Kutzers Zwischenruf: Börsenausblick – Es werden wieder wilde 20er Jahre

Hermann Kutzer

Prognosen über Prognosen zum Jahreswechsel - täglich neue Analysen und Vorhersagen, überwiegend mit (unterschiedlich ausgeprägtem) Optimismus für Wirtschaft und Börse 2021. Langweilig wird er sicher nicht, der kommende Jahrgang an den Märkten. Überhaupt stehen uns heftig bewegte Zeiten bevor. Die Sentiment-Analysten von Sentix ziehen Vergleiche mit den 1920er Jahren - und formulieren ihre Erkenntnisse tänzerisch: „Auf dem Börsenparkett wird im nächsten Jahr der Charleston getanzt, der Lieblingstanz der „wilden zwanziger Jahre“. Denn im letzten Jahrhundert waren die 20er Jahre eine Zeit des politischen, sozialen und ökonomischen Umbruchs. Dies könnte sich in den 2020er Jahren wiederholen. Und das hätte für Anleger gravierende Konsequenzen.

Welche das sind und wie sie die Märkte insgesamt im kommenden Jahr einschätzen, präsentieren die Behavioral-Finance-Experten in der 17. Ausgabe ihres Jahresausblicks, der sich inhaltlich und im Umfang (knapp 100 Seiten) von den meisten Prognosen unterscheidet. Am Ende werden „10 Ideen“ für das kommende Jahr beschrieben.

Warum versprechen die 20er Jahre auch dieses Jahrhunderts besonders spannend zu werden? Diese Dekade wird ebenso große Veränderungen bringen, vor allem aber das Individuum vor einen erheblichen Anpassungsdruck stellen. Ökonomisch wie politisch rückt der Kampf des freiheitlichen, eigenverantwortlichen Individuums gegen das planerische und den Rahmen setzende Kollektiv in den Mittelpunkt. In diesem Zusammenhang erscheint die Pandemie-Eindämmungsstrategie der Regierungen wie ein Vorgeschmack auf das, was auch ökonomisch und gesellschaftlich auf die Tagesordnung kommen wird.

Und das sind die Headlines über den 10 Sentix-ideen:

1. Die Konjunktur überrascht positiv, Anfälligkeit und Disruption bleiben dennoch.

2. Die Rückkehr der Lebensfreude hilft den zyklischen Aktien.

3. Der Aktienmarkt tanzt 2021 Charleston.

4. Vorbild Japan - Chancen im Nikkei-Index.

5. China - Der Star der 2020er Jahre.

6. Heißlaufen, abkühlen, durchstarten - Emerging-Markets-Aktien 2021.

7. Gold solide, Öl mit positiver Überraschung.

8. Notenbanken tolerieren Inflation.

9. Der Glanz des Greenbacks verblasst.

10. Flucht in die Blase - Bitcoins

Aktien bilden zu Recht einen Schwerpunkt im Sentix-Ausblick. Fest steht (international gesehen), dass viele Prozesse parallel verlaufen und unsere Börsen in ähnlicher Weise beeinflussen. Ein wesentlicher Unterschied in der Aktienmarktentwicklung tritt nach Einschätzung der Analysten im zweiten Halbjahr auf: Europa zeigt in der Konjunkturerholung mehr Momentum, da hier die Nachholeffekte des Bereichs Konsum / Reisen deutlich größer sein sollten. Die EZB wird beharrlich expansiv bleiben und als Erfüllungsgehilfe der Politik kein zusätzliches Störfeuer für die Börsen erzeugen. Zudem fällt das belastende Sonderthema „Brexit“ als Ballast weg. Auch die Sektor-Rotation, weg von Technologie hin zu klassischen zyklischen Konsumwerten, führt zu einer deutlich besseren Wertentwicklung des Euro Stoxx 50 gegenüber den technologielastigen US-Indizes. Fazit: Der Blue-Chip-Index aus Euroland sollte im zweiten Halbjahr deutlich outperformen.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Hermann Kutzer Hermann Kutzer Freier Wirtschaftsjournalist, Finanzmarkt-Kommentator

Hermann Kutzer ist der dienstälteste journalistische Finanzmarktbeobachter in Deutschland: Seit mittlerweile 50 Jahren beobachtet er die nationalen Börsen und internationalen Wertpapier- und Rohstoffmärkte. Davon war er gut drei Jahrzehnte lang für die Verlagsgruppe Handelsblatt tätig, zuletzt als Chefredakteur des Monatsmagazins „DMEuro“.

Seit 2007 bietet der Routinier seine Erfahrung freiberuflich an: Analysen und Kolumnen, TV-Kommentare, Vorträge, Moderationen und Kommunikationsberatung. Nach seinem Hörbuch „Verstehen Sie Börse!“ (Finanzbuch Verlag, 2008) erschien im Frühjahr 2012 als Kutzers Manifest im Börsenbuchverlag „Vom Raubtierkapitalismus zur Planwirtschaft?“ Zu seinem umfangreichen Web-Auftritt gehört seit einiger Zeit „Kutzers Marktplatz“ mit Beiträgen über die unterschiedlichsten Anlagemöglichkeiten. Außerdem ist im Frühjahr 2013 der neue Internet-Kanal KUTZER-TV auf Sendung gegangen.

Der Journalist und Publizist engagiert sich seit Jahrzehnten für die privaten Anleger und in diesem Zusammenhang für die Weiterentwicklung der Aktienkultur. Er betrachtet es als seine vorrangige Aufgabe, die Vermittlung von Wissen über die Zusammenhänge des Sparens und Anlegens zu unterstützen. Dabei ist der „Marktmensch“ ein bekennender Marktwirtschaftler, der mit großer Skepsis die zunehmende Regulierung der Märkte durch die Politik auf nationaler und europäischer Ebene betrachtet.

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