US-Währungshüter nach Zinswende für weitere Senkungen - Tempo im Fokus

Frankfurt/New York (Reuters) - Nach der kürzlich vollzogenen Zinswende fassen US-Währungshüter weitere Schritte nach unten ins Auge.
Fed-Direktorin Adriana Kugler signalisierte am Dienstag auf einer Konferenz der Europäischen Zentralbank (EZB) Bereitschaft zu weiteren Lockerungen. "Wenn sich die Inflationsentwicklung wie von mir erwartet fortsetzt, werde ich weitere Senkungen des Leitzinses unterstützen, um mit der Zeit zu einer neutraleren Geldpolitik zu gelangen", sagte Kugler. Mit neutral ist eine geldpolitische Linie gemeint, mit der die Wirtschaft weder gebremst noch angeschoben wird. Der überraschend stark ausgefallene Stellenaufbau im September ist laut der Fed-Direktorin zwar eine erfreuliche Entwicklung: "Sollten die Abwärtsrisiken für die Beschäftigung aber zunehmen, könnte es angebracht sein, die Geldpolitik schneller auf eine neutrale Haltung umzustellen."
Der US-Währungshüter Alberto Musalem plädierte unterdessen für ein eher verhaltenes Tempo auf dem geldpolitischen Pfad nach unten. Der Präsident des Notenbankbezirks von St. Louis befürwortet zwar ebenfalls weitere Zinssenkungen. Doch sei es für die Federal Reserve angebracht, vorsichtig zu agieren und es mit der Lockerung der Zinsschraube nicht zu übertreiben: "Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Lage halte ich die Kosten einer zu frühen starken Lockerung für höher als die Kosten einer zu spät erfolgten schwachen Lockerung", sagte er.
Denn eine hartnäckige oder gar höhere Inflation wäre gefährlich für die Glaubwürdigkeit der Fed und auch für die künftige Arbeitsmarkt- und Wirtschaftslage, warnte der Währungshüter. US-Notenbankchef Jerome Powell hatte jüngst gesagt, er rechne in diesem Jahr noch mit zwei weiteren Zinssenkungen um insgesamt einen halben Prozentpunkt. Die Fed hat Mitte September die Zinswende vollzogen und den geldpolitischen Schlüsselsatz um einen halben Prozentpunkt gesenkt - auf die neue Spanne von 4,75 bis 5,00 Prozent. Die nächsten Zinsentscheide stehen am 7. November und 18. Dezember an.
(Bericht von Michael S. Derby, Ann Saphir und Balazs Korany, geschrieben von Reinhard Becker, r Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)