Experten - Sozialversicherungslasten werden ohne Gegenmaßnahmen massiv steigen

Reuters

Berlin (Reuters) - Die Sozialversicherungsbeiträge werden einem Expertenbericht zufolge ohne Gegenmaßnahmen in den nächsten Jahren deutlich steigen.

Der Arbeitgeberverband BDA sieht dadurch die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen gefährdet. Die Experten forderten am Donnerstag in Berlin ein ganzes Maßnahmenbündel, um die Belastung weiterhin unter 40 Prozent zu halten. Über dieser Marke würde es negative Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt geben und zulasten des Wirtschaftswachstums gehen, sagte Martin Werding von der Ruhr-Universität Bochum, der eine 2019 eingesetzte Kommission zum Thema leitet, die sich aus Arbeitgebern und Wissenschaftlern zusammensetzt, nicht aber Gewerkschaften. "Wir sind schon an der Grenze."

Dem Kommissionsbericht zufolge wird die Summe der Beitragssätze in der Sozialversicherung wegen der immer älter werdenden Bevölkerung bis 2040 auf knapp 50 Prozent steigen - bis 2060 sogar auf rund 55 Prozent. "Erforderlich ist ein ganzes Bündel gezielter Maßnahmen", sagte Werding. Die Kommission sprach sich für eine längere Arbeitszeit zur Stabilisierung des Systems aus, inklusive einer automatischen Bindung der Altersgrenze an die Lebenserwartung ab 2031. Ein vorzeitiger Renteneintritt mit Abschlägen soll nicht mehr möglich sein. Bei einem späteren Renteneintritt soll es höhere Zuschläge geben. Der Bundeshaushalt soll zudem stärker zur Finanzierung herangezogen werden.

Vorgesehen von der Politik ist bereits bis 2031 eine Erhöhung der Regelaltersgrenze auf 67 Jahre. Durch die vorgeschlagenen Maßnahmen würde sie nach Berechnungen der Kommission 2040 bei 68 Jahren liegen, 2050 bei 69 Jahren und 2060 bei 70 Jahren - alles bei einer weiter steigenden Lebenserwartung der Deutschen.

"Keine Alternative ist jedoch, nichts zu tun und die Belastung des Faktors Arbeit immer weiter steigen zu lassen", sagte BDA-Hauptgeschäftsführer Alexander Gunkel. "Denn bezahlbare Arbeitkosten sind die zwingende Voraussetzung für einen funktionierenden Arbeitsmarkt und einen leistungsfähigen Sozialstaat." Es sei möglich, die Belastung durch Sozialkosten zu begrenzen. Die Politik sei gefordert, zeitnah zu handeln. Denn die deutschen Unternehmen seien bereits so stark belastet wie in sonst kaum einem anderen Land.

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