Drei Fragen an Bernecker: Wie schauen die Perspektiven für K+S aus, Ihre Einschätzung zur Morphosys-Übernahme und ist unter den vielen neuen IPOs ein vielversprechendes dabei?

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In unserer heutigen Ausgabe fragen wir nach den Perspektiven für K+S, ob Morphosys mit der jüngsten Übernahme ein gutes Händchen bewiesen hat und ob es derzeit unter den vielen neuen IPOs ein besonders vielversprechendes gibt.

Drei Fragen an Bernecker: Wie schauen die Perspektiven für K+S aus, Ihre Einschätzung zur Morphosys-Übernahme und ist unter den vielen neuen IPOs ein vielversprechendes dabei?

onvista-Redaktion: Nach schwierigen Jahren haben sich die Perspektiven für den hessischen Düngerkonzern K+S in den letzten Monaten spürbar aufgehellt. Der milliardenschwere Verkauf des amerikanischen Salzgeschäfts ist abgeschlossen und die Preise für Kalidünger steigen immer weiter. Wird K+S nun auch zur vielversprechenden Börsen-Story?

K+S ist die Nr. 5 im internationalen Kalimarkt. Gleichzeitig war K+S einer der größten Salzhersteller. Mit dem Verkauf der amerikanischen Salzgeschäfte gelang die deutliche Entschuldung. Das ist positiv einzuordnen. Aber: Die Schwachstelle bleibt die Versalzung der Werra. Umweltpolitisch lässt sich dieser Sachverhalt nicht mehr vertreten. Welche Organisation klagen kann oder wird, ist offen. Dagegen steht lediglich der politische Rückhalt bezüglich der Arbeitsplätze und Wohlverhalten. Eine Stilllegung des Salzbergbaus ist letztlich eine Frage der Zeit. Dies muss also aus dem Zahlenwerk von K+S herausgerechnet werden. In diesem komplizierten Zusammenhang schaue ich zunächst zu.

onvista-Redaktion: Der Antikörper-Spezialist Morphosys übernimmt überraschend in einem milliardenschweren Deal den US-Forscher Constellation Pharmaceuticals. Ist das aus Ihrer Sicht ein Fehlgriff oder ein guter Schachzug des MDax-Unternehmens? Immerhin ist dies ein Schritt in das komplett unbekannte Terrain der Epigenetik.

Morphosys hat eine teure Erweiterung seines Produktportfolios mit einem Aufwand von rd. 1,6 Mrd. Dollar eingeleitet. Die Reaktion der Analysten war eindeutig: Daumen runter und 15 % Tagesverlust waren die Quittung. Dieser Fall berührt ein Grundsatzphänomen an der deutschen Börse: Wirkliche interessante Gebiete der Forschung sind teuer. Sie werden mit Sicherheit nicht billiger, sondern noch teurer. Mit der eigenen Forschung kommen deutsche Firmen dieser Art nicht weiter oder nicht schnell genug weit. Die Amerikaner sind dafür ein Vorbild. Sie riskieren hohe Kaufpreise, um schneller zum jeweiligen Ziel zu kommen und nehmen es hin, dass dies schwierig zu akzeptieren sei, aber am Ende zählt der Erfolg. Welcher? Ohne eine gewisse Marktgeltung in forschungsintensiven Sektoren kommt man als Unternehmen mit einer Börsenbewertung nicht weiter. Entscheidend dafür ist, wie man es kommuniziert. Meine Meinung war von vorneherein positiv und bleibt es.

onvista-Redaktion: Bike24, About You, Cherry, Mister Spex. Momentan laufen jede Menge IPOs an. Ist eines der genannten aus Ihrer Sicht besonders vielversprechend? Und ist momentan generell eine gute Zeit für Börsengänge?

Die Börsenneulinge sind ein Trauerspiel. Alle der letzten vier, fünf Monate dümpeln so einigermaßen über ihren Ausgabekursen mit oder ohne Unterstützung der Altaktionäre oder in anderer Form. An keiner Emission habe ich positiv teilgenommen. Lediglich in zwei Fällen war aus Loyalitätsgründen „grün“ avisiert. Warum ist das so? Zu jedem Börsenneuling gehört ein überzeugendes Geschäftsmodell. Das ist in den meisten Fällen in Ordnung. Das zweite Problem ist schon schwieriger, nämlich der Ausgabepreis. Die Bewertungen beruhen auf Angaben, die sich schwer in die Zukunft projizieren lassen. Vielfach auch wenig konkret, was zum dritten Negativum führt: Der größere Teil des Emissionserlöses bleibt nicht in der Kasse des Emittenten, sondern geht entweder sofort vorbei oder indirekt in der gleichen Form an die Altaktionäre. Mit der Quote von meist 10 - 20 %, die an der Börse angeboten werden, errechnen diese einen Marktwert der ganzen Firma in den Größenordnungen mehrerer Milliarden. Schon diese Größe korrespondiert nicht mit dem tatsächlichen Geschäft, ist aber für die Finanzinvestoren eine wichtige Größe, in der eigenen Rechnung zu Wertansätzen zu kommen, die eine Grundlage für weitere Verkäufe bieten. Daraus entsteht ein Ungleichgewicht zwischen Marktwert zum einen und den tatsächlich dahinterstehenden Ergebnissen des eigenen Geschäftes und des zitierten Mittelzuflusses aus dem Börsengang. Das Ergebnis ist täglich im Kurs zu sehen.

Vielen Dank für Ihre Antworten!

Foto: Bernecker

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