Schweiz klagt Bank Lombard Odier wegen Geldwäsche an

Reuters · Uhr
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Zürich (Reuters) - Die Schweizer Bundesanwaltschaft hat den Vermögensverwalter Lombard Odier wegen schwerer Geldwäsche angeklagt.

Die Traditionsbank und einer ihrer ehemaligen Mitarbeiter werden verdächtigt, eine entscheidende Rolle bei der Verschleierung von Erlösen aus kriminellen Aktivitäten von Gulnara Karimova, der Tochter des Ex-Präsidenten Usbekistans, gespielt zu haben, wie die Bundesanwaltschaft am Freitag mitteilte. Die Ermittlungen hätten den Verdacht erhärtet, dass ein Teil der in der Schweiz gewaschenen Gelder über Bankbeziehungen bei Lombard Odier in Genf transferiert worden sein sollen.

Lombard Odier erklärte in einer Stellungnahme, die Anschuldigungen seien unbegründet und würden von der Bank entschieden zurückgewiesen. Die Untersuchung habe nach einer Verdachtsmeldung des Instituts an die Schweizer Behörden im Jahr 2012 begonnen. Das Verfahren dauere seither an, und die Bank habe stets vollumfänglich mit den Behörden kooperiert.

"Es ist höchst außergewöhnlich, dass eine Bank angeklagt wird", erklärte Peter V. Kunz, Professor für Wirtschaftsrecht an der Universität Bern. Strafrechtlich drohe Lombard Odier höchstens ein Bußgeld. Sollte es im Strafverfahren zu einer Verurteilung kommen, hätte das wahrscheinlich aber auch Sanktionsmaßnahmen der Finanzmarktaufsicht Finma zur Folge. "Sicher ist, dass die Anklage für Lombard Odier ein Reputationsproblem bedeutet. Das bleibt sie auch, selbst wenn es schlussendlich zu einem Freispruch kommen würde."

Die Anklage gegen Lombard Odier beim Bundesstrafgericht stütze sich auf eine Anklage der Behörde gegen Karimova im Jahr 2023 ab. Ihr wurde damals vorgeworfen, Lenkerin einer in verschiedenen Ländern aktiven kriminellen Organisation gewesen zu sein. Zwischen 2005 und 2012 solle die Organisation in der Schweiz Vermögenswerte gewaschen haben, die aus Verbrechen stammten. Karimova konnte für eine Stellungnahme vorerst nicht erreicht werden. Sie befindet sich derzeit in Usbekistan im Gefängnis, nachdem sie 2019 wegen Verstoßes gegen die Bedingungen ihres Hausarrests inhaftiert und 2015 wegen Veruntreuung und Erpressung verurteilt worden war. Im Jahr 2020 wurde sie zu einer weiteren Strafe verurteilt.

Die Bundesanwaltschaft wirft Lombard Odier vor, bei der Eröffnung und Führung der Geschäftsbeziehungen die damals geltenden Standards bei der Geldwäschebekämpfung und die eigenen internen Richtlinien verletzt zu haben. Insbesondere habe die Untersuchung Versäumnisse bei der Identifikation des wirtschaftlich Berechtigten der Geschäftsbeziehungen, bei der Abklärung von Transaktionen mit erhöhtem Risiko sowie bei der internen Organisation gezeigt.

Die Finma erklärte, die Behörde haben in diesem Fall ein Verfahren geführt und 2014 abgeschlossen. "Wie üblich sorgt die Finma bei Kenntnis von Missständen dafür, dass der ordnungsgemäße Zustand wieder hergestellt wird."

Mit Kundenvermögen von insgesamt 318 Milliarden Franken gehört Lombard Odier nach der UBS, Pictet und Julius Bär zu den größten Vermögensverwaltern der Schweiz. Die Branche zog dank des Bankgeheimnisses jahrzehntelang viel Geld von Millionären und Milliardären rund um den Globus an. Unter dem Druck des Auslands begannen die Banken nach der Finanzkrise ihre Kunden aber genauer unter die Lupe zu nehmen und etwa unversteuerte Gelder zurückzuweisen.

(Bericht von Oliver Hirt und Dave Graham. Redigiert von Philipp Krach. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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