Markt Update: Dax wieder über 14.000 – Beiersdorf, Wacker Chemie und Fielmann schwächeln – LPKF Laser startet wieder durch

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Am deutschen Aktienmarkt hat sich am Donnerstag die zaghafte Erholung vom Vortag dynamisch fortgesetzt. Bereits im asiatischen Börsengeschäft hatte sich eine verhalten freundliche Tendenz durchgesetzt. Nach dem jüngsten Rücksetzer des Dax habe dieser zumindest auf kurze Sicht Erholungspotenzial, schrieb die Landesbank Helaba. Der Leitindex stieg im frühen Handel um 1,61 Prozent auf 14.012 Zähler.

Am Nachmittag dürften Inflationsdaten aus Deutschland das Interesse auf sich ziehen. Bei einer Inflation von deutlich über sieben Prozent steht die Europäische Zentralbank (EZB) seit einiger Zeit erheblich unter Druck, dem Beispiel der US-Notenbank Fed zu folgen und die Zinsen anzuheben. Dies zusammen mit Rezessionssorgen hatte die Aktienmärkte zuletzt belastet.

Der MDax der mittelgroßen Börsentitel gewann am Morgen 0,9 Prozent auf 30 075 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 erholte sich um 1,3 Prozent.

An die Spitze des Dax setzten sich Hellofresh , einer der größten Kursverlierer in diesem Börsenjahr. Der Quartalsbericht des Versenders von Kochboxen sorgte für etwas Erleichterung unter den Anlegern. Die schon am Vortag stark gestiegenen Aktien gewannen weitere 10 Prozent hinzu. Die Papiere von Delivery Hero verloren dagegen nach den Quartalszahlen des Essenslieferanten 1,5 Prozent.

Eine Empfehlung der US-Investmentbank Goldman Sachs für die Aktien der Allianz verhalf diesen zu einem Aufschlag von 2 Prozent.

Bei den Nebenwerten im MDax und SDax überwogen nach den Quartalszahlen etlicher Unternehmen die Kursverluste. So gaben die Papiere von Wacker Chemie , Kion , Fielmann und Drägerwerk um 0,7 bis zu 5 Prozent nach.

Beiersdorf: Endgültige Zahlen lassen Anleger kalt 

Der Konsumgüterkonzern hat seine Ergebnisprognose für das laufende Jahr bekräftigt. So soll die bereinigte operative Marge (Ebit) 2022 weiter auf dem Vorjahresniveau von 13 Prozent liegen, teilte das Unternehmen am Donnerstag in Hamburg mit. Während das Management im Konsumentengeschäft mit Marken wie Nivea oder Eucerin von einer leichten Steigerung ausgeht, dürfte die Profitabilität im Klebstoffgeschäft Tesa deutlich sinken, bekräftigte Beiersdorf. Dafür verantwortlich seien anhaltende Lieferkettenprobleme in der Automobilindustrie sowie der Lockdown in Teilen Chinas, einem der wichtigsten Märkte.

Der Konzernumsatz soll im mittleren einstelligen Prozentbereich zulegen. Beide Bereiche sollen zu dem Wachstum beitragen. Im ersten Quartal war vor allem die Konsumentensparte stark gewachsen und hatte die Erlöse um 15,6 Prozent gesteigert, während Tesa um 7,4 Prozent zulegen konnte. Der Konzernumsatz stieg um knapp 14 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. Beiersdorf hatte bereits Anfang April vorläufige Zahlen vorgelegt.

Wacker Chemie: Endgültige Zahlen enthalten keine Überraschung mehr 

Der MDax-Konzern hält wegen des Kostengegenwinds trotz einer höheren Umsatzprognose für 2022 am Gewinnziel fest. Konzernchef Christian Hartel rechnet laut einer Mitteilung vom Donnerstag nun mit einem Jahresumsatz von etwa 7,5 Milliarden Euro, nachdem bisher rund 7 Milliarden im Plan gestanden hatten. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen soll weiterhin zwischen 1,2 und 1,5 Milliarden Euro erreichen. Dabei kalkuliert Hartel nun mit Belastungen durch höhere Preise für Energie und Rohstoffe von rund 1,1 Milliarden Euro, was nochmal 100 Millionen mehr sind als zuletzt gedacht. Gleichwohl sollen die Mehrkosten über Preiserhöhungen zum Großteil an die Kunden weitergereicht werden.

Im ersten Quartal profitierte das Unternehmen von einer noch robusten Nachfrage sowie Preiserhöhungen. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um gut die Hälfte auf 2,08 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis liegt bei knapp 644 Millionen Euro und damit mehr als doppelt so hoch wie vor einem Jahr. Analysten hatten im Durchschnitt weniger erwartet. Unter dem Strich blieben 402,6 Millionen Euro hängen, nach 117,9 vor einem Jahr.

