Israel bombardiert erstmals Ziele im Nordlibanon

Reuters · Uhr
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- von Artorn Pookasook und Maya Gebeily

Jerusalem/Dubai (Reuters) - Israel hat seine Angriffe gegen die radikal-islamische Hisbollah im Libanon noch einmal verstärkt und dabei auch erstmals Ziele im Norden des Landes beschossen.

Im Visier war nach Angaben von Anwohnern am Montag die mehrheitlich von Christen bewohnte nordlibanesische Region Aitou. Das libanesische Rote Kreuz sprach von mindestens 18 Toten. Die Angriffe erfolgten inmitten wachsender Spannungen zwischen Israel und der UN-Friedenstruppe Unifil im Südlibanon. Israels Energieminister Eli Cohen bezeichnete die Unifil als "nutzlos", da sie Israel nicht vor Angriffen der Hisbollah geschützt habe.

Cohen bekräftigte die Forderung Israels, dass die Friedenstruppen abziehen müssten, um bei den Kämpfen mit der Hisbollah nicht zwischen die Fronten zu geraten. Israel werde alles tun, um seine Bürger zu schützen. Wenn die Vereinten Nationen nicht helfen könnten, sollten sie sich nicht einmischen und ihre Kräfte aus Kampfgebieten abziehen. Nach UN-Angaben drangen israelische Panzer am Sonntag in einen Unifil-Stützpunkt ein. Insgesamt wurden bislang fünf Blauhelm-Soldaten verletzt. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte, die Blauhelme dienten als "menschliche Schutzschilde" für die Hisbollah.

Die Bundesregierung äußerte sich besorgt über die Entwicklung, wie ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin sagte. Der Beschuss und die Erstürmung des UN-Stützpunktes seien nicht hinnehmbar. "Die Blauhelm-Soldaten müssen geschützt werden." Die Bundesregierung erwarte Aufklärung von Israel zu ihrem Vorgehen. Frankreich lehnte Forderungen der israelischen Regierung nach dem Unifil-Rückzug strikt ab und kritisierte den Beschuss ebenfalls. "Der Schutz der Friedenstruppen ist eine Verpflichtung, die allen Parteien obliegt", erklärte das Außenministerium in Paris. Es müsse Unifil weiterhin ermöglicht werden, ihr UN-Mandat zu erfüllen.

ISRAEL: HISBOLLAH MISSBRAUCHT UN-TRUPPEN ALS SCHUTZSCHILDE

Seit 1978 setzt sich die Unifil mit UN-Mandat für den Frieden zwischen Libanon und Israel ein. Die Mission ist damit einer der ältesten friedenserhaltenden Einsätze der Vereinten Nationen. Zunächst war es Aufgabe, einen angestrebten Waffenstillstand und den Abzug israelischer Sicherheitskräfte aus dem Libanon zu überwachen. Nach dem Zweiten Libanonkrieg 2006 wurde das Mandat ergänzt. Seitdem unterstützt Unifil die libanesische Regierung dabei, die Seegrenzen zu sichern und den Waffenschmuggel über See zu verhindern. Außerdem wird die Ausbildung libanesischer Soldaten unterstützt. An dem Einsatz ist auch die Bundeswehr beteiligt.

Die Hisbollah bestritt, die UN-Friedenstruppen als Schutzschilde zu missbrauchen. Die israelische Armee führte am Sonntag ausländische Journalisten in den Südlibanon und zeigte ihnen einen Hisbollah-Tunnel, der weniger als 200 Meter von einer Unifil-Position entfernt war. Darin befand sich auch ein Waffenlager. Brigadegeneral Jiftach Norkin sagte, die Tunnel seien vor einigen Jahren gebaut worden. "Wir stehen tatsächlich in einer Militärbasis der Hisbollah, ganz in der Nähe der UN", sagte Norkin.

BUNDESREGIERUNG: WERDEN WEITER WAFFEN AN ISRAEL LIEFERN

"Wir haben vor einigen Tagen eine große Menge Waffen gefunden, die ursprünglich aus dem Iran und Russland stammen. Brandneu", sagte der israelische Oberst Olivier Rafowicz. "Sie waren für Angriffe auf uns vorbereitet und für eine große Invasion in den Norden Israels", sagte Rafowicz, der den Journalisten Waffenkisten zeigte. Reuters konnte diese Angaben unabhängig zunächst nicht überprüfen. Die Hisbollah besitzt ähnlich wie die radikal-islamische Hamas im Gazastreifen ein umfangreiches Tunnelsystem im Südlibanon. Israel schätzt, dass sich die Tunnel über Hunderte von Kilometern erstrecken.

Das US-Verteidigungsministerium teilte am Sonntag mit, weitere Truppen und ein Raketenabwehrsystem nach Israel entsenden. Auch die Bundesregierung will weitere Waffen nach Israel liefern, wie Regierungssprecher Wolfgang Büchner in Berlin ankündigte. Es habe nie einen Rüstungsstopp nach Israel gegeben. Details dürfe er allerdings nicht nennen. Ein Sprecher des Außenministeriums ergänzte, die Bundesregierung sehe keine Anzeichen für einen Völkermord im Gazastreifen. Das Völkerrecht werde grundsätzlich bei allen Waffenlieferungen berücksichtigt.

(Bearbeitet von Alexander Ratz und Markus Wacket, redigiert von Sabine Ehrhardt; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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