Anleger in Europa vor US-Arbeitsmarktdaten risikoscheu

Frankfurt (Reuters) - Vor den neuen US-Arbeitsmarktdaten steigt die Nervosität an den europäischen Aktienmärkten.
Die Anleger wagten sich am Donnerstag kaum aus der Deckung: Der deutsche Leitindex Dax trat am Vormittag bei 18.612 Punkten mehr oder weniger auf der Stelle, der europäische EuroStoxx50 tat es ihm gleich bei 4842 Zählern. "Aktuell wirkt der Markt wie ein angeschlagener Boxer, der noch steht, aber bereits durch den Ring taumelt", sagte Stratege Jürgen Molnar vom Broker RoboMarkets. "Die angeschlagene Stimmung an der Börse spricht eher für weiter fallende Kurse." Investoren sorgen sich momentan vor allem um die Gesundheit der Weltwirtschaft und hoffen, dass die Zinswende von der US-Notenbank Fed schlussendlich nicht zu spät eingeläutet wurde.
Seit mehr als zwei Jahren hat diese mit erhöhten Zinsen versucht, der Inflation Einhalt zu gebieten. Die Börsen gingen dennoch auf Rekordjagd. Doch laut Investmentmanager Hemant Mishr vom Vermögensverwalter S CUBE Capital ist die optimistische Stimmung mittlerweile gekippt. "Es gibt eine spürbare Veränderung, der Markt konzentriert sich jetzt auf negative Nachrichten und begründet einen Ausverkauf."
Im Mittelpunkt standen am Donnerstag die Beschäftigungszahlen aus der Privatwirtschaft, denen am Freitag der offizielle Arbeitsmarktbericht folgen wird. Die Daten sollen Klarheit schaffen, ob die US-Notenbank die erwartete Zinswende im September mit einer Senkung um einen halben oder um einen viertel Prozentpunkt einleitet.
ZINSSENKUNGEN IM FOKUS - ÖLPREISE ERHOLEN SICH
Die Märkte gehen derzeit von einer Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent aus, dass die Fed im September ihren Leitzins um 25 Basispunkte senken wird. "Doch die Flüsterschätzungen gehen von 50 Basispunkten aus, weswegen eine Enttäuschung drohen könnte", sagte Molnar. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte nach Meinung der Börsianer die Geldpolitik weiter lockern. Auf den Kaufzetteln der Aktienanleger in Europa standen zinsabhängige Sektoren wie Immobilien. Der Branchenindex stieg auf den höchsten Stand seit zwei Jahren. Versorger waren ebenfalls gefragt. RWE stand mit einem Aufschlag von mehr als drei Prozent an der Dax-Spitze.
Am Ölmarkt schoben die Anleger die Konjunktursorgen indes beiseite. Spekulationen auf eine Verschiebung der für nächsten Monat geplanten Produktionssteigerung durch die Ölfördergruppe Opec+ stoppten die jüngste Talfahrt. Nordseeöl Brent und US-Öl WTI verteuerten sich um je 1,2 Prozent auf 73,56 und 69,97 Dollar je Fass.
AUSBLICK BEFLÜGELT ASOS - HYPOPORT KOMMEN IN DEN MDAX
Auf Höhenflug gingen die Aktien des Online-Modehändlers Asos. Sie stiegen London um bis zu 16 Prozent und damit so stark wie zuletzt vor mehr als einem Jahr. Der operative Gewinn soll im Gesamtjahr über den Markterwartungen liegen, prognostizierte die Firma ohne Angabe konkreter Zahlen. Aktien des Rivalen Boohoo kletterten um mehr als fünf Prozent.
Im SDax legten die Aktien von Hypoport 3,5 Prozent zu, nachdem die Deutsche Börse den Aufstieg des Finanzdienstleisters in den Nebenwerteindex MDax verkündet hatte. Ebenfalls aufrücken werden die Titel von Schott Pharma, die bis zu 1,1 Prozent gewannen.
(Bericht von Anika Ross, redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)