Kutzers Zwischenruf: „Rationale Optimisten“ investieren in innovative Unternehmen

Hermann Kutzer

Ist es vernünftig, trotz schlimmer Krisen wie die Corona-Pandemie weiter in Sachwerte zu investieren - vor allem in Aktien und Aktienfonds?  Ein klares Ja kommt von den „rationalen Optimisten“, die sich nicht von Emotionen leiten lassen, sondern auf den vielfältigen Wandel, auf Innovationen durch die schöpferische Kraft der Disruption setzen. Langfristige Vordenker unter den Anlagestrategen beschäftigen sich schon geraumer Zeit mit diesem Ansatz, der noch früher von Joseph Schumpeter, dem 1950 verstorbenen österreichischen Nationalökonom, beschrieben wurde. Nur, gilt diese Denkweise auch für kurz- bis mittelfristig orientierte Privatanleger?

Momentan stehen die Hoffnungen der Börsianer im Vordergrund, dass 2021 ein „Back to Normal“, ein Zurück zur Normalität bringen kann. Die beste Nachricht in jüngster Zeit war, dass relativ rasch Impfstoffe gegen das Corona-Virus gefunden werden konnten und die breit geplanten Impfungen bald ausgerollt werden können. Das wäre in der Folge auch gut für die Weltwirtschaft, obwohl die aktuellen Konjunkturprognosen noch auseinander gehen. Schon vor Beginn der Pandemie war der Konjunkturpfad brüchig. Vom weiteren Verlauf ist mehr ein umgekehrtes Wurzelzeichen (Erholung, aber keine dauerhafte und sofortige Rückkehr auf das vorherige Niveau) als eine V-förmige, schnelle Erholung zu erwarten. Allianz Global Investors (AllianzGI) ist deshalb vorsichtig: Die Konjunkturerholung sollte sich in den kommenden Monaten abflachen. Corona-bedingte Unsicherheiten bleiben - trotz massiver geldpolitischer und fiskalischer Gegenmaßnahmen. Der weitere Verlauf der Konjunktur wird in den kommenden Quartalen entscheidend davon abhängen, wie schnell die Impfstoffe gegen Covid-19 einen phasenweisen Rückgang zur Normalität ermöglichen.

Was bedeutet das längerfristig für rationale Optimisten?  Dr. Hans-Jörg Naumer, der von mir sehr geschätzte Director Global Capital Markets & Thematic Research bei AllianzGI, kommt zu einem klaren Ergebnis, das ich gerne unterstütze. Danach sind Innovationen der Treiber, der uns auch über große Krisen hinweggebracht hat. Sie prägen die Megatrends Demografie, Urbanisierung, nachhaltiges Wirtschaften sowie den technologischen Wandel. Und sie liefern Lösungen für die größte Herausforderung unserer Zeit: den Kampf gegen den Klimawandel. Es gibt genügend Anlässe für einen rationalen Optimismus, auch in Zeiten einer Pandemie.

Das sollte sich auch in den Anlageentscheidungen niederschlagen. Deshalb sollte sich der Anleger zunächst die Frage stellen: Wenn ich dem Paradigma des rationalen Optimismus folgen will, investiere ich auch in diesen Optimismus, in diesen Wandel? Habe ich also Anteil an den Innovationen und deren Wertschöpfung? Dies geht letztlich nur durch Beteiligung an Firmen über eine direkte Aktienanlage oder über Aktienfonds. Das bedeutet Investitionen in Sachkapital. Mit dem Sparbuch und Staatsanleihen geht das nicht. Der technologische Wandel durchzieht alle Branchen und alle Regionen. Somit empfiehlt es sich, in jene Firmen zu investieren, die diesen Wandel hervorbringen bzw. bei der Implementierung der neuen Technologien ganz vorn mit dabei sind!

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Hermann Kutzer Hermann Kutzer Freier Wirtschaftsjournalist, Finanzmarkt-Kommentator

Hermann Kutzer ist der dienstälteste journalistische Finanzmarktbeobachter in Deutschland: Seit mittlerweile 50 Jahren beobachtet er die nationalen Börsen und internationalen Wertpapier- und Rohstoffmärkte. Davon war er gut drei Jahrzehnte lang für die Verlagsgruppe Handelsblatt tätig, zuletzt als Chefredakteur des Monatsmagazins „DMEuro“.

Seit 2007 bietet der Routinier seine Erfahrung freiberuflich an: Analysen und Kolumnen, TV-Kommentare, Vorträge, Moderationen und Kommunikationsberatung. Nach seinem Hörbuch „Verstehen Sie Börse!“ (Finanzbuch Verlag, 2008) erschien im Frühjahr 2012 als Kutzers Manifest im Börsenbuchverlag „Vom Raubtierkapitalismus zur Planwirtschaft?“ Zu seinem umfangreichen Web-Auftritt gehört seit einiger Zeit „Kutzers Marktplatz“ mit Beiträgen über die unterschiedlichsten Anlagemöglichkeiten. Außerdem ist im Frühjahr 2013 der neue Internet-Kanal KUTZER-TV auf Sendung gegangen.

Der Journalist und Publizist engagiert sich seit Jahrzehnten für die privaten Anleger und in diesem Zusammenhang für die Weiterentwicklung der Aktienkultur. Er betrachtet es als seine vorrangige Aufgabe, die Vermittlung von Wissen über die Zusammenhänge des Sparens und Anlegens zu unterstützen. Dabei ist der „Marktmensch“ ein bekennender Marktwirtschaftler, der mit großer Skepsis die zunehmende Regulierung der Märkte durch die Politik auf nationaler und europäischer Ebene betrachtet.

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