Arbeitslosenzahl steigt wegen Corona-Krise auch im Mai

Reuters

- von Klaus Lauer

Nürnberg/Berlin (Reuters) - Die Coronavirus-Krise treibt die Arbeitslosenzahl in Deutschland weiter noch oben.

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) registrierte im Mai 2,813 Millionen Arbeitslose. Das waren 169.000 mehr als im April und 577.000 mehr als vor einem Jahr, erklärte die Behörde am Mittwoch. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,3 Prozentpunkte auf 6,1 Prozent. Durch die Corona-Pandemie sei der Arbeitsmarkt weiter stark unter Druck, sagte BA-Chef Detlef Scheele in Nürnberg. "Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung sind auch im Mai gestiegen, allerdings nicht mehr so stark wie im April." Bei der Beschäftigung seien erste Spuren sichtbar. "Mit einer Trendumkehr würde ich so schnell nicht rechnen." Dafür müsste die Wirtschaft sich noch stärker erholen.

Bereinigt um jahreszeitliche Schwankungen stieg die Zahl der Arbeitslosen um 238.000 und damit etwas stärker als von Ökonomen mit rund 200.000 erwartet. Zudem ist etwa jeder dritte der über 33 Millionen Beschäftigten von Kurzarbeit bedroht. Im Mai wurde laut BA für 1,06 Millionen Beschäftigte Kurzarbeit angezeigt, nach zusammen 10,66 Millionen im März und April. "Das heißt aber nicht, dass diese Menschen schlussendlich auch alle kurzarbeiten werden", betonte die BA.

Die Krise sei zwar beispiellos, sagte Scheele. Er sei aber zuversichtlich, dass Deutschland dies gut meistern werde, denn die Wirtschaft sei strukturell nicht "falsch aufgestellt". Der BA-Chef bilanzierte deshalb: "Zur Zeit kommen wir ganz gut durch, finde ich."

Entscheidend für die Entwicklung am Jobmarkt seien vor allem drei Punkte, sagte KfW-Chefökonomin Fritzi Köhler-Geib. Kann eine zweite Infektionswelle vermieden werden, inwieweit können von der Krise stark betroffene Wirtschaftszweige bald wieder ausreichende Erträge einfahren und was für staatliche Impulse bringt das geplante Konjunkturpaket? "Analysiert man die Faktoren, so überwiegen die Gründe, vorsichtig optimistisch zu sein", sagte die Volkswirtin.

BESCHÄFTIGUNG SINKT ERSTMALS SEIT 2010

Während die Arbeitslosigkeit steigt, ist die Zahl der Beschäftigten in Deutschland im April wegen der Corona-Krise erstmals seit mehr als zehn Jahren gesunken. 44,8 Millionen Personen mit Wohnort in Deutschland waren erwerbstätig - das ist ein Rückgang von 210.000 oder 0,5 Prozent zum Vorjahresmonat. "Damit entwickelte sich die Zahl der Erwerbstätigen gegenüber dem Vorjahr erstmals seit März 2010 rückläufig", wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Im Vormonat März hatte es noch ein leichtes Wachstum von 0,2 Prozent gegeben.

Wegen der restriktiven Maßnahmen zur Virus-Eindämmung mussten viele Geschäfte, Restaurants und Fabriken schließen. "Normalerweise steigt die Erwerbstätigkeit im April eines Jahres im Zuge der üblichen Frühjahrsbelebung kräftig an", erläuterte das Statistikamt. Diese fiel diesmal wegen der Corona-Krise aus. Auch im Vergleich zum Vormonat sank die Erwerbstätigenzahl. Bereinigt um die üblichen jahreszeitlich bedingten Schwankungen sank sie um 271.000 oder 0,6 Prozent.

Deutschland steht wegen der Coronavirus-Krise vor der schwersten Rezession in der Nachkriegszeit. Bislang geht die Regierung davon aus, dass die Wirtschaftsleistung 2020 um 6,3 Prozent schrumpft. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hält allerdings einen noch stärkeren Konjunktureinbruch für möglich. "Ich schließe nicht aus, dass es mehr wird, auch bei uns", hatte der CDU-Politiker am Dienstag gesagt.

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