Marktausblick Woche 36: Die Fed will’s wissen

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Das Update zur Woche mit Dr. Martin Lück






BlackRock Marktausblick 1. September 2020


Ökonomen sprechen angesichts der weniger schwankungsintensiven Wirtschaftszyklen der letzten Jahrzehnte gern von der ‚Great Moderation‘. Der Wirtschaftsforscher und frühere US-Notenbankchef Ben Bernanke führt diese vor allem auf die Unabhängigkeit der Zentralbanken zurück, andere Erklärungsmuster umfassen die strukturelle Schwächung der Gewerkschaften, die zunehmende Technisierung der Arbeitswelt oder die Folgen der Globalisierung. Einig sind sich die Wirtschaftswissenschaftler in der Erkenntnis, dass vor allem die Dämpfung von Preisschwankungen zur Great Moderation beigetragen hat. Nun hat die amerikanische Notenbank Fed einen Strategieschwenk bekanntgegeben, der die bisherige Zielausrichtung entscheidend verändern könnte. Gelingt der ‚Fed Shift‘, dann könnte dies der US-Wirtschaft einen massiven Impuls verleihen, der im Extremfall sogar das Ende der Great Moderation bedeuten könnte.

Voraussetzung hierfür ist, dass es mit der Kombination aus nie dagewesener Zentralbankgeldschöpfung, also der bekannten Reaktion auf die Coronakrise seit März dieses Jahres, und der jetzt explizit formulierten Zielsetzung einer Inflationsrate von mehr als 2% gelingt, dieses Überschießen des 2%-Ziels auch zu erreichen. Bei der Eröffnung des jährlichen Zentralbanksymposiums in Jackson Hole sprach Fed-Chairman Jerome Powell davon, dass künftig mehr Wert auf das Erreichen eines möglichst hohen Beschäftigungsstandes gelegt werden soll. Kein Wunder, dass dieses Ziel angesichts der Corona-Rezession als besonders dringend empfunden wird. Immer noch sind in den USA rund 16 Millionen Arbeitslose gemeldet, das entspricht rund 10% der Arbeitskräfte. Und so überraschte nicht, dass Powell das „breit angelegte und inklusive Ziel“, mehr Beschäftigung zu schaffen, als neues Hauptziel der Notenbank vorstellte. Die Fed kann eine derartige Schwerpunktverschiebung ohne Änderung ihres Regelwerkes beschließen, denn anders als etwa die EZB hat sie ohnehin beide Ziele im Mandat verankert. Und weil anders als in längst vergangenen Zeiten mehr Beschäftigung nicht automatisch zu steigenden Löhnen und damit höherer Inflation zu führen scheint (bzw., in Ökonomen-Sprech, die Phillips-Kurve sehr flach verläuft), kann die Fed es sich allemal erlauben, beim Beschäftigungsziel Gas zu geben. Sollte dies zu einem Überschreiten des 2%-Inflationsziels führen, würde man das eine Zeitlang in Kauf nehmen, so Powell. Schließlich habe die Inflation ihren Zielwert auch sehr lange unterschritten, da sei jetzt auch eine entsprechende Überschreitung gerechtfertigt. Statt Inflation möglichst jederzeit bei 2% zu halten, peilt die Fed dies nun also im Sinne eines „Average Inflation Targeting“ lediglich über einen gewissen Zeitraum an.

Im US-Präsidentschaftswahlkampf läuft der Countdown, in 62 Tagen wird gewählt. Und wie die US-Notenbank scheint auch die Grand Old Party, für die Amtsinhaber Donald Trump ins Rennen geht, ihre Strategie geändert zu haben. Statt wie bisher zu versuchen, die angeblichen Erfolge des wohl schlechtesten Präsidenten aller Zeiten ins Fenster zu stellen und mit so etwas wie einem Wahlprogramm für die nächsten vier Jahre zu werben, hat der virtuelle Nominierungsparteitag der letzten Woche die neue Ausrichtung offengelegt: Alle gegen Biden. Egal wer für die Republikaner auf dem Parteitag sprach, eine mögliche Präsidentschaft des demokratischen Herausforderers wurde als Horrorvision an die Wand gemalt, unter der die USA im Chaos versinken würden. Interessant, dass vor allem Trumps Indifferenz gegenüber Polizeigewalt, sein latentes Tolerieren von Rassismus und sein gezieltes Anheizen sozialer Spaltung die Gewaltexzesse erst ermöglicht, angesichts derer sich die Republikaner nun als Bewahrer von Gesetz und Ordnung darstellen. Interessant auch, dass hiermit der bisherige Ansatz des politischen Gegners kopiert wird, denn bis dato ist als Hauptziel der Demokraten ebenfalls lediglich ein Ziel erkennbar geworden: Trump muss weg. Dadurch, dass nun auch die Republikaner dies durch eine platte Bloß-nicht-Biden-Kampagne kontern, droht der Wahlkampf noch inhaltsleerer und schmutziger zu werden als ohnehin schon.

Was das für Anleger bedeutet

Um abstoßende Szenen öffentlicher Meinungsäußerung zu sehen, brauchen wir dieser Tage aber nicht in die USA zu schauen. Wenn Rechtsextreme Corona-Demos kapern, um auf den Stufen des Reichstags verfassungsfeindliche Symbole wie die Flagge des Kaiserreiches zu präsentieren, verdeutlicht dies, wie sehr bereits jetzt die Pandemie unsere Gesellschaft belastet. Es zeigt auch, dass eine Eskalation der zweiten Welle, deren zaghaften Beginn wir gerade erleben, von ebendieser Gesellschaft kaum zu ertragen wäre. Kanzlerin Merkel hat Corona eine demokratische Zumutung genannt. Ökonomisch jedenfalls wäre eine zweite Welle verheerend. Sie dürfte dem Land sogar relativ stärker schaden als europäischen Nachbarn und damit wohl auch die Outperformance deutscher Aktien beenden.



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