onvista-Börsenfuchs: Die wirklich miesen Zahlen kommen noch

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onvista-Börsenfuchs: Die wirklich miesen Zahlen kommen noch

Hallo Leute! Warum hat sich der Dax heute nicht noch tiefer abgeseilt (Stand Mittag)? Ich empfehle ja von Zeit zu Zeit, gar nicht erst auf dem täglichen Warum rumzuhacken. Denn das bringt (oft) nix und gilt tags darauf auch nicht mehr. Heute beispielsweise hätte man mit schwächeren Aktienkursen rechnen können, weil wirklich schlechte Wirtschaftszahlen auf beiden Seiten des großen Teichs veröffentlicht wurden und sich die Fronten zwischen Amis (= Trump-el) und Chinesen ernsthaft zu verhärten scheinen. Außerdem wollen an einem Freitag viele Großanleger in der Regel (hauptsächlich in voll unsicheren Phasen) keine großen Bestände mit ins Wochenende nehmen. Andererseits ist das Inkrafttreten diverser Corona-Lockerungsmaßnahmen nicht „kursrelevant“. Oder hat die Absicht der GroKo etwa Mut gemacht, bald ein großes Konjunkturpaket auf den Weg zu bringen?

Die BIP-Zahlen sollten schon die Börsianer negativ beeindrucken - haben es aber nicht. Wahrscheinlich deshalb nicht, weil die vom Statistischen Bundesamt vorgelegten Zahlen den Erwartungen entsprechen, also keine böse Überraschung mehr sind: Die deutsche Wirtschaft verzeichnete im 1. Quartal 2020 den stärksten Rückgang der Wirtschaftsleistung seit dem 1. Quartal 2009 und den zweitstärksten Rückgang seit der deutschen Vereinigung. Allein im Krisenmonat März zeigt sich ein deutlicher Einbruch in zentralen Wirtschaftsbereichen: So sind die Industrieproduktion, die Neuaufträge im Verarbeitenden Gewerbe und die Exporte im März im Vormonatsvergleich so stark eingebrochen wie noch nie seit Beginn der Zeitreihen in den Jahren 1990 und 1991.

Nebenbei (zum Schmunzeln): Es gab auch Zuwächse! Die deutlichste Steigerung ist in der Produktion von Desinfektionsmitteln zu verzeichnen (weit mehr als verdoppelt!). Eine im wahrsten Sinn des Worts „große Rolle“ spielte im März auch das Klopapier. Und die Herstellung von Nudeln explodierte gegenüber Februar um satte 72 Prozent.

Wäre ich Anlageberater oder Vermögensverwalter, ich würde meine Kunden eindringlich (und wiederholt) auf den Faktor Zeit hinweisen. Denn der Rückgang der Wirtschaftsleistung im ersten Quartal zeigt bei weitem noch nicht das wahre Ausmaß des Dramas. Das sagt nicht nur das Ifo-Institut. Im März ging die Krise doch erst los. Deshalb wird ein Großteil der Corona-Auswirkungen erst ab April voll in den Büchern stehen. Selbst das Wirtschaftsministerium erwartet, dass sich der Abwärtstrend im Frühjahr zunächst noch verstärken wird. Wir befinden uns also längst in der wohl schwersten Rezession der Nachkriegszeit.

Und dann sollten wir im Auge behalten, wie die Zahlen aussehen, die uns China und Ami-Land vorlegen - den Statistiken der beiden Großmächte zu Corona und Wirtschaftslage kann man allerdings nicht ohne weiteres trauen. Beispiel US-Arbeitsmarkt: Nach Darstellung des Fed-Mitglieds sieht der noch viel verheerender aus als offiziell bekannt. Tatsächlich soll die Arbeitslosenquote aktuell bei 24 oder 25 Prozent (!) und nicht bei den amtlich genannten 14,7 Prozent liegen.

Jedenfalls bleibt mein Instinkt bei seinen Warnungen: Das dicke Ende kommt erst - nicht die schlimmsten Zeiten, aber die schlimmsten Zahlen stehen uns noch bevor! Das sollte Dow und Dax bremsen, denn je höher die Kurse jetzt steigen, umso größer wird die Gefahr, dass sie demnächst noch einmal abstürzen.

Auf alle Fälle: Bleibt wachsam und gesund, meine Freunde!

Hinweis: Die Inhalte des „onvista-Börsenfuchs“ dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des Autors wieder.
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29.05.2020, 16:53, Citi Indikation
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