Indiens Regierung in der Kritik - 1,5 Mio Neuinfektionen in einer Woche

Reuters

Bangalore (Reuters) - Angesichts der grassierenden Corona-Epidemie in Indien gerät Ministerpräsident Narendra Modi immer mehr in die Kritik.

Oppositionsführer Rahul Gandhi forderte Modi am Freitag auf, für die Impfung der gesamten Bevölkerung zu sorgen und die Verbreitung des Virus wissenschaftlich untersuchen zu lassen, um die zweite Corona-Welle zu brechen. "Ihrer Regierung fehlt eine klare und stimmige Covid- und Impfstrategie", schrieb Gandhi in einem Brief an Modi. Er warf der Regierung Überheblichkeit vor, weil sie vorzeitig den Sieg über das Virus erklärt habe, während sich dieses exponentiell ausbreite. Das habe Indien in eine äußerst gefährliche Lage gebracht. In nur einer Woche ist die Zahl der nachgewiesenen Ansteckungsfälle um 1,57 Millionen gestiegen.

Auch am Freitag verzeichnete das Gesundheitsministerium mit 414.188 Neuinfektionen binnen 24 Stunden einen Höchstwert. Insgesamt sind fast 21,5 Millionen Fälle bekannt - weltweit ist das der zweithöchste Wert nach den USA. Die Zahl der Todesfälle in Zusammenhang mit dem Coronavirus stieg um 3915 auf 234.083. Experten sind jedoch überzeugt, dass die Dunkelziffer bei den Ansteckungen fünf- bis zehnmal so hoch ist wie die offiziellen Daten.

Das Virus breitet sich derzeit rasch von den Städten auf das Land aus, wo rund 70 Prozent der mehr als 1,3 Milliarden Menschen leben. Während die meisten Fälle im Norden und Westen des Staates bekannt sind, scheint sich nun Südindien zu einem neuen Epizentrum zu entwickeln. In den fünf Bundesstaaten im Süden wurden in den ersten Tagen des Monats Mai 28 bis 33 Prozent der täglichen landesweiten Neuinfektionen registriert.

Für die rasche Ausbreitung des Virus und mehrerer Varianten machen Experten auch die religiösen Feste verantwortlich, die die Regierung inmitten der Epidemie zugelassen hatte. Zehntausende Menschen hatten sich in den vergangene Wochen auch auf politischen Kundgebungen versammelt, die damit wie auch die Feste zu sogenannten Super-Spreader-Ereignissen wurden - zu Veranstaltungen, bei denen sich das Virus außerordentlich rasch und weit verbreitet.

Nun ist das Gesundheitswesen überlastet. In Krankenhäusern mangelt es an Intensivpflegebetten und medizinischem Sauerstoff. Es fehlt an Pflegekräften. Und in dem Land, das sich gern als "Apotheke der Welt" tituliert, ist der Impfstoff knapp. Nachdem eine Rate von rund vier Millionen Impfungen an einem Tag erreicht worden sei, falle diese jetzt auf 2,5 Millionen, beklagte Amartya Lahiri, Wirtschaftsprofessorin an der University of British Columbia. Das Ziel von fünf Millionen pro Tag sei die Untergrenze dessen, was angestrebt werden müssen. Und selbst dann dauere es ein Jahr, bis alle Einwohner Indiens zwei Dosen erhalten hätten. "Die Lage ist leider sehr düster."

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