Diese vier Arten von Kryptos gibt es

Bernd Schmid · Uhr (aktualisiert: Uhr)

Bitcoin und andere Kryptowährungen sind nach 2017 langsam wieder dabei, zu einem Gesprächsthema in der Gesellschaft zu werden. Der Begriff „Kryptowährung“ wird dabei gerne für alle möglichen digitalen Vermögensgegenstände verwendet, obwohl diese nur ein Anwendungsbeispiel der Blockchaintechnologie sind ‒ wenn auch zugegebenermaßen die Blockchain zu genau diesem Zweck erfunden wurde.

In diesem Artikel versuche ich, einen Rahmen zu geben, wie verschiedene Blockchainprojekte eingeordnet werden können. Damit hatte ich selbst anfangs auch so meine Schwierigkeiten. Aber Jeff Dorman von Arca Labs, einem Investmentfonds für digitale Vermögenswerte, hat mir dabei geholfen.

Er teilt digitale Vermögenswerte in die folgenden vier Gruppen ein, die praktisch so gut wie gar nichts miteinander zu tun haben. Trotzdem werden sie oft in einen Topf geschmissen und miteinander verglichen. Ich hoffe, der Artikel hilft dabei zu verstehen, warum das nicht viel Sinn ergibt.

Hier sind die vier Kategorien.

1. Kryptowährungen

Was ist eine Währung überhaupt? Wikipedia (das Englische) sagt dazu:

Eine Währung im engeren Sinne ist Geld in jeder Form, wenn es als Tauschmittel in Gebrauch oder im Umlauf ist, insbesondere umlaufende Banknoten und Münzen.

Der Titel des Bitcoin-White-Papers von Satoshi Nakamoto lautete wie folgt: „Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System.“

Also Bitcoin, und damit die Blockchain, wurde in der Tat nur mit dem Ziel erfunden, eine digitale Währung zu ermöglichen. Das ist auch der Grund, warum so viele Menschen gar nicht unterscheiden zwischen Kryptos, Kryptowährungen und Blockchain.

Mittlerweile gibt es neben Bitcoin allerdings noch einige andere Kryptowährungen. Die mir mehr als nur flüchtig bekannten neben Bitcoin sind Bitcoin Cash und Monero. Jede davon hat etwas andere Vorteile.

Bitcoin zum Beispiel ist die mit Abstand am weitesten verbreitete Kryptowährung. Das zugehörige Netzwerk kann jedoch nur gut ein bis zwei Handvoll Transaktionen pro Sekunde verarbeiten. Als echte Währung/Bargeldersatz reicht dies bei Weitem nicht aus. Daher sehe ich Bitcoin viel mehr als eine Alternative zu Gold an.

Bitcoin Cash beruht praktisch auf demselben Code wie Bitcoin. Es ist eigentlich nur eine Kopie, bei der einige Parameter verändert wurden. Daher kann Bitcoin Cash mehr Transaktionen verarbeiten und ist damit eher eine Alternative zu Bargeld.

Aber auch nicht wirklich, denn Bargeld ist anonym, wohingegen sowohl bei Bitcoin Cash als auch bei Bitcoin jede einzelne Transaktion für immer einsehbar bleibt. Dieses „Manko” (zumindest aus Sicht der Bargeldunterstützer wie mir selbst) wird von Monero und anderen echten „anonymen Blockchains“ behoben.

Welche dieser Währungen sich am Ende durchsetzt, das steht heute noch in den Sternen. Ich denke, es werden zwei, drei verschiedene sein, die sich in ihrer Funktionalität ergänzen werden.

2. Protokolle und Plattformen

In diese Kategorie fallen Ethereum und fast zahllose Konkurrenzprodukte. Die größten darunter, gemessen an ihrer Marktkapitalisierung, sind aktuell Cardano und Polkadot.

Jeff Dorman hat eine wunderbare Analogie, wie man diese Protokolle und Plattformen einordnen kann:

Manchmal betrachte ich das fast wie den iOS App Store. Wenn man den iOS App Store hat, dann hat man Tausende verschiedene Apps, die darauf aufsetzen. Das Gleiche passiert hier. Nur gibt es Hunderte von verschiedenen App Stores, all diese verschiedenen Blockchains. Und Entwickler werden auf diesen Blockchains letztendlich viele Projekte aufbauen.

Diese Kategorie hat eigentlich überhaupt nichts mehr mit Kryptowährungen zu tun. Die einzige Gemeinsamkeit ist, dass die Ethereum-Blockchain auch eine eigene Währung - Ether - hat, die man benötigt, um die Blockchain zu verwenden. Aber Ethereum wurde nie entwickelt, um eine digitale Konkurrenz für Gold, US-Dollar oder Euros und so weiter zu werden.

Stattdessen sollen diese Protokolle und Plattformenen viel mehr können. Anstatt lediglich Transaktionsdaten auf der Blockchain zu speichern, kann man auf der Ethereum-Blockchain Codes speichern. Zum Beispiel einen Vertrag zwischen zwei Parteien: Partei A schickt heute 100 Euro an Partei B und Partei B zahlt diese in einem Monat zurück.

Das und noch viel mehr wird heute bereits auf Ethereum gemacht. So ist auf dieser Blockchain bereits heute ein komplettes Ökosystem dezentraler Finanzdienstleistungen (DeFi) verfügbar, das man nutzen kann, ohne über eine Bank oder andere Dienstleister zu gehen.

