Forderungen in Frankreich nach landesweitem Lockdown - Regierung zögert

Reuters

Paris (Reuters) - In Frankreich mehren sich Forderungen nach einem landesweiten Lockdown, doch die Regierung zögert.

Das Land werde um neue Beschränkungen nicht herumkommen, sagte Philippe Juvin, der die Notfallabteilung des Pariser Georges-Pompidou-Krankenhauses leitet, am Freitag dem Sender BFM TV. "Ich verstehe nicht, worauf wir warten." Die Lage in den Krankenhäusern im Großraum Paris sei sehr angespannt. Die Regierung hatte noch am Donnerstag erklärt, ein neuer Lockdown stehe nicht auf der Agenda. Man werde kommende Woche sehen, ob örtliche Lockdowns über das Wochenende in den 20 Regionen notwendig seien, in denen die Lage besonders besorgniserregend sei. Dazu gehört auch der Großraum Paris. Die Stadtregierung von Paris dringt auf einen strikten Lockdown für drei Wochen, um danach die Öffnung der seit Oktober geschlossenen Geschäfte und Lokale zu prüfen.

"Wir kommen dem Höhepunkt der Epidemie immer näher", sagte der Notfallmediziner Juvin. "Für jeden Tag, der vergeht, ohne dass eine Entscheidung gefällt wird, ist ein hoher Preis zu zahlen." Juvin verwies auf eine Studie, nach der 13.000 Menschenleben hätten gerettet werden können, wenn der Lockdown, der in Frankreich von März bis Mai 2020 verhängt wurde, eine Woche früher gekommen wäre. Die Studie zeigt auch, dass bei einer Verschiebung der Maßnahmen um eine Woche möglicherweise 53.000 weitere Menschen gestorben wären.

Am Donnerstag meldeten die Gesundheitsbehörden 25.403 Neuinfektionen, eine Woche zuvor waren es noch 22.501. Die Zahlen bestätigen den Aufwärtstrend, der vor allem auf die Virusvarianten zurückgeht, die als ansteckender gelten. Insgesamt wurden bislang mehr als 3,68 Millionen Ansteckungsfälle verzeichnet, Frankreich liegt damit weltweit auf Platz sechs. 85.582 Menschen starben an oder mit dem Virus, das ist weltweit die siebthöchste Zahl.

Anders als einige seiner Nachbarländer hat Frankreich einen neuen landesweiten Lockdown bislang abgelehnt. Die Regierung hofft, dass die seit 15. Dezember geltende nächtliche Ausgangssperre hilft, die Pandemie einzudämmen. Der Vorschlag von Paris soll geprüft werden. Ministerpräsident Jean Castex sagte am Donnerstag, die Regierung wolle ihre Entscheidung über massivere Beschränkungen so lange wie möglich hinauszögern, damit die Impfkampagne ihre Wirkung entfalten könne.

Auch in der Region Moselle, die an Deutschland und Luxemburg grenzt, grassiert derzeit die südafrikanische Variante. Daher kündigte die französische Regierung schärfere Grenzkontrollen an. Danach müssen Pendler künftig negative PCR-Corona-Tests vorlegen, wenn ihr Grenzübertritt keine beruflichen Gründe hat. Der Krisenstab der Bundesregierung berät, ob Moselle als Virusvarianten-Gebiet eingestuft wird, was rechtliche Konsequenzen hätte. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte am Donnerstagabend, Grenzkontrollen zu Frankreich stünden aber nicht auf der Tagesordnung.

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