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Handelsstreit: Chinas Warnschuss hatte es in sich – Wie gefährlich ist der Yuan als Währungswaffe?

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Handelsstreit: Chinas Warnschuss hatte es in sich – Wie gefährlich ist der Yuan als Währungswaffe?

China hat den Vorwurf der USA zurückgewiesen, die Volksrepublik manipuliere ihre Währung mit dem Ziel eigener Vorteile im Welthandel. Die jüngste scharfe Abwertung des Yuan sei vielmehr durch den Markt bewirkt worden, heißt es in einer Erklärung der chinesischen Notenbank am Dienstag. Der Vorwurf der Währungsmanipulation beschädige die internationale Finanzordnung, den Handel sowie die Konjunktur und führe zu Turbulenzen an den Finanzmärkten, erklärte die Zentralbank.

China werde seine Währung nicht aus wettbewerblichen Gründen abwerten oder sie als Instrument im Handelskonflikt mit den USA einsetzen, erklärte die Peoples Bank of China. Der Yuan-Kurs werde auf einem angemessenen, ausgewogenen Niveau gehalten. Ähnlich hatte sich bereits der Chef der chinesischen Notenbank, Yi Gang, geäußert.

Trump legt auf Twitter nach

Die Abwertung war als weitere Eskalation des Handelsstreits zwischen den USA und China gewertet worden, weil der Yuan nicht gänzlich frei schwankt, sondern durch die chinesische Notenbank beeinflusst wird. An den Börsen wuchs die Angst, dass Politiker beider Länder mit immer neuen Gegenmaßnahmen reagieren würden – und so das Wachstum der Weltwirtschaft abwürgen. Die Wall Street verzeichnete am Montag einen der schlechtesten Handelstage des Jahres, auch der deutsche Leitindex Dax fiel deutlich. Am Dienstag stabilisierte er sich zunächst wieder.

Trump hatte die Abwertung des Yuan als „Währungsmanipulation“ kritisiert. Er legte auf Twitter nach: China habe „schon immer die Manipulation seiner Währung genutzt, um unsere Unternehmen und Fabriken zu stehlen, unseren Arbeitsplätzen zu schaden“ und die Löhne der amerikanischen Arbeiter zu drücken. „Damit ist jetzt Schluss.“

Ökonomen fürchten um Exportkraft Deutschlands

Ökonomen sehen die Eskalation mit Sorge. „Dies könnte der Anfang eines unumkehrbaren Handelskonflikts zwischen den beiden Ländern sein“, sagte Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. China habe immer schon seine Währung manipuliert. „Diese Manipulation aber nun durch den Handelskonflikt zu rechtfertigen, muss zwingendermaßen zu einer Eskalation mit den USA führen.“

Stephen Roach, leitender Wissenschaftler an der Yale Universität, sieht Trumps Reaktion als nicht besonders nachhaltig an: „Ich glaube nicht, dass Peking wirklich auf diesen beschämenden Ansatz der Trump-Administration reagieren wird. Ich halte das für eine leere Drohung“, sagte Roach gegenüber der Nachrichtenagentur CNBC. „Aber wenn die USA an der Zoll-Front weiter eskalieren oder andere Sanktionen versuchen, dann wird, wie wir über Nacht gesehen haben, der Druck durch die Chinesen wieder zunehmen. Sie haben viele Antwort-Möglichkeiten, wie die jüngste Entwicklung des bilateralen Wechselkurses zeigt.“

Marcel Fratzscher befürchtet, dass andere asiatische Länder ihre Währungen ebenfalls abwerten könnten, um im globalen Wettbewerb mithalten zu können. Das könnte zu einem stärkeren Euro führen, damit würden Waren aus Deutschland außerhalb des Euroraumes teurer. „Die Folge werden wohl geringere deutsche Exporte und damit ein schwächeres Wachstum in Deutschland sein. In Zeiten, in denen sich die deutsche Wirtschaft in einer milden Rezession befindet, ist die Eskalation im globalen Handelskonflikt das letzte, was wir brauchen“, mahnte Fratzscher.

China hat eine erste Machtdemonstration vollzogen - Wie geht es weiter?

Die Peoples Bank of China wertete den Yuan am Dienstag zunächst wieder auf, was zu einer leichten Entspannung an den Märkten geführt hat. Ob ein weiterer Angriff an der Währungsfront erfolgen wird, bleibt abzuwarten. „Ich denke, es ist ihr bisher größtes Signal“, sagte Marc Chandler, Chef-Marktstratege bei Bannockburn Global Forex. „Die Chinesen signalisieren, dass sie das Vertrauen verloren haben, eine Einigung mit Trump zu erzielen. Und bis jetzt waren sie bereit, mitzumachen und das Spiel zu spielen.“

Doch auch China kann seine Währung nicht uneingeschränkt als Waffe einsetzen, da sie selbst auch irgendwann die Konsequenzen einer zu niedrigen eigenen Währung treffen würde. China ist unter anderem hoch in Dollar verschuldet und je stärker der Dollar wird, desto teurer werden diese Schulden für die Chinesen. Oben drauf kommt der globale wirtschaftliche Schaden, der durch den Handelsstreit hervorgerufen wird. China als besonders exportorientiertes Land ist davon stark betroffen.

Zudem könnte eine zu starke Abwertung des Yuan auch zu weiterer Kapitalflucht aus dem Land führen, ein Problem, mit dem China bereits seit geraumer Zeit zu kämpfen hat. Reiche Chinesen wollen ihr Kapital in Sicherheit bringen und in andere Assets umwandeln, am besten nicht in Reichweite der Hand der Regierung, damit es nicht zu viel an Wert verliert, oder im Extremfall gar enteignet werden kann. Andererseits gilt ein Kurs von 7,4 Yuan je Dollar als Schwelle, bei der die bisherigen US-Zölle komplett ausgeglichen werden. Das würde wiederum der chinesischen Wirtschaft enorm helfen.

Man kann die jüngste Reaktion Chinas als Warnschuss betrachten. Jetzt wird es spannend sein, zu sehen, wie Trump als nächstes reagiert. Der US-Präsident ist sehr fixiert auf die Aktienmärkte und benutzt Höchststände immer wieder als Untermauerung seiner aus seiner Sicht erfolgreichen Politik. Der harte Fall gestern dürfte ihm weniger gefallen haben. Er will einen weiteren Rückgang oder gar einen ausgewachsenen Crash auf jeden Fall verhindern, da seine Wiederwahl 2020 sonst ausgeschlossen sein dürfte.

Alexander Mayer mit dpa-AFX

Titelfoto: Tomasz Makowski / Shutterstock.com

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