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Lehman-Crash markierte nicht das Ende einer Epoche

Stefan Riße

Viel wird derzeit über die Lehman-Pleite und der ihr folgenden Crash berichtet, der sich morgen zum zehnten Mal jährt. Dabei wird oft der Eindruck vermittelt, dies sei der letzte Akt einer Wirtschaftsepoche gewesen, sozusagen der Showdown eines großen Theaterstücks. Doch das ist mit Nichten der Fall. Der Lehman-Crash war nur ein weiterer Einbruch in einer Wirtschaftsepoche, die noch nicht zu Ende ist. Sie begann Ende der 80er Jahre, genaugenommen mit dem Börsenkrach vom 19. Oktober 1987. Damals war der Dow Jones Index an einem einzigen Tag um 22 Prozent gefallen. Der zu dieser Zeit neu im Amt befindliche US-Notenbankchef Alan Greenspan sagte damals, zur Not werde er die Banken in Liquidität baden. So beruhigte er die Finanzmärkte.

Schulden mit neuen Schulden bekämpfen

Auch 1997 in der Asienkrise oder der Russlandkrise 1998 wurde immer nach dem gleichen Prinzip vorgegangen. Durch zu hohe Schulden ausgelöste Krisen wurden mit noch billigerem Geld und noch mehr Schulden bekämpft. So geschah es denn auch nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Damals wurde der Leitzins auf historisch tiefe ein Prozent gesenkt. Und dann kam Lehman als das vorerst stärkste Beben. Doch am Rettungskonzept änderte sich nichts. Das Geld musste noch billiger werden, um abermals die Verschuldung weiter erhöhen zu können. So gab es erstmals einen Leitzins von Null Prozent. Zusätzlich wurden massiv Staatsanleihen von der US-Notenbank gekauft und die Finanzmärkte so mit Liquidität geflutet.

Showdown kommt noch

In der Folge ist die Verschuldung weiter gestiegen. Partiell wurden zwar Schulden abgebaut, wie bei den amerikanischen Immobilienbesitzern, und auch denen in einigen europäischen Märkten. Auch die Banken haben ihre Bilanzen verkürzt. Dafür machten zur Konjunkturunterstützung die Staaten teilweise massiv neue Schulden und es wuchs die Verschuldung in den Schwellenländern. Im Ergebnis ist die Weltverschuldung auf ein Rekordniveau gestiegen und zwar nicht nur in absoluten Zahlen, sondern auch in Relation zur Wirtschaftsleistung. Und die Abhängigkeit von den tiefen Zinsen ist größer denn je. Die Rechnung ist also noch nicht bezahlt worden. Der Showdown unserer Wirtschaftsepoche steht noch aus.

Inflation wird die Währung sein, in der bezahlt wird

Viel wird darüber gerätselt, ob nun zehn Jahre danach und nach fast zehn Jahren Aktienaufschwung nicht der nächste Crash droht? Das halte ich an den Börsen durchaus für denkbar, aufgrund der verschlechterten Liquiditätssituation in den USA. Einen Crash im Ausmaß von Lehman halte ich aber eher für unwahrscheinlich. Ein so geballtes Risiko wie die damalige Kreditblase am US-Immobilienmarkt sehe ich nirgendwo. Eines ist aber klar. Kommt es wieder zu einem stärkeren Schock, wird wieder auf das bewährte Konzept des noch mehr Schulden Machens gesetzt. Das ganze lässt sich so lange wiederholen, bis irgendwann die Inflation kommt und ein Maß erreicht, dass die Notenbanken scharf bremsen müssen.

Erst dann geht diese Wirtschaftsepoche vorüber. Solange aber die Inflation noch in einem verträglichen Rahmen bleibt, wird frisch gedrucktes Geld das Allheilmittel bleiben.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Stefan Riße Stefan Riße Kapitalmartktstratege Acatis Investment

Stefan Riße Jahrgang 1968, aus Bremen ist Börsianer mit Leib und Seele. Seit seinem 16. Lebensjahr beschäftigt er sich intensiv mit den internationalen Finanzmärkten.

Nach dem Abitur und Praktika bei Banken und Vermögensverwaltern arbeitete er zwei Jahre lang als Broker, bevor er in den Journalismus wechselte. Er schrieb für Zeitschriften wie Forbes und Focus und ist seit über fünf Jahren ständiger Kolumnist für Focus Money.

Bekannt wurde Stefan Riße aber vor allem aufgrund seiner Tätigkeit als Börsenkorrespondent für "n-tv", wo von 2001 bis 2005 seine Berichte live vom Frankfurter Börsenparkett gesendet wurden. Von 2006 bis 2011 war er Chief Market Strategist der Deutschlandniederlassung von CMC Markets – dem ersten CFD- Market-Maker in Deutschland.

Seit Mai 2018 ist er Kapitalmarktstratege bei Acatis Investment und als dieser nach wie vor gefragter Interviewgast u. a. auch bei "n-tv" wo er regelmäßig auftritt.

Bereits im Alter von 17 Jahren lernte er den im September 1999 verstorbenen Börsenaltmeister André Kostolany kennen, mit dem ihn bis zu dessen Tod eine enge Freundschaft verband.

Sein bisher letztes Buch „Die Inflation kommt!“ war eines der erfolgreichsten Wirtschaftsbücher im Jahr 2010 und erreichte Platz 1 der Handelsblatt-Bestsellerliste.

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