Kutzers Zwischenruf: Wasser wird auch für Kapitalanleger immer wichtiger

Hermann Kutzer

Die Qual der Bundestagswahl pausiert. Aber nur kurz - bis Klarheit über die Ergebnisse und die Koalitionsbildung herrscht. Ob die Karten in Berlin dann wirklich neu gemischt werden, ob es tatsächlich die von den Spitzenkandidaten beschworene „Richtungswahl“ wird, muss sich noch erweisen. Ich möchte heute auf ein Teil-Thema aufmerksam machen, dass alle Parteien, die sich für Nachhaltigkeit, Klima- und Umweltschutz engagieren, in Zukunft zunehmend beschäftigen wird: die globale Versorgung mit Wasser. Die gehört zu den großen Aufgaben im Rahmen der Infrastrukturmaßnahmen.

Übrigens: Ich bin sicher, dass sich die Älteren unter Ihnen an einen intelligent-lustigen Schlager der Gesangsgruppe „Die Drei Peheiros“ Mitte der 1950er Jahre erinnern (unbedingt mal googeln!), insbesondere an den Refrain:

Wasser ist zum Waschen da,

falleri und fallera

auch zum Zähneputzen kann man es benutzen

Wasser braucht das liebe Vieh

fallera und falleri

selbst die Feuerwehr benötigt Wasser sehr.

Wasser ist längst ein rares und wertvolles Gut geworden. Beides mit zunehmender Tendenz. Und das sowohl in den Industrie- als auch den Schwellenländern. Während in den Industrieländern die Hauptprobleme in einer stark in die Jahre gekommenen Infrastruktur mit häufigen Lecks und ineffizienter Wassernutzung liegen, haben in vielen Schwellenländern Milliarden Menschen noch überhaupt keinen Zugang zu Wasser - etwa 4,5 Milliarden Menschen sind von einem Zugang zu sicheren Sanitäranlagen abgeschnitten. Und eine schlechte Wasserqualität ist nach wie vor einer der Hauptgründe für die hohe Kindersterblichkeit in den Schwellenländern.

Die Vereinten Nationen haben diesem Umstand in ihren Nachhaltigen Entwicklungszielen (SDGs) Rechnung getragen. Ziel Nr. 6 von 17 lautet „Sauberes Wasser und Sanitäre Einrichtungen“ und widmet sich u.a. dem Ziel, qualitativ hochwertiges Trinkwasser sowie den Zugang zu einer angemessenen Sanitätsversorgung für alle zu erreichen. Wasserverschwendung durch ineffiziente Wassernutzung soll ebenfalls wesentlich minimiert werden. Folglich steht die Welt vor einem enormen Investitionsbedarf. Namhafte Investmentgesellschaften wie Allianz Global Investors und Swisscanto Invest widmen sich deshalb intensiver dieser Entwicklung und bieten dem Anleger entsprechende Produkte an.

In weiten Teilen der USA ist der Zustand der Wasserinfrastruktur nach jahrzehntelanger Vernachlässigung in einen kritischen Bereich abgerutscht, heißt es in Analysen. So werden in den USA jährlich rund 300.000 größere Lecks verzeichnet, was bei einem Durchschnittsalter der Infrastruktur von etwa 50 Jahren wenig verwunderlich ist. Zudem befinden sich in den Vereinigten Staaten teilweise noch immer Wasserleitungen aus Blei im Einsatz, welche erwiesenermaßen ein hohes Gesundheitsrisiko - insbesondere für Kinder - darstellen und deshalb dringend ersetzt werden müssen. Die US-Investitionslücke bei der Wasserinfrastruktur summiert sich über die nächsten 20 Jahre auf insgesamt mehr als 1.500 Milliarden Dollar.

Die US-amerikanische Politik ist sich weitgehend einig, dass die Investitionen in den Wasserbereich erhöht werden müssen. Neben privaten Mitteln sollen mehr staatliche Förderungen eingesetzt werden. Folgern die Swisscanto-Strategen: Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette der Wasserindustrie erhalten dadurch zusätzlichen Auftrieb. Und Anleger, die das Segment der Wasser-Aktien berücksichtigen, können entsprechend an positiven Entwicklungen partizipieren.

Die Wasserindustrie als Ganzes umfasst zahlreiche Subsektoren und hat ein globales Umsatzvolumen von über 600 Milliarden Dollar pro Jahr. Umsatzmäßig zu den größten Subsektoren gehören die Aufbereitung von Trinkwasser und die Abwasserbehandlung, sowie Ventile, Filter und Pumpen. Daneben gibt es noch zahlreiche weitere Bereiche wie Chemikalien, Engineering & Consulting und smarte Wassersysteme, die ebenfalls ein jährliches Umsatzvolumen von über 20 Milliarden Dollar aufweisen. Das Wachstum der meisten Subsektoren liegt im mittleren bis oberen einstelligen Bereich. Insgesamt wächst die Wasserindustrie damit im Durchschnitt leicht stärker als die globale Wirtschaft. Das ist auch ein interessanter Aspekt für Investoren.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Hermann Kutzer Hermann Kutzer Freier Wirtschaftsjournalist, Finanzmarkt-Kommentator

Hermann Kutzer ist der dienstälteste journalistische Finanzmarktbeobachter in Deutschland: Seit mittlerweile 50 Jahren beobachtet er die nationalen Börsen und internationalen Wertpapier- und Rohstoffmärkte. Davon war er gut drei Jahrzehnte lang für die Verlagsgruppe Handelsblatt tätig, zuletzt als Chefredakteur des Monatsmagazins „DMEuro“.

Seit 2007 bietet der Routinier seine Erfahrung freiberuflich an: Analysen und Kolumnen, TV-Kommentare, Vorträge, Moderationen und Kommunikationsberatung. Nach seinem Hörbuch „Verstehen Sie Börse!“ (Finanzbuch Verlag, 2008) erschien im Frühjahr 2012 als Kutzers Manifest im Börsenbuchverlag „Vom Raubtierkapitalismus zur Planwirtschaft?“ Zu seinem umfangreichen Web-Auftritt gehört seit einiger Zeit „Kutzers Marktplatz“ mit Beiträgen über die unterschiedlichsten Anlagemöglichkeiten. Außerdem ist im Frühjahr 2013 der neue Internet-Kanal KUTZER-TV auf Sendung gegangen.

Der Journalist und Publizist engagiert sich seit Jahrzehnten für die privaten Anleger und in diesem Zusammenhang für die Weiterentwicklung der Aktienkultur. Er betrachtet es als seine vorrangige Aufgabe, die Vermittlung von Wissen über die Zusammenhänge des Sparens und Anlegens zu unterstützen. Dabei ist der „Marktmensch“ ein bekennender Marktwirtschaftler, der mit großer Skepsis die zunehmende Regulierung der Märkte durch die Politik auf nationaler und europäischer Ebene betrachtet.

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