Fielmann: Umsatz und Gewinn steigen 

Der Optikerkonzern ist mit mehr Umsatz und Ergebnis in das neue Jahr gestartet. Der Konzernumsatz stieg im ersten Quartal um 8,5 Prozent auf 414 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Donnerstag in Hamburg mitteilte. Das Ergebnis nach Steuern nahm um 18,7 Prozent auf 34,2 Millionen Euro zu. Dabei sei das Quartal von der anhaltenden Coronavirus-Pandemie mit Rekord-Infektionsraten in Zentraleuropa und dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine geprägt gewesen, hieß es.

Fielmann ist eigenen Angaben zufolge seit 1999 in der Ukraine vertreten und beschäftigt dort 269 Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr erzielte das Unternehmen dort einen Umsatz von vier Millionen Euro. Fielmann habe den Mitarbeitern einen Arbeitsplatz im Ausland garantiert, die in der Ukraine verbliebenen Beschäftigten würden weiter bezahlt. Seit Kriegsbeginn seien die Erlöse in dem Land um 90 Prozent eingebrochen.

Für das laufende Jahr rechnet der Konzern mit einem Umsatzwachstum von bis zu zehn Prozent und einer spürbaren Margenverbesserung. Dies stehe unter dem Vorbehalt, dass weder Einschränkungen durch die Pandemie noch langwierige Kriegsfolgen die Geschäfte außerhalb der Ukraine wesentlich beeinträchtigten. Bei der Vorlage der Jahreszahlen Ende Februar hatte Fielmann ein zweistelliges Umsatzplus in Aussicht gestellt.

LPKF Laser punktet mit Zahlen

Die Anteilscheine von LPKF sprangen dagegen um 10 Prozent nach oben. Der Laserspezialist ist nach einem schwierigen Jahr 2021 wieder auf Wachstumskurs gegangen. Mit knapp 26 Millionen Euro lag der Umsatz im ersten Quartal 59 Prozent höher als ein Jahr zuvor, wie das im SDax gelistete Unternehmen am Donnerstag in Garbsen mitteilte. Das lag auch an verschobenen Projekten aus dem letzten Quartal des vergangenen Jahres. Vor Zinsen und Steuern (Ebit) verdiente LPKF eine Million Euro nach einem Verlust von gut vier Millionen ein Jahr zuvor. Damit erreichte die Gesellschaft das obere Ende ihrer eigenen Quartalsprognose. Auch unter dem Strich stand mit 0,7 Millionen Euro wieder ein kleiner Überschuss.

„Die steigenden Aufträge für unser Kerngeschäft sowie die greifbaren Fortschritte in unseren neuen Geschäftsfeldern stimmen uns trotz des volatilen Marktumfelds zuversichtlich für das Gesamtjahr 2022“, sagte Vorstandschef Klaus Fiedler laut Mitteilung. So rechnet das Management weiterhin mit einem Umsatz zwischen 110 und 130 Millionen Euro. Davon sollen zwei bis sieben Prozent als operativer Gewinn vor Zinsen und Steuern übrig bleiben. Für das zweite Quartal erwartet LPKF einen Umsatz zwischen 25 und 30 Millionen Euro. Das operative Ergebnis soll zwischen minus 1,5 Millionen Euro und plus 2,5 Millionen Euro liegen.

Die US-Zahlen von Mittwoch-Abend:

Meta: Nutzerzahlen gehen wieder nach oben 

Die Nutzerzahlen beim Facebook-Konzern Meta  sind zu Jahresbeginn nach einem Durchhänger Ende 2021 wieder schneller gewachsen. So griffen auf Facebook im ersten Quartal dieses Jahres täglich 1,96 Milliarden Nutzer zu. Im Vierteljahr davor war die tägliche Nutzerzahl um eine Million auf 1,929 Milliarden gesunken. Trotz des geringen Rückgangs war das als Alarmsignal interpretiert worden. Meta räumte damals verstärkte Konkurrenz von der Video-App Tiktok als einen zentralen Grund ein.

So rund wie früher läuft es für Meta auch jetzt noch nicht. Der Umsatz wuchs im ersten Quartal im Jahresvergleich um sieben Prozent auf 27,9 Milliarden Dollar (26,4 Mrd Euro). Das ist ein sehr niedriger Anstieg für den Konzern – und Meta verfehlte die Erwartungen der Analysten. Unterm Strich sank der Gewinn um gut ein Fünftel auf 7,465 Milliarden Dollar, wie Meta am Mittwoch mitteilte.

