Kampf um Osram: AMS steigt wieder ein und bietet 38,50 Euro je Aktie

dpa-AFX
Kampf um Osram: AMS steigt wieder ein und bietet 38,50 Euro je Aktie

Jetzt also doch: Der österreichische Halbleiterkonzern AMS macht mit seiner Offerte für den deutschen Beleuchtungshersteller Osram ernst. Die Österreicher wollen den Osram-Anteilseignern 38,50 Euro je Aktie bieten. Das sind zehn Prozent mehr als die beiden US-Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle zahlen wollen, wie das vergleichsweise kleine Unternehmen aus Premstätten in der Steiermark mitteilte. Zudem liegt das AMS-Gebot knapp 22 Prozent über dem Xetra-Schluss der Osram-Aktie. AMS hatte bereits Mitte Juli einmal einen Vorstoß gewagt, diesen aber schnell wieder beendet.

Vörbörslich stand die AMS-Aktie am Montag in Zürich deutlich unter Druck, während das Osram-Papier auf der Handelsplattform Tradegate knapp 11 Prozent auf über 35 Euro anzog.

Mit dem Gebot wird Osram mit 4,3 Milliarden Euro inklusive Schulden bewertet. Die Österreicher haben sich den Angaben zufolge eine Brückenfinanzierung von 4,2 Milliarden Euro gesichert. Einen Teil davon will das an der Schweizer Börse notierte Unternehmen über die Ausgabe von neuen Aktien zurückzahlen. Dafür soll das Kapital um 1,5 Milliarden Euro erhöht werden. Das Unternehmen selbst ist an der Börse etwas mehr als 4,1 Milliarden Schweizer Franken oder umgerechnet rund knapp 3,8 Milliarden Euro wert.

AMS hatte sich Mitte Juli nach einem unverbindlichen Angebot wieder zurückgezogen. Damals hieß es, der Konzern sehe nach einer Evaluierung "keine ausreichende Basis" für eine Fortsetzung der Gespräche. Kurz danach teilte AMS aber auch mit, dass eine Übernahme noch nicht vom Tisch ist. Osram selbst hatte sich gegen den AMS-Vorstoß gewehrt und favorisiert das bereits laufende Gebot von Bain Capital und Carlyle. Die beiden Unternehmen bieten 35 Euro je Anteil.

Zuletzt hatte es aber starken Widerstand gegen das Gebot der beiden US-Unternehmen gegeben. So hatte sich in der vergangenen Woche mit der Allianz-Tochter AGI der größte Osram-Anteilseigner gegen die Offerte gestellt und angedroht, ihr Paket von rund neun Prozent der Anteile nicht anbieten zu wollen.

Am Freitag lehnte zudem die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) das Gebot ab. "Der Barabfindungspreis ist aus Sicht der SdK nicht angemessen."

Bisher haben auch wenig Aktionäre ihre Anteile angeboten. Sie haben aber auch noch bis 5. September Zeit zum Überlegen, dann läuft die Annahmefrist ab. Für gewöhnlich werden bei Übernahmeprozessen die Anteile erst kurz vor Ablauf der Frist angeboten. Die US-Investoren haben sich jedoch selbst eine hohe Hürde gesetzt: Falls weniger als 70 Prozent der Aktionäre zustimmen, wollen sie die Übernahme abblasen.

Osram steht zum Verkauf, weil der Konzern in den vergangenen eineinhalb Jahren in schwieriges Fahrwasser geraten ist. Das Unternehmen produziert mittlerweile hauptsächlich LEDs und Optoelektronik. Die wichtigsten Kunden sind Auto- und Smartphonehersteller. Da in beiden Branchen die Geschäfte derzeit schlecht laufen, ist der Beleuchtungshersteller hart getroffen.

IG Metall und Osram-Betriebsrat lehnen eine feindliche Übernahme ab, weil sie eine Zerschlagung des Beleuchtungskonzerns fürchten. Die Arbeitnehmervertreter haben dagegen keine grundsätzlichen Einwände gegen das US-Angebot, Bain Capital und Carlyle haben den Erhalt von Standorten und Arbeitsplätzen zugesichert. Hier hatte AMS jetzt auch ein Entgegenkommen angedeutet. Es gebe die Bereitschaft zu einer verbindlichen Vereinbarung mit Schutzklauseln und Zusagen für Mitarbeiter sowie weitere Investitionen in Deutschland, hieß es in der Mitteilung vom Sonntag.

AMS sieht durch eine Übernahme allerdings auch viel Potenzial durch Kostensenkungen. So sollen die jährlichen Aufwendungen um 240 Millionen Euro sinken. Die eine Hälfte soll vor allem aus der Zusammenlegung von Fabriken kommen - die andere Hälfte soll durch Einsparungen in der Verwaltung, der IT sowie in der Forschung und Entwicklung kommen. Zudem erhofft sich AMS durch den Kauf von Osram positive Effekte auf den Umsatz in Höhe von 60 Millionen Euro. Um die Synergieeffekte von insgesamt 300 Millionen Euro zu erreichen, seien einmalige Kosten von 400 Millionen Euro notwendig.

Titelfoto: 360b / Shutterstock.com

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