Kutzers Zwischenruf: Die Börsen-Bullen schonen noch ihre Kräfte

Hermann Kutzer

Wissen Sie, was hinter dem Horizont liegt? Gute Frage eines Vermögensverwalters in einer Werbeanzeige - nur: wir wissen nicht einmal, was noch vor dem Horizont und am Horizont liegt. Dafür sorgen die Pandemie, die umstrittenen Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung, die entsprechende Unsicherheit über die Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft. Selbst der Hoffnungsfaktor Impfstoffe kann bisher noch keine Gewissheit vermitteln. Immerhin hat sich unsere Börse mit dem Verlauf ser zweiten Welle stabiliaieret, die Wall Street präsentieret sich sogar in Rekordlaune. Für die Bullen ist die aktuelle Nachrichtenlage kein Anlasse, ungestüm loszurennen - lieber Zuversicht weiterhin mit Vorsicht verbinden!

Von überschwänglicher Euphorie kann auch bei den mittelfristig orientierten Anlegern an der Frankfurter Börse derzeit keine Rede sein, wie aus der jüngsten Sentiment-Erhebung hervorgeht. Zwar hat sich mit dem per Saldo leicht gestiegenen Dax (+1,3 Prozent von Mittwoch zu Mittwoch) die Stimmung bei den institutionellen Investoren erneut und damit zum fünften Mal hintereinander verbessert, zuletzt um 2 Punkte auf einen neuen Stand von +29. Im gleichen Zuge hat sich das Bullenlager, aber auch das Bärenlager noch einmal vergrößert. Mehrheitlich gehen die Akteure wohl davon aus, dass es womöglich auf absehbare Zeit keinen heftigeren Rücksetzer beim Dax geben wird, um noch einmal bullische Engagements zu erhöhen. Es herrscht also die Einsicht, dass es in absehbarer Zeit wohl keine richtig günstigen Einstiegskurse geben dürfte. Der Rückgang der Volatilität unterstützt die solide Verfassung des deutschen Aktienmarkts. Resümiert der Verhaltensanalyst Joachim Goldberg: Per Saldo kann man durchaus von einem robusten heimischen Optimismus sprechen, der allerdings bislang kaum Anzeichen von Euphorie zeitigt.

Das passt zu einer aktuellen Erhebung unter institutionellen Investoren in Deutschland und den USA: 80 % der Befragten sind der Meinung sind, dass die deutsche Regierung ein wesentlich umfassenderes Paket zur Stützung der Wirtschaft und Erhaltung von Arbeitsplätzen geschnürt hat als andere große Nationen. Die deutsche Regierung hat für das Jahr 2021 ein Wirtschaftswachstum von etwa 4,4 % prognostiziert, aber 40 % der im Zuge der Studie befragten professionellen Investoren gehen davon aus, dass es höher ausfallen wird, während 20 % glauben, dass es niedriger ausfallen wird. Die Mehrheit der Profis will mehr bei uns investieren: 26 % haben angekündigt, ihr Engagement „erheblich“ ausbauen zu wollen und weitere 40 % erwarten einen leichten Anstieg.

Derartige Vorhersagen sind naturgemäß Momentaufnahmen, die immer wieder aktualisiert werden müssen. Mein Bauchgefühl signalisiert dennoch mehr Mut als die von mehreren Analysten bisher veröffentlichte Zielmarke für den Dax von 14.000 Punkten am Jahresende 2021 - ich sehe die Chance auf einen deutlich höheren Gipfel.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Hermann Kutzer Hermann Kutzer Freier Wirtschaftsjournalist, Finanzmarkt-Kommentator

Hermann Kutzer ist der dienstälteste journalistische Finanzmarktbeobachter in Deutschland: Seit mittlerweile 50 Jahren beobachtet er die nationalen Börsen und internationalen Wertpapier- und Rohstoffmärkte. Davon war er gut drei Jahrzehnte lang für die Verlagsgruppe Handelsblatt tätig, zuletzt als Chefredakteur des Monatsmagazins „DMEuro“.

Seit 2007 bietet der Routinier seine Erfahrung freiberuflich an: Analysen und Kolumnen, TV-Kommentare, Vorträge, Moderationen und Kommunikationsberatung. Nach seinem Hörbuch „Verstehen Sie Börse!“ (Finanzbuch Verlag, 2008) erschien im Frühjahr 2012 als Kutzers Manifest im Börsenbuchverlag „Vom Raubtierkapitalismus zur Planwirtschaft?“ Zu seinem umfangreichen Web-Auftritt gehört seit einiger Zeit „Kutzers Marktplatz“ mit Beiträgen über die unterschiedlichsten Anlagemöglichkeiten. Außerdem ist im Frühjahr 2013 der neue Internet-Kanal KUTZER-TV auf Sendung gegangen.

Der Journalist und Publizist engagiert sich seit Jahrzehnten für die privaten Anleger und in diesem Zusammenhang für die Weiterentwicklung der Aktienkultur. Er betrachtet es als seine vorrangige Aufgabe, die Vermittlung von Wissen über die Zusammenhänge des Sparens und Anlegens zu unterstützen. Dabei ist der „Marktmensch“ ein bekennender Marktwirtschaftler, der mit großer Skepsis die zunehmende Regulierung der Märkte durch die Politik auf nationaler und europäischer Ebene betrachtet.

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