Kutzers Zwischenruf: Machen Sie, was Ihnen gefällt!

Hermann Kutzer

Gerade jetzt, in einer kritischen (Börsen-)Phase, herrscht großes Interesse an Lösungen, möglichst an Rezepten - was kann ich tun, wie soll ich mich verhalten? Wenn verbreitet Unsicherheit herrscht, sucht man Rat bei Experten. Geht es um Kapitalanlagen, sollten allerdings zwei Einschränkungen berücksichtigt werden: Auch Fachleute wissen oft nicht (können oft nicht wissen), wie es weitergeht. Und wer öffentlich konkrete Empfehlungen ausspricht, vernachlässigt zwangsläufig die individuellen Unterschiede der Anleger bei Ausgangslage, Risikobereitschaft und Zielsetzung. Aktuell kommt zusätzlich erschwerend hinzu, dass niemand (!) den weiteren Verlauf und die ökonomischen Folgen der Viruspandemie kennen kann. Deshalb macht es mehr Sinn, Szenarien zu skizzieren und den Anlegern verschiedene Wege zu beschreiben - möglichst mit Hinweisen, was für wen geeignet erscheint.

Insbesondere für wenig erfahrende Privatanleger, die sich noch nicht zu Selbstentscheidern entwickelt haben, sind grundsätzliche Verhaltensempfehlungen wichtiger als heiße Tipps. Dazu gehören die vergleichenden Betrachtungen von Anlagealternativen. Wenn die Anleger ohne ständigen Berater einer Bank, Investmentgesellschaft oder eines Vermögensverwalters auskommen, sollten sie nicht gierig und ausschließlich nach Bewertungen einzelner Aktien und deren mutmaßlichen Kurszielen fragen. Denn es ist nützlicher, kontinuierlich Informationen zu sammeln und dadurch zu lernen, welche Informationen für die eigene Strategie und Taktik wichtig sind - und welche nicht. An dieser Stelle ein Lob für solche Autoren, die das in ihren Newslettern vorbildlich umsetzen. Hier ein paar aktuelle Zwischentitel (Postbank): Krisen kommen, Krisen gehen. Renditeplus trotz Börsencrash. Wie Kursrücksetzer beim Sparen helfen. Dabei wird u.a. beschrieben, wie Sparpläne mit Aktien und Investmentfonds (einschließlich ETFs) funktionieren, welche Rolle der Durchschnittskosteneffekt spielen kann und warum ein langfristiges Investment besonders sinnvoll ist. Basiswissen also.

Meine heutige persönliche Ergänzung zu solchem Know-how ist zwar ganz allgemeiner Natur, sollte aber an erster Stelle stehen: Prüfen Sie sich selbst ganz ehrlich und definieren Sie Ihre Anlageziele! Sodann Hände weg von Anlagen, die Sie nicht verstehen bzw. bei denen Ihr Verstand und/oder Bauch Zweifel signalisieren! Jedenfalls sollte Ihnen das konkrete Investment gefallen, es sollte Ihnen auch Spaß machen!

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.

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Expertenprofil
Hermann Kutzer Hermann Kutzer Freier Wirtschaftsjournalist, Finanzmarkt-Kommentator

Hermann Kutzer ist der dienstälteste journalistische Finanzmarktbeobachter in Deutschland: Seit mittlerweile 50 Jahren beobachtet er die nationalen Börsen und internationalen Wertpapier- und Rohstoffmärkte. Davon war er gut drei Jahrzehnte lang für die Verlagsgruppe Handelsblatt tätig, zuletzt als Chefredakteur des Monatsmagazins „DMEuro“.

Seit 2007 bietet der Routinier seine Erfahrung freiberuflich an: Analysen und Kolumnen, TV-Kommentare, Vorträge, Moderationen und Kommunikationsberatung. Nach seinem Hörbuch „Verstehen Sie Börse!“ (Finanzbuch Verlag, 2008) erschien im Frühjahr 2012 als Kutzers Manifest im Börsenbuchverlag „Vom Raubtierkapitalismus zur Planwirtschaft?“ Zu seinem umfangreichen Web-Auftritt gehört seit einiger Zeit „Kutzers Marktplatz“ mit Beiträgen über die unterschiedlichsten Anlagemöglichkeiten. Außerdem ist im Frühjahr 2013 der neue Internet-Kanal KUTZER-TV auf Sendung gegangen.

Der Journalist und Publizist engagiert sich seit Jahrzehnten für die privaten Anleger und in diesem Zusammenhang für die Weiterentwicklung der Aktienkultur. Er betrachtet es als seine vorrangige Aufgabe, die Vermittlung von Wissen über die Zusammenhänge des Sparens und Anlegens zu unterstützen. Dabei ist der „Marktmensch“ ein bekennender Marktwirtschaftler, der mit großer Skepsis die zunehmende Regulierung der Märkte durch die Politik auf nationaler und europäischer Ebene betrachtet.

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