Dax kommt kaum vom Fleck - EZB-Zinsentscheid im Fokus

Frankfurt (Reuters) - Vor dem Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) haben die Dax-Anleger am Donnerstag keine großen Sprünge gewagt.
Der deutsche Leitindex notierte kaum verändert bei 20.405 Zählern und lag damit knapp unter seinem jüngsten Rekordhoch von 20.461,85 Punkten. Der EuroStoxx50 lag minimal fester. Experten sind sich einig, dass die EZB am frühen Nachmittag die Zinsen senken dürfte - die Frage ist nur, wie groß dieser Schritt ausfallen wird. "Die wirtschaftlichen Probleme in der Euro-Zone, die politischen Wackelkandidaten wie Deutschland und Frankreich und der drohende Protektionismus eines US-Präsidenten Donald Trump schreien förmlich nach einem großen Schritt von 50 Basispunkten, doch der EZB sollte der Mut dafür fehlen," prophezeite Jürgen Molnar von RoboMarkets.
Die meisten Volkswirte gehen davon aus, dass die EZB den Zinssatz um 0,25 Prozentpunkte nach unten schrauben wird. Es wäre die vierte Senkung in diesem Jahr. Mit Spannung warten die Anleger zudem auf Hinweise, wie es 2025 geldpolitisch weitergeht. "Für die Börsen werden der Zinsausblick und die aktualisierten Wachstums- und Inflationsprognosen wichtiger sein als die Zinsentscheidung selbst", erklärte Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. Spekuliert wird auf weitere Lockerungsschritte angesichts der trüben Konjunktur im Euroraum und einer Inflation auf dem Weg zur Zielmarke von 2,0 Prozent. Der Euro, der am Donnerstag mit 1,0510 Dollar leicht fester notierte, dürfte in diesem Fall laut Experten weiter das Nachsehen haben. Auf Jahressicht hat er fast fünf Prozent an Wert verloren.
FRANKEN NACH SNB-ZINSENTSCHEID UNTER DRUCK
Deutlich schwächer notierte am Donnerstag zeitweise auch der Schweizer Franken. Der Dollar stieg nach dem Zinsentscheid der Schweizer Nationalbank (SNB) um bis zu 0,6 Prozent auf 0,8891 Franken. Die SNB hat die Zinsen überraschend stark um 50 Basispunkte auf 0,5 Prozent gesenkt. Zudem signalisierte sie ihre Bereitschaft zu einer weiteren geldpolitischen Lockerung.
Auf der Unternehmensseite wechselten die größten Gewinner und Verlierer im Dax fröhlich durch - gegen Mittag zählten BASF, Commerzbank und Rheinmetall mit einem Plus zwischen 1,3 und 1,1 Prozent zu den stärksten Werten. Unter Druck gerieten dagegen Siemens Energy, die sich um mehr als zwei Prozent auf 50 Euro verbilligten. Einem Börsianer zufolge machten die Anleger nach dem guten Lauf der Aktie Kasse. Der Wert der Titel hat sich seit Jahresbeginn mehr als vervierfacht. Unter Gewinnmitnahmen litten einem Händler zufolge auch die Siemens-Aktien. Für seine neue Vorzeige-Sparte Smart Infrastructure erwartet der Konzern in den nächsten drei bis fünf Jahren einen Umsatzanstieg zwischen sechs bis neun Prozent pro Jahr, die operative Umsatzrendite soll 16 bis 20 Prozent erreichen. Die Siemens-Aktie, die seit Monatsbeginn mehr als sechs Prozent zugelegt hat, notierte zeitweise ein Prozent schwächer. Einige Analysten hätten vielleicht noch mehr erwartet, sagte ein Börsianer.
LUXUSWERTE IM AUFWIND
Bei den Luxuswerten sorgte eine Prognoseerhöhung beim italienischen Luxuskonzerns Brunello Cucinelli für Kauflaune. Die Titel des Modeanbieters kletterten an der Börse in Mailand um sieben Prozent in die Höhe. Konkurrenten wie Burberry, Kering und Richemont gewannen zeitweise zwischen 2,7 und 2,2 Prozent. Im MDax notierten Hugo Boss in der Spitze 2,9 Prozent fester. Brunello Cucinelli erwartet für das laufende Geschäftsjahr nun einen Umsatzanstieg zwischen elf und zwölf Prozent. Zuvor war das Unternehmen von rund zehn Prozent ausgegangen.
(Bericht von: Daniela Pegna, redigiert von Kerstin Dörr. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)