Kanzler besucht Meyer Werft - Staatseinstieg perfekt?

Berlin (Reuters) - Mit dem Besuch von Bundeskanzler Olaf Scholz bei der Meyer Werft in Papenburg verbindet das angeschlagene Familienunternehmen große Hoffnungen.
Der SPD-Politiker werde ab 13.00 Uhr (MESZ) auf einer Betriebsversammlung sprechen und sich danach auch den Fragen der Presse stellen, bestätigte ein Sprecher des für seine Kreuzfahrtschiffe bekannten Unternehmens am Mittwoch. Die Werft wartet seit Wochen auf die Zusage des Bundes und des Landes Niedersachsen zu einem Staatseinstieg. "Es gibt im Prinzip eine Grundsatzeinigung, dass alle der Werft helfen wollen", sagte ein Unternehmenssprecher. "Aber es gibt noch viele Aspekte, die noch offen sind."
Die Meyer Werft braucht knapp 2,8 Milliarden Euro, um die bestellten Schiffe produzieren zu können. Der Bund und das Land sollen jeweils 200 Millionen Euro Eigenkapital einschießen und Bürgschaften übernehmen, damit die Banken neue Kredite geben. "Wir gehen davon aus, dass der Kanzler gute Nachrichten mitbringt", sagte Thomas Gelder von der IG Metall Leer-Papenburg der Nachrichtenagentur Reuters. "Für die Belegschaft und die Region ist das ein sehr positives Zeichen der Wertschätzung, dass Herr Scholz kommt." Ein Insider sagte: "Der Kanzler hat wohl nicht nur warme Worte im Gepäck."
Das "Handelsblatt" hatte zuerst über Scholz' Reisepläne berichtet. Auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil, der niedersächsische Wirtschaftsminister Olaf Lies (alle SPD) und Vertreter der IG Metall sollen auf der Betriebsversammlung sprechen, wie aus der Einladung hervorgeht. Die Politik hatte unter anderem zur Bedingung für Hilfen gemacht, dass Meyer seine Konzernholding von Luxemburg nach Deutschland zurückverlegt.
Im Gespräch ist ein Einstieg der öffentlichen Hand mit 80 bis 90 Prozent bei dem 1795 gegründeten Unternehmen - zumindest vorübergehend. Die Werft braucht nach früheren Angaben bis zu 2,77 Milliarden Euro, davon 2,3 bis 2,4 Milliarden in Form von Bankkrediten, um die bestellten Luxusdampfer bauen zu können. Mit dem frischen Eigenkapital müssen auch Verluste aus der Vergangenheit gedeckt und die Sanierung finanziert werden. Die Eigentümerfamilie kann eine Kapitalspritze nicht stemmen.
Die Luxusdampfer, von denen zwei pro Jahr vom Stapel laufen sollen, kosten mindestens 1,5 Milliarden Euro. Die Kunden zahlen in der Regel 20 Prozent an, der Rest wird erst bei der Übergabe fällig. Die Werft muss also die Baukosten vorfinanzieren, normalerweise aus den Anzahlungen. Meyer waren aber die Corona-Jahre zum Verhängnis geworden, in denen es kaum noch Neuaufträge gab. Zuletzt hatte der US-Unterhaltungskonzern Disney vier Schiffe bestellt.
Eine Lösung muss bis zum 15. September gefunden werden. Ein Scheitern würde die strukturschwache Region hart treffen. "Für das Emsland wäre das eine Katastrophe", sagte ein Insider. An dem weltgrößten Hersteller von Kreuzfahrtschiffen hingen 20.000 Arbeitsplätze in der Branche.
(Bericht von Klaus Lauer, Christian Krämer und Alexander Hübner, redigiert von Philipp Krach. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)