klimaprotestgruppe erklärte. Mit der weltweiten Kampagne "Oil kills" fordern sie einen internationalen Vertrag von Regierungen, bis 2030 aus den klimaschädlichen fossilen Energieträgern auszusteigen. "Solange systematisch unsere Lebensgrundlagen verbrannt werden, hören unsere Proteste nicht auf", erklärte eine Aktivistin.

"Diese kriminellen Aktionen sind gefährlich und dumm", kommentierte Bundesinnenministerin Nancy Faeser auf X. "Wir haben empfindliche Freiheitsstrafen vorgeschlagen. Und wir verpflichten die Flughäfen, ihre Anlagen deutlich besser zu sichern", bekräftigte die SPD-Politikerin. Der Flughafenverband ADV nannte die Störaktionen eine kriminelle Erpressung. "Das sind böswillige Eingriffe in den Luftverkehr und in die Persönlichkeitsrechte eines jeden Reisenden, der seinen Flug nicht planmäßig antreten kann", kritisierte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel. Er forderte, dass die geplanten Strafverschärfungen umgehend beschlossen werden.

TEURER PROTEST

Wer sich im Kampf für Klimaschutz auf Rollbahnen festklebt, muss mit hohen finanziellen Folgen rechnen. "Der grundsätzliche Schaden durch diese Aktionen ist für Wirtschaft und Gesellschaft immens", erklärte Eurowings. Wie in der Vergangenheit werde geprüft, Schadenersatzansprüche geltend zu machen. Die Airline hatte wegen der Kosten durch Proteste in Berlin im November 2022 sowie in Düsseldorf und Hamburg im Juli 2023 zusammen die Aktivisten auf 740.000 Euro Schadenersatz verklagt. Der Frankfurter Flughafen war Ende Juli für mehrere Stunden lahmgelegt, so dass rund 270 von insgesamt 1300 Flügen ausfielen. Betreiber Fraport beziffert den Schaden auf eine Million Euro, die er bei den Verantwortlichen einklagen will.

Aktivisten der Letzten Generation schreckt das nicht ab. "Denn die Klimakatastrophe ist so viel beängstigender als jede Strafandrohung: Sie zerstört meine, unser aller Zukunft!", erklärte die Medizinstudentin Regina Stephan, eine der beiden Beteiligten an der Aktion in Berlin. Für Schadenersatzansprüche müssen die Aktivisten individuell geradestehen. "Alle Menschen sind komplett über die rechtlichen Folgen im Vorhinein informiert, die Entscheidung trifft jeder für sich", sagte ein Sprecher der Letzte Generation. Es komme vor, dass die Betroffenen dann etwa über Social Media Spendenaufrufe starteten, um finanziell unterstützt zu werden, wenn Bußgelder oder Schadenersatzansprüche auf sie zukommen.

(Bericht von Hans Busemann, Miranda Murray, Ilona Wissenbach und Anneli Palmen, redigiert von Kerstin Dörr. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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