Mindestens eine App des Konzerns – darunter auch WhatsApp und Instagram – verwendeten zuletzt täglich 2,87 Milliarden Nutzer. In den vorherigen drei Monaten waren es 2,82 Milliarden gewesen.

Die Meta-Aktie legte im nachbörslichen Handel zeitweise um mehr als 13 Prozent zu. Meta stellte für das laufende Vierteljahr einen Umsatz zwischen 28 und 30 Milliarden Dollar in Aussicht. Der Konzern kündigte auch an, die Kosten in diesem Jahr zu senken. Bisher wurden die Ausgaben auf 90 bis 95 Milliarden Dollar angesetzt. Jetzt rechnet Meta mit einer Spanne von 87 bis 92 Milliarden Dollar.

Paypal: Schlechter Start ins neue Geschäftsjahr 

Der Bezahldienst ist mit einem Gewinneinbruch ins Geschäftsjahr gestartet. Im ersten Quartal sank das Nettoergebnis im Jahresvergleich um 54 Prozent auf 509 Millionen Dollar (482 Mio Euro), wie der Konzern am Mittwoch nach US-Börsenschluss in San Jose mitteilte. Die Erlöse stiegen um sieben Prozent auf 6,5 Milliarden Dollar – für Paypals Verhältnisse ein recht bescheidenes Wachstum.

Das Unternehmen, das während der Pandemie noch ein großer Profiteur des Online-Shopping-Booms war, senkte nach dem durchwachsenen Auftaktquartal die Gewinnprognose für das Gesamtjahr. Trotzdem legte die Aktie nachbörslich zunächst deutlich zu. Analysten hatten mit weniger Umsatz gerechnet. Außerdem ist die Aktie stark gebeutelt, der Kurs ist seit Jahresbeginn bereits um über 56 Prozent gefallen.

Ford: Chipmangel belastet

Die Chipkrise und weltweite Lieferkettenprobleme haben Ford auch zu Jahresbeginn ausgebremst. Im ersten Quartal sank der Umsatz gegenüber dem Vorjahreswert um fünf Prozent auf 34,5 Milliarden Dollar (32,7 Mrd Euro), wie der Autobauer am Mittwoch nach US-Börsenschluss mitteilte. Der bereinigte Betriebsgewinn vor Zinsen und Steuern fiel um 41 Prozent auf 2,3 Milliarden Dollar.

Das Nettoergebnis lag sogar mit 3,1 Milliarden Dollar im Minus. Der Grund war allerdings eine 5,4 Milliarden Dollar schwere bilanzielle Wertkorrektur von Fords Beteiligung an der Elektroautofirma Rivian . Trotz des schwierigen Auftaktquartals und anhaltender Geschäftsrisiken wie dem Ukraine-Krieg und hoher Inflation bestätigte Ford die Gewinnziele für das Gesamtjahr.

Der Autokonzern geht davon aus, dass sich die Chip-Versorgung verbessert und die Produktion im zweiten Halbjahr kräftig zulegt. Im März habe sich die Lage bereits deutlich entspannt. Trotz der starken Rückgänge bei Gewinn und Erlösen übertrafen die Zahlen die Erwartungen. Anleger reagierten positiv auf den Quartalsbericht, die Aktie stieg nachbörslich zeitweise um rund drei Prozent.

Qualcomm: Handys reißen es raus

Die starke Position im Smartphone-Markt beschert dem Chipkonzern Qualcomm rasantes Wachstum. Im vergangenen Quartal sprang der Umsatz im Jahresvergleich um 41 Prozent auf 11,16 Milliarden Dollar (rund 10,6 Mrd Euro) hoch, wie Qualcomm nach US-Börsenschluss am Mittwoch mitteilte. Der Gewinn stieg im Ende März abgeschlossenen zweiten Geschäftsquartal um rund zwei Drittel auf 2,93 Milliarden Dollar.

Qualcomm stellte die Hauptprozessoren für viele Smartphones mit dem Google -Betriebssystem Android – und rüstet auch Apples iPhones mit Modems für den Zugang zum Mobilfunknetz aus.

Die Qualcomm-Aktie legte im nachbörslichen Handel zeitweise um rund fünf Prozent zu. Für das laufende Vierteljahr stellte Qualcomm einen Umsatz zwischen 10,5 und 11,3 Milliarden Dollar in Aussicht – mehr als Analysten erwartet hatten. Die Chipbranche hat aktuell angesichts hoher Nachfrage mit überlasteten Kapazitäten zu kämpfen.

Redaktion onvista / dpa-AFX

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