Inflation steigt erneut - "Dämpfer für Weihnachtsgeschäft"

Reuters · Uhr
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Berlin (Reuters) - Die deutsche Inflationsrate ist im November den zweiten Monat in Folge gestiegen. Waren und Dienstleistungen verteuerten sich um durchschnittlich 2,2 Prozent zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag zu seiner ersten Schätzung mitteilte. Das ist der höchste Wert seit Juli. Im Oktober war die Teuerungsrate auf 2,0 Prozent geklettert, nachdem sie im September mit 1,6 Prozent noch auf den tiefsten Stand seit über dreieinhalb Jahren gefallen war. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten diesmal sogar mit einem Anstieg auf 2,3 Prozent gerechnet. Von Oktober auf November fielen die Verbraucherpreise dagegen um 0,2 Prozent.

"Nach den niedrigen Werten der letzten Monate schlägt das Inflationspendel wieder ein Stück in die andere Richtung aus", kommentierte die Konjunkturexpertin der Förderbank KfW, Stephanie Schoenwald, die Entwicklung. "Die Aussichten für das Weihnachtsgeschäft erhalten einen weiteren Dämpfer." Auch wegen steigender Preise ist die Konsumlaune der Verbraucher noch verhalten.

Die höhere Inflationsrate erklärten Experten mit sogenannten Basiseffekten. "Vor knapp über einem Jahr waren nämlich insbesondere die Energiepreise gefallen", sagte Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen. Energie verbilligte sich im November zwar erneut. Mit 3,7 Prozent fiel der Preisrückgang aber deutlich schwächer aus als im Oktober mit 5,5 Prozent.

Tiefer in die Taschen greifen mussten die Verbraucher vor allem für Dienstleistungen wie Pauschalreisen und Versicherungen. Diese verteuerten sich erneut um 4,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat und damit überdurchschnittlich stark. Nahrungsmittel kosteten 1,8 Prozent mehr (Oktober: plus 2,3 Prozent). Die Inflationsrate ohne Nahrungsmittel und Energie - oft auch als Kerninflation bezeichnet - stieg von 2,9 auf 3,0 Prozent.

WAS MACHT DIE EZB?

Die nach europäischen Standards berechnete deutsche Inflationsrate kletterte im November sogar auf 2,4 Prozent. Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt mittelfristig einen Wert von zwei Prozent an. "Nach wie vor lässt sich von einem preisstabilen Umfeld sprechen", sagte der Chefvolkswirt der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank, Alexander Krüger. "Die deutsche Vorgabe hält eine Leitzinssenkung der EZB im Dezember auf der Agenda." Sie hat ihre Geldpolitik in diesem Jahr bereits dreimal gelockert. "Solange die Inflationsraten nicht wieder in den Rückwärtsgang gehen, sind in den kommenden Monaten allenfalls vorsichtige Zinssenkungen machbar", sagte DekaBank-Chefvolkswirt Ulrich Kater.

Ein sogenannter Basiseffekt könnte die Inflation auch im Dezember hoch halten: Ab Jahresende 2023 sind die Energiepreise deutlich gesunken. Diese Abwärtsbewegung im Vergleichsjahr "erhöht für sich genommen in den kommenden Monaten die Teuerungsrate", heißt es im aktuellen Monatsbericht der Bundesbank. Auch bei Reisen dürften dämpfende Basiseffekte wegfallen, denn im Vorjahr seien die Preise hier "erheblich" zurückgegangen. "Die Inflationsrate dürfte dadurch vorübergehend noch deutlich weiter steigen", erklärte die Bundesbank jüngst. Zu Beginn des neuen Jahres könnten dann Sondereffekte preistreibend wirken. Dazu zählen die Preisanhebung beim Deutschlandticket und wohl auch kräftige Erhöhungen der Tarife für private Krankenversicherungen.

"Wegen der drohenden US-Zollerhöhungen lauert für 2025 ein neuer Inflationsimpuls", fügte Ökonom Krüger hinzu. Der designierte US-Präsident Donald Trump hat im Wahlkampf höhere Zölle für Importe aus der Europäischen Union angekündigt. Sollte die EU mit Gegenzöllen reagieren, könnte das viele Waren teurer machen.

(Bericht von Rene Wagner, redigiert von Sabine Ehrhardt - Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

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