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Algorithmus ist nicht gleich künstliche Intelligenz

Stefan Riße

Das Thema Künstliche Intelligenz (KI) ist derzeit das große Thema in den Medien. Nichts wird so heiß diskutiert wie die Frage, was künstliche Intelligenz für unsere Zukunft bedeutet und wer international die Nase bei dieser Technologie vorne hat. Das Wort Algorithmus kommt in diesem Zusammenhang fast genauso häufig vor wie der Begriff künstliche Intelligenz selbst. Dabei wird häufig vergessen, dass Algorithmen selbst noch keine künstliche Intelligenz sind.

Am Kapitalmarkt sind Algorithmen seit 40 Jahren am Werk

Ich beschäftige mich seit 1985 täglich mit den Finanzmärkten. Schon Ende der achtziger Jahre begegneten mir automatisierte Handelssysteme. Das waren Algorithmen, die gewisse Signale generierten aus den Kursdaten der Vergangenheit. Die meisten waren und sind bis heute so genannte Trendfolge-Programme. Doch sie wurden durch menschliche Intelligenz entwickelt. Man schaut sich dafür ganz einfach die Kursmuster der Vergangenheit an und stellt Regeln auf, wann ein Markt einen Aufwärtstrend oder einen Abwärtstrend eingeschlagen hat. Gleitende Durchschnitte und ähnliche Indikatoren sind hierfür die Grundlage.

Starte Systeme lernen nicht dazu

Diese Algorithmen basieren also auf festen Formeln, die einmal aufgestellt wurden. Sie haben mit künstlicher Intelligenz deshalb nichts zu tun. Denn die künstliche Intelligenz zeichnet sich dadurch aus, dass sie aus der fortwährenden Entwicklung weiter lernt, und den Algorithmus stetig weiterentwickelt. Das ist die scharfe Abgrenzung nicht nur bei Algorithmen, die am Finanzmarkt eingesetzt werden, sondern in allen anderen Bereichen, wo Algorithmen zum Einsatz kommen. Bietet ein Internetversender mir bei zu einem Produkt das ich gekauft haben, ein anderes bestimmtes Produkt an, weil viel Kunden zuvor diese Produktkombination erwarben, ist noch nicht zwingend KI am Werk. Erst wenn der Computer immer mehr darüber lernt, wie sich die Käufer verhalten und die angezeigten Produkte immer spezifischer auf den jeweiligen Kunden zugeschnitten sind wir mit KI gearbeitet.

Künstliche Intelligenz kann der Durchbruch bei Börsenalgorithmen sein

Das Problem der seit Jahrzehnten existierenden Handelssysteme liegt darin, dass sie meist eine Zeit lang laufen und dann nicht mehr funktionieren. Das kann daran liegen, dass diejenigen, die entsprechend dieser Algorithmen handeln durch die jeweiligen Nachfrage oder das jeweilige Angebot, das sie auslösen,  selbst Einfluss auf die Kursmuster der Zukunft nehmen. Das hat George Soros in seiner Theorie der Reflexivität sehr gut erklärt. Im Unterschied zur Naturwissenschaft wo Ursache und Wirkung eine einseitige Verbindung haben, bilden Sie in der Wirtschaft und an den Finanzmärkten einen Kreislauf. Praktisch gesagt. Gibt es typische Muster an den Finanzmärkten, die von den immer leistungsstärkeren Computern immer schneller entdeckt werden, verändern die darauf basierenden Programme die Muster umso schneller, je mehr Kapital entsprechend gehandelt wird. Ergo funktionieren sie dann irgendwann nicht mehr. Hier könnte die künstliche Intelligenz den Durchbruch bringen weil die Algorithmen dann anpassungsfähig sind und sich auf die jeweils neuen Muster einstellen.

Mit künstlicher Intelligenz die Fundamentalanalyse unterstützen

Bei Acatis Investment haben wir mittlerweile drei Fonds, die ausschließlich beziehungsweise zum Teil mit künstlicher Intelligenz arbeiten, um die Aktien auszuwählen, die eine überdurchschnittlich gute Entwicklung versprechen. Es lassen sich mit künstlicher Intelligenz also nicht nur Kursdaten der Vergangenheit analysieren sondern auch Fundamentaldaten oder wie bei einem unserer Fonds die jeweilige Stimmung in den sozialen Medien für einzelne Aktien.

Künstliche Intelligenz wird - so viel ist klar - auch das Portfoliomanagement maßgeblich verändern.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Stefan Riße Stefan Riße Kapitalmartktstratege Acatis Investment

Stefan Riße Jahrgang 1968, aus Bremen ist Börsianer mit Leib und Seele. Seit seinem 16. Lebensjahr beschäftigt er sich intensiv mit den internationalen Finanzmärkten.

Nach dem Abitur und Praktika bei Banken und Vermögensverwaltern arbeitete er zwei Jahre lang als Broker, bevor er in den Journalismus wechselte. Er schrieb für Zeitschriften wie Forbes und Focus und ist seit über fünf Jahren ständiger Kolumnist für Focus Money.

Bekannt wurde Stefan Riße aber vor allem aufgrund seiner Tätigkeit als Börsenkorrespondent für "n-tv", wo von 2001 bis 2005 seine Berichte live vom Frankfurter Börsenparkett gesendet wurden. Von 2006 bis 2011 war er Chief Market Strategist der Deutschlandniederlassung von CMC Markets – dem ersten CFD- Market-Maker in Deutschland.

Seit Mai 2018 ist er Kapitalmarktstratege bei Acatis Investment und als dieser nach wie vor gefragter Interviewgast u. a. auch bei "n-tv" wo er regelmäßig auftritt.

Bereits im Alter von 17 Jahren lernte er den im September 1999 verstorbenen Börsenaltmeister André Kostolany kennen, mit dem ihn bis zu dessen Tod eine enge Freundschaft verband.

Sein bisher letztes Buch „Die Inflation kommt!“ war eines der erfolgreichsten Wirtschaftsbücher im Jahr 2010 und erreichte Platz 1 der Handelsblatt-Bestsellerliste.

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