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Handelskrieg - Wenn zwei sich verstehen müssen, kann sich dann der Dritte noch freuen?

Robert Halver
Handelskrieg - Wenn zwei sich verstehen müssen, kann sich dann der Dritte noch freuen?

Die Handelskonkurrenten USA und China rauchen Friedenspfeife. Das gewaltige Außenhandelsdefizit Amerikas mit der Volksrepublik soll sogar halbiert werden. China will neben mehr Agrarprodukten und Öl und Gas auch mehr Industriegüter Made in USA importieren. Nüchtern betrachtet ist Peking gegenüber Trump eingeknickt. China weiß zwar, dass auch Amerika bei einem heißen Handelskrieg über teurere Zulieferprodukte Schaden nehmen würde. Doch weiß Trump, dass China umgekehrt deutlich mehr zu verlieren hat. „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“ ist wohl auch das Leitmotiv der großen Handelsnation China, die auf die gut gefüllten Fleischtöpfe des großen US-Exportmarkts nicht verzichten will. So kann Trump im beginnenden US-Kongresswahlkampf als big deal maker, als amerikanischer Bauern-, Fracking-, und Industrie-Präsident punkten.

Zahlt Export-Deutschland für das Fremdgehen Chinas mit Amerika?

Die EU hat die Verständigung der handelspolitischen Erzfeinde mit Argwohn registriert. Brüssel befürchtet, wie ein Stück Parmesan zwischen die amerikanische und chinesische Handels-Reibe zu geraten. China wird seine Unternehmen und Konsumenten planwirtschaftlich - damit kennt sich die KP aus - zwingen, demnächst mehr US- und weniger EU-Produkte zu kaufen, selbst, wenn unsere besser sind. Durch das erzwungene Fremdgehen der Volksrepublik mit Amerika kann sich die deutsche Industrie selbst über die Senkung der chinesischen Importzölle auf den deutschen Exportschlager „Alles, was fährt“ von derzeit 25 auf 15 Prozent nicht richtig freuen.

Wenn den Chinesen das amerikanische Export-Hemd näher als der europäische Export-Rock ist, droht auch der bislang so strahlende deutsche Arbeitsmarkt an Leuchtkraft einzubüßen. Allein in der deutschen Autoindustrie finden sich 1,8 Millionen Beschäftige, die gleichzeitig auch Wählerinnen und Wähler sind.

Schon bald, am 1. Juni, läuft die Frist für die Ausnahme der EU von US-Strafzöllen auf Stahl und Aluminium aus. Es drohen sogar Importquoten. Hier haben wir es mit einem Ultimatum zu tun, dass der EU zeigen soll, wer Herr im Haus des Westens ist und wer sich (handels-)politisch zu fügen hat. Um uns das noch klarer zu machen, hat Amerika das Atomabkommen mit dem Iran aufgekündigt. Die wirtschaftspolitische Konsequenz ist, dass auch nicht-amerikanische Unternehmen sanktioniert werden, die mit dem Iran Geschäfte machen. Und im Vorfeld des Fristablaufs hat Trump-Amerika auch immer wieder sein Missfallen über die Gasversorgung Europas durch Russland kundgetan. Immerhin sucht der neue Energie-Superstar USA Abnehmer für sein Fracking-Öl und -Gas. Und der geringe Verteidigungsetat vor allem von Deutschland ist Trump auch noch ein Dorn im Auge.

Hat die EU Amerika überhaupt etwas entgegenzusetzen?

Die EU könnte den USA zwar mutig die kalte Schulter zeigen und auf amerikanische mit europäischen Gegenzöllen auf Jeans, Whiskey und Motorräder reagieren. Aber lassen sich dadurch modebewusste Zeitgenossen, Liebhaber von Feuerwasser und begeisterte Harley-Davidson-Fahrer in Europa wirklich den Spaß verderben? Und Trump wird auf Gegenzölle mit Gegengegenzöllen antworten. Ähnlich wie China kann auch Deutschland im Speziellen und Europa im Allgemeinen nicht auf den Wohlstandseffekt aus Import-Amerika verzichten. Diesen Trumpf will Trump jetzt auch gegen uns ausspielen. Die Handels-Deals, die die EU jetzt alternativ mit z.B. China oder Australien vereinbaren will, können dem bisherigen Export nach Amerika nicht das Wasser reichen. Außerdem sind im Handels-Krieg alle Mittel erlaubt: Die potenziell neuen Handelspartner nutzen unsere durch Handels-Wunden geschwächte wirtschaftliche Gesundheit schamlos für eigene Zwecke aus.