Die Ethereum Blockchain hat wie Bitcoin dabei noch ihre Einschränkungen, was die Anzahl der ausgeführten Transaktionen angeht. Aber auch diese Probleme werden gelöst werden. Tatsächlich gibt es bereits Blockchains wie EOS, die Tausende Transaktionen je Sekunde abwickeln. Es ist für mich daher nur eine Frage der Zeit, bis wir alle diese dezentralen Systeme irgendwann nutzen.

3. Durch Vermögenswerte besicherte Token

Der englische Begriff ist „Asset Backed Token“. Wenn dich das an „Asset Backed Security“ erinnert, dann hat das seinen Grund. Letztere sind zwar als Auslöser der Finanzkrise 2008 in Verruf geraten. Asset Backed Token hingegen haben eine 100%ige Daseinsberechtigung und können uns Anlegern in Zukunft sehr viel mehr Freude bereiten als in einem Pool zusammengeworfene Hypotheken.

Ein durch Vermögenswerte besichertes Token ist genau das: ein Token, das einen echten Vermögenswert (oder eine Kollektion mehrerer) repräsentiert. Diese Vermögenswerte können alles Mögliche sein wie Unternehmensanteile (Aktien) oder … Gehälter von Fußballspielern.

Du hast richtig gelesen. Dass so etwas kommt, damit können wir rechnen. Und noch viel mehr.

4. Durchleitungstoken

Der Begriff klingt nur so behämmert, weil er von mir stammt. Jeff Dorman nennt sie „pass-through token“. Vielleicht fällt dir nach dem Lesen dieser Kategorie ein besserer Begriff ein - dann wäre ich dankbar für eine kurze E-Mail oder einen Forenbeitrag.

Wie dem auch sei. Ein Durchleitungstoken ist ein Token, das einen echten ökonomischen Wert für den Besitzer hat. Im Gegensatz zu durch Vermögenswerte besicherte Token ist der dahinterliegende Wert allerdings sehr individuell.

Am einfachsten erklären lässt sich das an Beispielen.

Rabatttokens

Es ist vorstellbar, dass Firmen ihren Kunden einen gewissen Rabatt gewähren, wenn sie ein bestimmtes Token nutzen. Eigentlich ist es nicht nur vorstellbar, sondern es gibt bereits Beispiele aus der realen Welt.

Binance ist Handelsplattform für Kryptos. Man kann auf der Plattform wie auf vielen anderen auch Bitcoin, Ethereum und zahlreiche (ich meine Tausende) andere Token handeln. Unter anderem auch das Binance Token (BNB).

Wer ein Binance Token besitzt (ich denke, sogar auch nur einen Bruchteil eines Binance Tokens), der erhält einmal einen Rabatt von 25 % auf die Handelsgebühren. Außerdem erlaubt Binance einem Nutzer sehr hohe Handelsvolumen nur, wenn dieser eine entsprechende Anzahl an BNB Token in seinem Konti hat - je höher das Transaktionsvolumen, desto mehr BNB Token sind notwendig.

Nicht fungible Token (NFTs)

Fungibel bedeutet austauschbar. NFT steht daher für ein Token, das nicht austauschbar ist, das es also kein zweites Mal gibt.

Hier erleben wir aktuell einen richtigen Hype. Größtenteils wird digitale Kunst verkauft, wie JPG-Bilder oder Musikvideos - bei dem eines für den Käufer dann schon mal einen Wert von fast 70 Mio. US-Dollar hat (beziehungsweise den äquivalenten Wert in einer Kryptowährung).

Elon Musk machte sich darüber lustig, indem er einen Song über NFTs als NFT verkaufen wollte. Als dann jemand mehr als eine Million US-Dollar dafür bot, machte er einen Rückzieher, da es sich „nicht ganz richtig“ anfühle.

Ich selbst bin kein großer Freund von Kunst, egal ob analog oder digital. Es gibt aber auch Dinge, für die sogar ich mich begeistern würde. Die NBA zum Beispiel verkauft Videoclips von Slamdunks als NFTs. Wenn der DFB oder die FIFA so etwas einmal macht, dann kann ich mir schon vorstellen, der Besitzer von Mario Götzes Siegtor im WM-Finale zu werden oder so etwas.

Das Potenzial dieser digitalen Vermögenswerte ist riesig

Gold, die Summe allen Bargelds, Finanzdienstleistungen der iOS App Store, Gehälter von Spitzensportlern. Was haben diese Dinge in ihrer Summe für einen Wert?

Alleine alles bereits aus dem Boden geholte Gold hat eine Marktkapitalisierung von gut 10 Mrd. Euro. Zum Vergleich dazu: Alle Kryptos in ihrer Gesamtheit haben aktuell eine Marktkapitalisierung von nicht einmal einem Fünftel davon.

Alleine diese Tatsache begeistert mich so. Man weiß zwar heute nicht, welche Kryptos sich durchsetzen werden - vielleicht verschwindet Bitcoin schneller vom Erdboden, als sich viele vorstellen können. Den „Sektor“ an sich sehe ich in seiner Gesamtheit jedoch als stark unterbewertet an. Eigentlich müsste sich jeder Value-Investor darauf stürzen - denn am Aktienmarkt muss man viel länger grasen, um vielversprechende Renditen zu finden.

Foto: Wit Olszewski / Shutterstock.com

Offenlegung: Bernd besitzt Bitcoin, Bitcoin Cash, Cardano, EOS, Ethereum und Monero. The Motley Fool empfiehlt und besitzt Bitcoin.