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Kutzers Zwischenruf: Geldpolitik ist keine Hausse-Garantie

Hermann Kutzer

Können die Notenbanken in den führenden Industrieländern dauerhaft für Wirtschaftswachstum und infolgedessen für steigende Aktienkurse sorgen? Der monetäre Einfluss ist seit Beginn der Finanzkrisen enorm gestiegen - Geldpolitik ersetzt Fiskalpolitik. Und für die Börsenstimmung ist das Tun und Lassen von Fed, EZB & Co. mitentscheidend geworden, kein Zweifel. Ich möchte aber vor allem auf die Vorsilbe „mit“ hinweisen, deshalb mein Nein auf die Eingangsfrage. Es gibt keine Garantie für anhaltendes Hochdruckklima.

Was hört man dazu von der Federal Reserve in den nächsten Tagen? Donald J. Trump verstärkt seinen Druck (Wahlkampf!) und hat die amerikanische Notenbank erneut heftig attackiert: Er fordert eine massive Zinssenkung. Die Fed solle rasch die Leitzinsen um „mindestens 1 Prozentpunkt“ senken, schrieb der US-Präsident am Montagabend auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Darüber hinaus sollte nach Trumps Einschätzung  vielleicht auch eine quantitative Lockerung hinzukommen. Darunter würden zum Beispiel erneute Käufe von Staatsanleihen fallen.

Hier geht es natürlich auch um Machtfragen - es wäre aber fatal, würde die unabhängige Notenbank der präsidialen Forderung folgen. Wenn morgen das Fed-Protokoll der Sitzung vom 30./31. Juli veröffentlicht wird, erhoffen sich die Börsianer Aufklärung darüber, ob die letzte Zinssenkung (die erste nach vielen Jahren) nur eine leichte geldpolitische Anpassung oder der Auftakt zu mehreren Zinssenkungen war. Mit Spannung erwartet wird auch die Rede von Fed-Chef Powell auf dem Symposium der Fed in Jackson Hole zum Thema „Challenges for Monetary Policy“ am kommenden Freitag.

Die meisten Marktteilnehmer Märkte glauben einfach, dass die Zentralbanken in der Lage sind, das stark verflochtene und komplexe Finanz- und Wirtschaftssystem zu managen. Kritische Vordenker warnen aber zu Recht: Das System ist anfälliger geworden. Im Ergebnis ist sogar denkbar, dass Rezessionen in ihrer Ausprägung tiefer und länger werden. Außerdem: Selbst wenn wir davon ausgehen, dass die Zentralbanken weiterhin die Kontrolle haben, dürfen die geo- und wirtschaftspolitischen Einflüsse nicht unterschätzt werden.

Es sind wirklich hochspannende Entwicklungen, geschätzte Anleger, doch sollte man für die Einschätzung der Kurse an den Börsen nicht nur den Kurs der Notenbanken im Auge behalten.

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Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Hermann Kutzer Hermann Kutzer Freier Wirtschaftsjournalist, Finanzmarkt-Kommentator

Hermann Kutzer ist der dienstälteste journalistische Finanzmarktbeobachter in Deutschland: Seit mittlerweile 50 Jahren beobachtet er die nationalen Börsen und internationalen Wertpapier- und Rohstoffmärkte. Davon war er gut drei Jahrzehnte lang für die Verlagsgruppe Handelsblatt tätig, zuletzt als Chefredakteur des Monatsmagazins „DMEuro“.

Seit 2007 bietet der Routinier seine Erfahrung freiberuflich an: Analysen und Kolumnen, TV-Kommentare, Vorträge, Moderationen und Kommunikationsberatung. Nach seinem Hörbuch „Verstehen Sie Börse!“ (Finanzbuch Verlag, 2008) erschien im Frühjahr 2012 als Kutzers Manifest im Börsenbuchverlag „Vom Raubtierkapitalismus zur Planwirtschaft?“ Zu seinem umfangreichen Web-Auftritt gehört seit einiger Zeit „Kutzers Marktplatz“ mit Beiträgen über die unterschiedlichsten Anlagemöglichkeiten. Außerdem ist im Frühjahr 2013 der neue Internet-Kanal KUTZER-TV auf Sendung gegangen.

Der Journalist und Publizist engagiert sich seit Jahrzehnten für die privaten Anleger und in diesem Zusammenhang für die Weiterentwicklung der Aktienkultur. Er betrachtet es als seine vorrangige Aufgabe, die Vermittlung von Wissen über die Zusammenhänge des Sparens und Anlegens zu unterstützen. Dabei ist der „Marktmensch“ ein bekennender Marktwirtschaftler, der mit großer Skepsis die zunehmende Regulierung der Märkte durch die Politik auf nationaler und europäischer Ebene betrachtet.

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