Auch das von der EU mit viel Tamtam zur Rettung des Atomabkommens mit dem Iran propagierte Abwehrgesetz „Blocking Statute“ ist bei näherem Hinschauen nur ein Sturm im Wasserglas. Zwar sollen europäische Unternehmen bei Fortsetzung ihrer Irangeschäfte und im Falle amerikanischer Sanktionen zwar entschädigt werden. Auch können sie bestraft werden, wenn sie sich den US-Sanktionsandrohungen fügen. Zunächst jedoch stehen der EU nicht ansatzweise ausreichende Finanzmittel für die Versicherung gegen US-Sanktionen zur Verfügung. Außerdem, da hiesige Unternehmen auf das im Vergleich zum Iran deutlich ergiebigere Amerika-Geschäft nicht verzichten wollen, werden sie zur Not die EU-Strafen aus eigener Tasche bezahlen. Ebenso wollen zahlreiche Mittelstandsunternehmen aus Deutschland im steuer- und digitalisierungsparadiesischen Amerika neue Absatzmärkte gewinnen. Geld stinkt nicht, selbst wenn die EU-Wirtschaftspolitik „Bah Pfui“ sagt.

EU - Wer nicht stark ist, geht den Weg des geringsten Widerstands

Wenn die EU gegen die USA ihren eigenen (handels-)politischen Willen durchsetzen wollte, müsste sie auch stark und geeint sein. Doch zunächst haben Frankreich und Italien im Vergleich weniger Exportanteil. Sie erfreuen sich zwar nicht an amerikanischen Handelssanktionen, aber sie tun ihnen im Vergleich weniger weh. Warum sollte man also für Deutschland die Export-Kastanien aus dem Handels-Feuer holen? Italiens neue Regierung aus linkskabarettistischen und rechtspopulistischen Wunderheilern konzentriert sich lieber auf die Binnenkonjunktur, die sie mit neuer ungebremster Schuldenkultur auf Vordermann bringen will. Wer solche Freunde hat, braucht der noch Feinde?

Ohnehin muss man den Eindruck gewinnen, dass das ein oder andere EU-Land, die angeschlagene DAF - Deutsch-Amerikanische Freundschaft - als Gelegenheit nutzt, um auf der Sympathieskala Trumps aufzurücken. So wird hinter vorgehaltener Hand längst dafür plädiert, dass bestehende Atomabkommen mit dem Iran Amerika-freundlich zu ergänzen.

Europa ist viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, muss sich verbiegen, um über Minimalkonsense die politische Einheit von EU und Eurozone zu gewährleisten. Doch wer so wenig geeint auftritt, kann dem „Trumposaurus Rex“ noch weniger als China entgegensetzen. Ich befürchte, dass die EU klein beigibt und - mit Verlaub - für halbwegs vernünftige Handelsbeziehungen die Hosen runterlässt, spätere FKK nicht ausgeschlossen.

Europa wird sogar indirekt Wahlhilfe für Mr. Trumps Hochburgen betreiben. Denn wir werden Fracking-Spezialitäten aus dem Mittleren Westen der USA importieren und Russland energieseitig links liegen lassen. Dieser Vasallenakt wird Cäsar Trump sicher wohltätig honorieren.

Ich könnte vor Wut platzen, aber leider wird Trump wie gegen China auch gegen die EU als Sieger vom Handels-Platz gehen. Gegen seine „Vogel friss oder stirb“-Politik hat der Zwergenaufstand Europas keine Chance.

Es ist europäische Realsatire, bei der allerdings keine Freude aufkommt.

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Expertenprofil
Robert Halver Robert Halver Leiter Kapitalmarkt­analyse, Baader Bank

Nach Abschluss seines betriebswirtschaftlichen Studiums an der Universität Trier 1990 arbeitete Robert Halver zunächst als Wertpapieranalyst bei der Sparkasse Essen.Ab 1994 war Herr Halver bei der Privatbank Delbrück & Co für die Analyse von Aktiengesellschaften der Branchen Automobile, Telekommunikation, Medien und Versorger verantwortlich. Später formulierte er als Chefstratege die Anlagepolitik für die hausinternen Aktien- und Renten-Investments.

2001 wechselte Robert Halver als Direktor zur Schweizer Privatbank Vontobel. Neben der Erstellung der Anlagestrategie umfasste sein Verantwortungsbereich die Kundenbetreuung sowie die Öffentlichkeitsarbeit der Vontobel-Gruppe in Deutschland.

Seit 2008 ist Herr Halver bei der Baader Bank AG in Frankfurt am Main tätig. Als Leiter der Kapitalmarktanalyse ist er für die fundamentale Einschätzung der internationalen Aktien- und Rentenmärkte, von Währungen, Rohstoffen und Edelmetallen zuständig. In dieser Funktion ist er ebenso für die Außendarstellung der Baader Bank tätig.

Robert Halver verfügt über langjährige Erfahrung als Kapitalmarkt- und Börsenkommentator und ist durch regelmäßige Medienauftritte bei Fernsehsendern und Radiostationen, auf Fachveranstaltungen und Anlegermessen sowie durch Fachpublikationen und als Kolumnist präsent.

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