Kutzers Zwischenruf: Die Inflation wird immer schlimmer

Hermann Kutzer · Uhr

„Die Menschen in Deutschland müssen sich vorerst auf anhaltend hohe Teuerungsraten einstellen. Ökonomen rechnen damit, dass sich die Inflation im April nur leicht abgeschwächt hat und weiter über der Marke von 7 Prozent liegt.“ Das klingt wirklich nicht gut. Aber es kommt noch schlimmer. Denn die Ökonomen waren in den vergangenen Tagen noch zu optimistisch. Denn die Teuerung im zu Ende gehenden Monat steigt weiter! Nach 14 Uhr wurden heute vom Statistischen Bundesamt (Destatis) die mit Spannung erwarteten neuen Zahlen veröffentlicht: Die Inflationsrate in Deutschland wird im April voraussichtlich +7,4 % betragen. Gemessen wird sie als Veränderung des Verbraucherpreisindex (VPI) zum Vorjahresmonat. Im März 2022 hatte die Inflationsrate bei +7,3 % gelegen. Das bedeutet einen noch höheren Kaufkraftschwund für die Verbraucher, weil sie sich für einen Euro dann weniger leisten können.

Die Gründe sind bekannt, geschätzte Anleger, die Folgen werden inzwischen täglich und überfall diskutiert. Aber ist das bereits das Ende der Fahnenstange? Vermutlich nicht. Und diese - auch historisch hohe - Inflationsrate wird sich zunehmend auf das Konjunkturklima belastend auswirken.

„Die stark zweistelligen Inflationsraten bei den Großhandels- und Importpreisen zeigen, dass noch sehr viel mehr Inflation in der Pipeline ist. Schon längst ist die Geldentwertung keine abstrakte Zahl mehr, sondern sehr deutlich im Alltag der Menschen wahrzunehmen“, schreibt mir ZEW-Professor Friedrich Heinemann in einer spontanen Stellungnahme. Auch er sieht jetzt eine wachsende Rezessionsgefahr, weil der Privatkonsum als Wachstumsmotor angesichts der starken inflationären Verunsicherung einknicken könnte. Die EZB sei nicht für den neuerlichen aktuellen Preisschub aufgrund von Russlands Krieg verantwortlich. Dennoch sei sie in der Verantwortung, eine glaubwürdige Strategie für eine preisstabile Zukunft zu bieten. Fordert der Wissenschaftler: An einem raschen Ende der Anleihekäufe und einem baldigen ersten Zinsschritt führt kein Weg mehr vorbei.

Der geldpolitische Kurs der großen Notenbanken dürfte in nächster Zeit noch kritischer diskutiert werden. Sollte sich das Inflations- und Konjunkturbild nicht bald aufhellen, wird das auch den Aktienmarkt stärker belasten, weil die Börsenstimmung insgesamt - ausgehend vom Rentenmarkt - immer nervöser zu werden droht

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