Inflation und steigende Zinsen drücken Kauflaune in Großbritannien

Reuters · Uhr

London (Reuters) - Die höchste Inflation seit fast 30 Jahren und steigende Zinsen verderben den britischen Verbrauchern die Kauflaune.

Das Barometer für das Verbrauchervertrauen fiel im Januar um 4,0 auf minus 19 Zähler, wie die GfK-Konsumforscher am Freitag zu ihrer monatlichen Umfrage mitteilten. Das ist der niedrigste Stand seit fast einem Jahr - genauer: seit Februar 2021, als das Land wegen der Corona-Pandemie unter einem strengen Lockdown stand.

"Trotz einiger guter Nachrichten über die Lockerung der Covid-Beschränkungen stellen sich die Verbraucher eindeutig auf eine anziehende Inflation, steigende Kraftstoffrechnungen und die Aussicht auf Zinserhöhungen ein", sagte GfK-Experte Joe Staton. Es sei unwahrscheinlich, dass sich die Stimmung verbessern werde, sobald die derzeitige Welle von Infektionen mit der hochansteckenden Omikron-Variante des Coronavirus vorüber sei. Denn die Sorgen hätten sich auf die höheren Lebenshaltungskosten verlagert, die die Menschen noch monatelang belasten dürften. Die Inflationsrate war im Dezember auf 5,4 Prozent gestiegen, den höchsten Stand seit fast drei Jahrzehnten. Ökonomen gehen davon, dass sie in den kommenden Monaten sogar über die Marke von sieben Prozent steigen könnte.

Deshalb hat die britische Notenbank im Dezember als erste große Zentralbank der westlichen Welt ihren Leitzins angehoben. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen gehen davon aus, dass die Bank of England bereits am 3. Februar nachlegen und den Leitzins auf 0,5 Prozent anheben wird. An den Märkten wird darüber spekuliert, dass danach noch drei weitere Schritte in diesem Jahr folgen dürften. Höhere Zinsen machen Kredite teurer, können damit die Nachfrage und am Ende auch die Inflation dämpfen. Zudem wird die Landeswährung Pfund attraktiver. Eine Aufwertung wiederum würde Importe günstiger machen.

Die Bank of England kann sich höhere Zinsen auch deshalb leisten, weil die Wirtschaft im November ihr Vor-Corona-Niveau übertroffen hat. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs in diesem Monat um 0,9 Prozent zum Oktober. Damit ist die fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt nun wieder größer als im Februar 2020, als die Pandemie ihren Lauf nahm.