Studie - Kapital für Israels Tech-Sektor könnte spärlicher fließen

Jerusalem (Reuters) - Wegen der anhaltenden Kämpfe Israels mit der radikal-islamischen Miliz Hamas könnten sich Investoren künftig mit Engagements bei israelischen Startups zurückhalten.
Bislang habe sich der Konflikt aber nicht negativ auf die Investitionsbereitschaft ausgewirkt, ergab eine am Montag veröffentlichte Erhebung der staatlichen Israel Innovation Authority (IIA). Seit dem Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 hätten aufstrebende israelische Firmen insgesamt etwa neun Milliarden Dollar eingesammelt. Dies entspreche in etwa die Summe, die im gleichen Zeitraum vor Ausbruch der Kämpfe erzielt worden sei, sagte IIA-Chef Dror Bin der Nachrichtenagentur Reuters. "Obwohl das Risiko für Investitionen in Israel gestiegen ist, sehen Kapitalgeber das Potenzial dieser Startups und investieren weiter in sie."
Allerdings gebe es Ungleichgewichte: Die Geldspritzen konzentrierten sich auf Startups in einem fortgeschritteneren Stadium ihrer Entwicklung und auf Spezialisten für Cybersicherheit, erläuterte Bin. Gleichzeitig hätten andere vielversprechende Firmen zu kämpfen. "Dies könnte sich zu einem Problem entwickeln." Die IIA versuche mit verschiedenen Programmen gegenzusteuern. Er sei zuversichtlich, dass sich die Finanzierungslage nach dem Ende der Kämpfe wieder normalisiere.
Der High-Tech-Sektor steht für 20 Prozent der Wirtschaftskraft Israels und mehr als die Hälfte der Exporte. Die Branche steuert zudem ein Drittel der Einkommenssteuer bei und beschäftigt 16 Prozent aller Arbeitnehmer. Allerdings sei der Jobaufbau dort zum Erliegen gekommen, betonte Bin. Damit fehlten dem Staat Steuereinnahmen zur Finanzierung der Armee.
Unlängst hatte schon die gemeinnützige Organisation Startup Nation Central (SNC) in einer eigenen Studie vor einer wachsenden Zurückhaltung der Investoren gewarnt. Als Gründe nannten die Autoren die Verunsicherung im Zusammenhang mit den Kämpfen und die Wirtschaftspolitik der israelischen Regierung, die "weithin als destruktiv gewertet wird".
(Bericht von Steven Scheer; geschrieben von Hakan Ersen. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)