Top-Ökonom hält Auto-Abwrackprämie für problematisch - "Zerstört Werte"

Berlin (Reuters) - ZEW-Präsident Achim Wambach sieht eine mögliche Abwrackprämie zur Förderung von Elektroautos skeptisch.
Eine temporäre Förderung von E-Fahrzeugen könne zwar die Umstellung erleichtern, sagte der Chef des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. "Eine Abwrackprämie ist allerdings – abhängig von ihrer Ausgestaltung - problematisch", fügte er hinzu. "Wenn funktionsfähige Fahrzeuge stillgelegt werden, werden Werte zerstört."
Priorität sollte stattdessen der Ausbau der Ladesäulen haben. "Dabei ist darauf zu achten, dass Ladesäulen im Wettbewerb zueinander stehen, sodass Verbraucher eine Wahl zwischen verschiedenen Betreibern von Ladesäulen haben", sagte ZEW-Chef Wambach. "Die derzeit zu beobachtenden regionalen Monopole bei Ladesäulen führen zu hohen Ladepreisen, was Elektrofahrzeuge unattraktiv macht."
Einen direkten ökologischen Beitrag durch eine Abwrackprämie sieht Wambach nicht, der auch im Wissenschaftlichen Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums sitzt. Da 2027 der europäische Emissionshandel auch für Benzin und Diesel in Kraft trete, dürften die Emissionen im Verkehrssektor damit entsprechend den europäischen Zielen begrenzt werden.
Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) plant an diesem Montag eine virtuelle Konferenz mit den Spitzen der Autohersteller sowie Vertretern der Zulieferindustrie und des Verbandes der Automobilhersteller (VDA). SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert verteidigt die Pläne seiner Partei für eine erneute Abwrackprämie für Autos. "Das ist ein Vorschlag, den wir jetzt in die Debatte mit einbringen", sagte Kühnert am Sonntagabend in der ARD. In der SPD von Kanzler Olaf Scholz wird eine Abwrackprämie von 6000 Euro diskutiert, die bei einem Wechsel von einem Verbrenner zu einem E-Auto gezahlt werden soll. Die FDP reagiert skeptisch darauf. "Es wäre völlig falsch, wenn wieder die Politik festlegt, welche Technologie am Ende des Tages marktfähig sein sollte oder sich durchsetzen sollte", sagte FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai. "Deswegen bin ich nicht begeistert von dieser Debatte."
(Bericht von Rene Wagner - redigiert von Christian Rüttger - Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)