Kutzers Zwischenruf: Die Pandemie verändert die Welt auch für Anleger

Hermann Kutzer

Es ist ihm zuzutrauen. Und anders als seinen Vorgänger begleitet ihn Sympathie auf seinem extrem ambitionierten Weg, die „stärkste, widerstandsfähigste und innovativste Volkswirtschaft der Welt“ zu schaffen. Deshalb kann es Joe Biden auch gelingen, die parlamentarischen Hürden für seine gigantischen Investitionspläne zu nehmen - gerade in einer Zeit beispielloser Herausforderungen durch die Corona-Pandemie. Er will in den kommenden acht Jahren mit Ausgaben in Höhe von rund 2 Billionen US-Dollar (1,7 Billionen Euro) die Infrastruktur der USA erneuern und damit Millionen Arbeitsplätze schaffen. Solche Ausgaben würden etwa 10 Prozent der jährlichen US-Wirtschaftsleistung entsprechen. Es sei eine Investition für Amerika, die nur einmal pro Generation vorkomme. Und es sei ungleich allem, was wir seit dem Bau des Systems der Autobahnen und dem Wettrennen um den Weltraum vor Jahrzehnten erlebt haben, so Biden bei einem Besuch in Pittsburgh/Pennsylvania.

Der neue US-Präsident macht Nägel mit Köpfen: Das Covid-Konjunkturpaket in Höhe von 1,9 Billionen Dollar ist gerade erst angelaufen, schon wird das Infrastrukturprogramm vorgestellt. Das Projekt soll über eine Erhöhung der Unternehmenssteuern von 21 auf 28 Prozent sowie über eine Mindestbesteuerung von 21 Prozent für im Ausland erzielte Gewinne finanziert werden. Das allerdings verspricht Ärger auch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Biden stellte das Infrastrukturprogramm in seiner Pittsburgh-Rede unter das Leitmotiv „Kampf gegen den Klimawandel und Bewältigung der Herausforderung durch China“. In einigen Wochen will der Präsident noch ein weiteres Ausgabenpaket über möglicherweise 1 Billion US-Dollar für Familien, für Ausbildung und für Gesundheit bekanntgeben. Der Plan der Regierung wurde bereits im Vorfeld veröffentlicht und vom Markt überraschend positiv aufgenommen.

Um bei den großen Zahlen und großen Worten zu bleiben: Ich bin mehr denn je davon überzeugt, dass sich die Welt mit und vor allem nach der Pandemie deutlich sichtbar verändern wird. Nachhaltigkeit ist keine Worthülse mehr. Und der Wettbewerb zwischen den USA und China um die weltwirtschaftliche und politische Vormachtstellung tritt genau jetzt in eine wichtige Phase. Langfristig wirkende Investitionen und Innovationen spielen dabei die wegweisende Rolle. Beide Pole brauchen für ihre Ziele gigantische Finanzmittel, die zu einem nicht geringen Teil auch aus dem Ausland zufließen werden. Deshalb werden auch die Börsen beider Großmächte für internationale Anleger immer wichtiger. Das dürfte durch eine besonders positive Entwicklung von Kapitalströmen und Kursen der beiden Favoriten in der Zukunft erkennbar werden. Ich empfehle ja schon seit einiger Zeit eine besondere Gewichtung von amerikanischen und chinesischen Aktien in den Depots. Joe Biden bestätigt diese Strategie.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Hermann Kutzer Hermann Kutzer Freier Wirtschaftsjournalist, Finanzmarkt-Kommentator

Hermann Kutzer ist der dienstälteste journalistische Finanzmarktbeobachter in Deutschland: Seit mittlerweile 50 Jahren beobachtet er die nationalen Börsen und internationalen Wertpapier- und Rohstoffmärkte. Davon war er gut drei Jahrzehnte lang für die Verlagsgruppe Handelsblatt tätig, zuletzt als Chefredakteur des Monatsmagazins „DMEuro“.

Seit 2007 bietet der Routinier seine Erfahrung freiberuflich an: Analysen und Kolumnen, TV-Kommentare, Vorträge, Moderationen und Kommunikationsberatung. Nach seinem Hörbuch „Verstehen Sie Börse!“ (Finanzbuch Verlag, 2008) erschien im Frühjahr 2012 als Kutzers Manifest im Börsenbuchverlag „Vom Raubtierkapitalismus zur Planwirtschaft?“ Zu seinem umfangreichen Web-Auftritt gehört seit einiger Zeit „Kutzers Marktplatz“ mit Beiträgen über die unterschiedlichsten Anlagemöglichkeiten. Außerdem ist im Frühjahr 2013 der neue Internet-Kanal KUTZER-TV auf Sendung gegangen.

Der Journalist und Publizist engagiert sich seit Jahrzehnten für die privaten Anleger und in diesem Zusammenhang für die Weiterentwicklung der Aktienkultur. Er betrachtet es als seine vorrangige Aufgabe, die Vermittlung von Wissen über die Zusammenhänge des Sparens und Anlegens zu unterstützen. Dabei ist der „Marktmensch“ ein bekennender Marktwirtschaftler, der mit großer Skepsis die zunehmende Regulierung der Märkte durch die Politik auf nationaler und europäischer Ebene betrachtet.

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