Irans Führung ringt um Kontakte nach Damaskus

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- von Parisa Hafezi

Dubai (Reuters) - Das iranische Regime hat nach dem Sturz seines Verbündeten Baschar al-Assad nach eigenen Angaben eine direkte Kommunikationslinie zu den Rebellen in der neuen syrischen Führung eingerichtet.

Ein hochrangiger Regierungsvertreter des Iran sagte der Nachrichtenagentur Reuters am Montag, Ziel sei es, eine "feindselige Entwicklung" zwischen den beiden Ländern zu verhindern. Mit dem Sturz Assads haben vor allem der Iran und Russland einen wichtigen Verbündeten in der Region verloren.

Angeführt wird der Umsturz von der Rebellengruppe Hayat Tahrir al-Sham (HTS), die einst zur Extremistenorganisation Al Kaida gehörte, sich dann aber lossagte. Stunden nach Assads Sturz erklärte die iranische Regierung, man erwarte, dass die Beziehungen zu Damaskus aufgrund eines "weitblickenden und weisen Ansatzes" fortgesetzt würden. Die neue Regierung müsse alle Teile der syrischen Gesellschaft repräsentieren. Offensichtlich sorgt sich die Führung in Teheran vor dem Verlust von Einfluss in der Region. Ausgangspunkt dafür war bereits die von Israel verfolgte Schwächung der radikalschiitischen Hisbollah in Libanon, die vom Iran kontrolliert wird.

Doch Panik herrsche nicht, sagten drei iranische Offizielle. Die Regierung in Teheran suche diplomatische Wege, um Kontakte mit Personen in Syrien aufzunehmen, "deren Ansichten Irans näherstehen", sagte ein Regierungsvertreter. "Die Hauptbesorgnis für Iran ist, ob Assads Nachfolger Syrien aus Teherans Umlaufbahn drängen wird", sagte ein zweiter Vertreter des Regimes. "Ein Szenario, das Iran unbedingt vermeiden möchte." Ein gegenüber dem Iran feindseliges Syrien würde der Hisbollah im Libanon die einzige Landversorgungsroute und Iran den Hauptzugang zum Mittelmeer und die "Frontlinie" zu Israel abschneiden.

"MAXIMALER DRUCK"

Neben dem Verlust des Verbündeten in Damaskus muss sich Teheran zudem auf den neuen US-Präsidenten Donald Trump einstellen. Trump hatte bereits in seiner ersten Amtszeit einen harten Kurs gegen Irans Machthaber gefahren. Trumps Devise hieß schon damals "maximaler Druck". Daher ist die iranische Führung doppelt bestrebt, gute Beziehungen zu den neuen Machthabern in Syrien aufzubauen. "Diese Gespräche sind entscheidend, um die Beziehungen zu stabilisieren und weitere regionale Spannungen zu vermeiden", sagte ein iranischer Vertreter.

"Iran hat jetzt nur noch zwei Optionen: sich zurückzuziehen und eine Verteidigungslinie im Irak zu ziehen oder einen Deal mit Trump zu suchen", sagte Ali Vaez von der International Crisis Group. Irans geistliche Führer gaben Milliarden von Dollar aus, um Assad während des 2011 ausgebrochenen Bürgerkriegs in Syrien zu stützen. Auch wurden Revolutionsgarden nach Syrien entsandt, um Irans Verbündeten an der Macht zu halten und Teherans "Achse des Widerstands" gegen Israel und den US-Einfluss im Nahen Osten zu stützen.

(Bearbeitet von Alexander Ratz, redigiert von Ralf Bode. Bei Rückfragen wenden Sie sich an berlin.newsroom@tr.com)

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