VW stampft Pläne für Türkei-Werk ein

Reuters

Hamburg/Ankara (Reuters) - Volkswagen verabschiedet sich nach langem Hin und her vorerst von seinen Plänen für eine neue Autofabrik in der Türkei.

Der Konzern stelle die Planungen dafür ein, erklärte Volkswagen am Mittwoch. In einem Brief an den türkischen Industrieminister Mustafa Varank, der der Nachrichtenagentur Reuters vorlag, begründete Konzernchef Herbert Diess die Entscheidung gegen das Werk mit den schlechteren Wachstumsperspektiven der Automobilindustrie durch die Pandemie. "Das kann nicht ohne Konsequenz für die erforderlichen Produktionskapazitäten bleiben." Er stellte der Türkei zugleich in Aussicht, das Vorhaben neu zu bewerten, wenn die Corona-Krise überwunden und die langfristige Entwicklung der Märkte absehbar sei. Aus heutiger Sicht sei der Aufbau zusätzlicher Kapazitäten jedenfalls nicht notwendig.

Der Wolfsburger Konzern hatte die Milliarden-Investition nach der türkischen Militäroffensive im angrenzenden Syrien im Herbst auf Eis gelegt und wollte die Entwicklung zunächst bis Jahresende abwarten. Danach wurde eine Entscheidung mehrfach verschoben. Als erstes hatte die "Automobilwoche" darüber berichtet. Die Türkei bestätigte die Absage von VW.

Das Magazin berichtete darüber hinaus, statt in der angedachten Fabrik in Manisa nahe Izmir in Westanatolien wolle VW den Mittelklassewagen Passat und den baugleichen Skoda Superb in der slowakischen Fabrik Bratislava bauen. Dafür wolle VW zusätzliche Investitionen von einer halben Milliarde Euro bereitstellen. Ein VW-Sprecher sagte, dazu gebe es noch keinen Beschluss. In einer kurzen Mitteilung des Konzerns zur Türkei-Entscheidung hieß es, sämtliche geplanten Fahrzeugprojekte würden innerhalb des bestehenden Verbundes an Produktionsstätten gefertigt. Die bisherigen Fertigungsstandorte der Modelle Passat und Superb in Emden und Kvasiny in Tschechien sollen früheren Informationen zufolge neue Modelle bekommen - Emden wird auf E-Autos umgestellt, das tschechische Skoda-Werk soll künftig SUV bauen.

DIESS: BIN VON POTENZIALEN DER TÜRKEI ÜBERZEUGT

In dem Schreiben an den türkischen Industrieminister Varank schrieb Diess, er sei vom wirtschaftlichen Potenzial der Türkei und den Wachstumsmöglichkeiten speziell im Automobilsektor überzeugt. Diess erinnerte daran, dass er selbst das Projekt vorangetrieben habe und bedankte sich für die Unterstützung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Die türkische Regierung hatte Volkswagen hohe Subventionen für das Projekt sowie Investitionen in die Infrastruktur in Aussicht gestellt. Der Volkswagen-Chef erklärte, man werde die Entwicklung neu bewerten, sobald es der Staatengemeinschaft gelungen sei, das Corona-Virus zu beherrschen und man die langfristige Entwicklung absehen könne. "Eine solche Bewertung und Abschätzung von Wachstumspotenzialen zu gegebener Zeit gemeinsam mit der Regierung der Republik Türkei vorzunehmen, wäre mir ein persönliches Anliegen", schrieb Diess. Bis die Folgen der Krise überwunden seien, dürften seiner Ansicht nach mindestens zwei bis drei Jahre vergehen.

Ursprünglich hatte der Konzern für rund eine Milliarden Euro in Manisa ein Mehrmarkenwerk mit einer Jahreskapazität von 300.000 Fahrzeugen und rund 4000 Beschäftigten hochziehen wollen. Ende 2020 sollte mit dem Bau begonnen werden, der Produktionsstart wäre dann für 2022 vorgesehen gewesen.

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