Mehr Firmenpleiten - "Schrumpfende Wirtschaft hinterlässt tiefe Spuren"

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Berlin (Reuters) - Auch wegen der Konjunkturflaute gibt es immer mehr Firmenpleiten in Deutschland.

Die Zahl der beantragten Regelinsolvenzen stieg nach vorläufigen Angaben im September um 13,7 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. "Mit Ausnahme des Juni 2024 (+6,3 Prozent) liegt die Zuwachsrate damit seit Juni 2023 im zweistelligen Bereich." Diese Anträge fließen erst nach der ersten Entscheidung des Insolvenzgerichts in die Statistik ein. Der tatsächliche Zeitpunkt des Insolvenzantrags liegt in vielen Fällen annähernd drei Monate davor. "Zwei Jahre mit schrumpfender Wirtschaftsleistung hinterlassen immer tiefere Spuren in der deutschen Wirtschaft", sagte Mittelstandsexperte Marc Evers von der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK).

Die Amtsgerichte meldeten nach endgültigen Ergebnissen im Juli 1937 beantragte Unternehmensinsolvenzen und damit 22,1 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Die Forderungen der Gläubiger bezifferten die Gerichte auf rund 3,2 Milliarden Euro, nach etwa 3,1 Milliarden Euro vor Jahresfrist.

"Die DIHK rechnet mit mehr als 20.000 Unternehmensinsolvenzen in diesem Jahr", sagte Evers. Hier sei auch die Politik gefragt. Denn strukturelle Hemmnisse wie hohe Kosten und viel Bürokratie hätten die Wirtschaft fest im Griff. "Bedenklich stimmt zudem das deutlich gestiegene Volumen an Forderungen, die von Insolvenzen betroffen sind."

Der Berufsverband der Insolvenzverwalter und Sachwalter Deutschlands (VID) sieht derzeit keinen eindeutigen Trend. Einerseits stünden viele Unternehmen immer noch vor großen Herausforderungen oder Branchen kämpften wie die Automobilzulieferer mit sich rasant verändernden Märkten. "Andererseits gibt es auch Entspannung, wenn man an die Baubranche mit der wieder gestiegenen Kundennachfrage und den niedrigeren Zinsen nach der letzten Zinssenkung der Europäischen Zentralbank denkt", sagte der VID-Vorsitzende Christoph Niering.

Bezogen auf 10.000 Firmen gab es im Juli insgesamt 5,6 Unternehmensinsolvenzen. Die meisten Pleiten entfielen auf den Wirtschaftsabschnitt Verkehr und Lagerei mit 10,8 Fällen. Danach folgten das Baugewerbe mit 8,5 Insolvenzen und die sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen - etwa Zeitarbeitsfirmen - mit 7,9 Fällen sowie das Gastgewerbe mit 7,2 Insolvenzen je 10.000 Firmen. Derweil stieg auch die Zahl der Verbraucherinsolvenzen im Juli auf Jahressicht um 18 Prozent auf 6690.

(Bericht von Klaus Lauer, redigiert von Kerstin Dörr. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

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