Kutzers Zwischenruf: Das Trump-Vitamin schützt Wall Street vor Virus-Infektion

Hermann Kutzer

Meine zuversichtlicher werdende Einschätzung der Wall-Street-Perspektiven ist durch aktuelle Umfrageergebnisse gestärkt worden. Denn die marktbestimmenden Kräfte lassen sich immer weniger von extremen Gefahren wie Viruspandemie und Rezession abschrecken. Es bestätigt sich, dass Donald Trump den Börsianern im Wahljahr ein gutes Gefühl vermittelt - sein wirtschaftsfreundlicher Kurs nach dem Motto „America first!“ kommt an, macht den Investoren Mut.

Jüngste amerikanische Stimmungserhebungen sind wieder in Bewegung geraten. Zwar fragt man sich zunehmend besorgt, wie sich das Coronavirus auf die globale Wirtschaft auswirken wird. Allerdings nimmt die schreckliche Pandemie unter den Extremrisiken für die Finanzmärkte derzeit nur den dritten Rang ein: Die Gefahr einer Blasenbildung am US-Bondmarkt und vor allem das Risiko eines für die Börsen ungünstigen Ausgangs der US-Präsidentschaftswahl werden als noch größere Gefahr wahrgenommen.

Dagegen offenbaren die neuen Zahlen des Sentix-Politikbarometers große Gelassenheit: Präsident Trump gilt nicht länger das politische Schreckgespenst - er wird nicht länger als eine Belastung für die Kapitalmarktentwicklung sehen. Zwei Punkte sind bei dieser Umfrage besonders interessant: Einmal ist es die Breite und Tiefe dieser Untersuchungen, denn Sentix gehört zu den Pionieren von Sentiment-Analysen (Behavioral Finance) in Europa. Seit 2001 werden wöchentlich rund 5.000 Anleger aus über 20 Ländern (davon über 1.000 institutionelle und fast 4.000 Einzelanleger) zu ihren Erwartungen an die Finanzmärkte befragt. Außerdem zeigt die spektakuläre grafische Darstellung, wie steil sich die Trump-Sympathie erhöht hat.

Seit seiner Wahl Ende 2016 ist der US-Präsident Gegenstand heftiger politischer Kontroversen, weshalb die Haltung der Anleger in einem „Teilindex Trump“ gemessen wird. Dabei steht nicht die politische Bewertung im Sinne einer Zustimmung oder Ablehnung seiner Politik oder Person im Vordergrund, sondern ob er durch seine Politik oder Person einen positiven oder negativen Kapitalmarkteinfluss ausübt. Die Werte klettern dabei seit Sommer 2019 deutlich nach oben und erstmals messen die Verhaltensforscher nun einen mehrheitlich positiven Einfluss. Neben der Teileinigung im Handelsstreit mit China hat dazu beigetragen, dass eine Wiederwahl Trumps nach dem kürzlichen Ende des Amtsenthebungsverfahrens noch wahrscheinlicher geworden ist.

Dennoch bleibt die Politik über alle Teilindizes hinweg ein belastender Faktor, was im Wesentlichen auf die Geopolitik zurückzuführen ist. Alle anderen Teilindizes notieren nur leicht im negativen Bereich. Das sollten Sie im Auge behalten, geschätzte Anleger. Denn bei aller Sympathie der Börsianer für Trump (ich gehöre zum Kreis seiner Kritiker) bleiben politische Einflüsse insgesamt gesehen ein heikler und unberechenbarer Faktor für die Aktienmärkte. So oder so - die Rolle der Wall Street als Leitbörse für die Welt wird mit Donald Trump wieder gestärkt. Und es gibt momentan keinen Grund, daraus das Risiko einer „Leidbörse“ abzuleiten. Denn US-Aktien dürften im Jahresverlauf weiter zu den internationalen Favoriten gehören.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Hermann Kutzer Hermann Kutzer Freier Wirtschaftsjournalist, Finanzmarkt-Kommentator

Hermann Kutzer ist der dienstälteste journalistische Finanzmarktbeobachter in Deutschland: Seit mittlerweile 50 Jahren beobachtet er die nationalen Börsen und internationalen Wertpapier- und Rohstoffmärkte. Davon war er gut drei Jahrzehnte lang für die Verlagsgruppe Handelsblatt tätig, zuletzt als Chefredakteur des Monatsmagazins „DMEuro“.

Seit 2007 bietet der Routinier seine Erfahrung freiberuflich an: Analysen und Kolumnen, TV-Kommentare, Vorträge, Moderationen und Kommunikationsberatung. Nach seinem Hörbuch „Verstehen Sie Börse!“ (Finanzbuch Verlag, 2008) erschien im Frühjahr 2012 als Kutzers Manifest im Börsenbuchverlag „Vom Raubtierkapitalismus zur Planwirtschaft?“ Zu seinem umfangreichen Web-Auftritt gehört seit einiger Zeit „Kutzers Marktplatz“ mit Beiträgen über die unterschiedlichsten Anlagemöglichkeiten. Außerdem ist im Frühjahr 2013 der neue Internet-Kanal KUTZER-TV auf Sendung gegangen.

Der Journalist und Publizist engagiert sich seit Jahrzehnten für die privaten Anleger und in diesem Zusammenhang für die Weiterentwicklung der Aktienkultur. Er betrachtet es als seine vorrangige Aufgabe, die Vermittlung von Wissen über die Zusammenhänge des Sparens und Anlegens zu unterstützen. Dabei ist der „Marktmensch“ ein bekennender Marktwirtschaftler, der mit großer Skepsis die zunehmende Regulierung der Märkte durch die Politik auf nationaler und europäischer Ebene betrachtet.

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