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Wann haben die Crash-Propheten Recht?

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Wann haben die Crash-Propheten Recht?

Die Konjunktur stottert, der Handelskrieg ist – trotz aller Hoffnung auf Entspannung – längst nicht gelöst, die Gewinnerwartungen für die Unternehmen könnten zu hoch sein. Eine nicht ganz ungefährliche Gemengelage für die Finanzmärkte. Warnungen vor einem Kursrutsch werden lauter – in den sozialen Netzwerken, aber auch von Kapitalmarktexperten. Crash-Propheten haben Hochkonjunktur. Und sie werden Recht bekommen. Denn eine alte Börsenweisheit lautet: „An der Börse kriegt jeder irgendwann Recht.“

Hausse und Baisse, Rally und Crash, steigende und fallende Kurse – das gehört zur Börse dazu. Die Pessimisten müssen also nur lange genug den Crash vorhersagen, irgendwann wird er kommen. Dann haben sie Recht. Nur wann? Max Otte gilt als ein solcher Crash-Prophet, auch wenn er das nicht gerne hört. Er sagte 2006 in seinem Buch „Der Crash kommt“ die Finanzkrise voraus. Wie sieht er die Lage aktuell? Wie gefährlich ist der Oktober? „Ich würde mir nicht anmaßen, eine Krise monatsgenau vorherzusagen“, sagt der Börsenexperte und Bestsellerautor. „Historisch gesehen ist der September sogar schwächer als der Oktober, wo es gelegentlich schon dreht.“ Eine konkrete Prognose ist das nicht. „Fakt ist, dass es statistisch gesehen Jahreszyklen gibt und dass der Spätsommer und Herbst oft schwach sind“, ergänzt er. „Da die Korrektur bislang ausblieb, bleiben wir in der Asset Allocation vorsichtig.“ Otte ist also eher auf der Seite der Pessimisten als auf der der Optimisten.

Irgendwann kommt der Rücksetzer, vielleicht wird es sogar ein heftiger Crash. So funktioniert Börse eben. „Auch wenn Volkswirtschaften und Aktienmärkte im Laufe der Zeit immer weiter wachsen, ist der Weg nicht immer linear und so können Abschwünge kurz und mittelfristig zu Rückschlägen im Portfolio führen“, sagt  auch Jakob Tanzmeister, Investmentspezialist in der Multi Asset Solutions Gruppe von J.P. Morgan Asset Management in Frankfurt. Der alten Börsenweisheit könnten beide Experten einiges abgewinnen.

Immer wieder der Oktober

Schwankungen am Aktienmarkt sind eben nichts außergewöhnliches und könnten mitunter heftig ausfallen. Seit 1980 lag der durchschnittliche Rückgang im europäischen Aktienmarkt jedes Jahr bei 15 Prozent. „Trotz dieser Schwankungen fielen die Erträge in 30 dieser 39 Jahre positiv aus“, sagt Tanzmeister. Aber war der Herbst besonders stürmisch? „Es gibt keine statistischen Belege, dass diese Schwankungen häufiger im Oktober stattfinden“, sagt der Experte. In der Tat war der durchschnittliche Ertrag sogar positiv. Aber: Mit den Abstürzen in den Jahren 1929, 1987, 1989, 1997 oder 2008 ist der Oktober der Crash-Monat schlechthin.

Der „Schwarze Montag“ an der Wall Street dürfte vielen Anlegern genauso in Erinnerung sein wie der Ausbruch der Finanzkrise. Die wirklich schlimmen Abstürze passieren immer wieder im Oktober. Zufall oder nicht? An seinem schlechten Ruf ist – historisch betrachtet – tatsächlich etwas dran. Aber deshalb der Börse den Rücken zu kehren, vielleicht sogar für immer? „Es mag verlockend sein, aus dem Zug zu steigen, wenn die Fahrt allzu holprig wird, aber Höhen und Tiefen sind bei Kapitalmarkanlagen normal und hindern Sie langfristig auch nicht, das Anlageziel zu erreichen“, so der Experte von J.P. Morgan.

An der Börse zählt bekanntlich der lange Atem. Wer einen Anlagehorizont von zehn, 20 oder mehr Jahren hat, kann selbst Crashs relativ entspannt aussitzen oder sogar für Zukäufe nutzen. Die aktuelle Lage an den Märkten mag alles andere als entspannt sein, die Unsicherheit ist groß. Und bekanntlich mögen Börsianer keine Unsicherheiten. Der Handelsstreit zwischen den USA und China könnte sich weiter zuspitzen und zu einer weltweiten Wirtschaftskrise führen. „Die Eskalation der Handelsspannungen hat die Wahrscheinlichkeit einer US-Rezession in den nächsten zwölf Monaten erhöht“, sagt Tanzmeister. „Die Gewinnerwartungen für 2020 erscheinen zu optimistisch.“ Die Konjunktur stottert schon jetzt. Der jahrelange Aufschwung hat deutlich an Kraft verloren, einzelne Sektoren stecken bereits in der Rezession. Die Notenbanken steuern aber bereits wieder gegen. In den USA sinken die Leitzinsen wieder, die EZB hat ihre Anleihenkäufe wieder aufgenommen. Das soll die Wirtschaft stützen.

Doch wie sollten Anleger sich jetzt positionieren? „Wir sind mittlerweise definitiv in einer späten Zyklusphase und so gilt es, das Portfolio etwas defensiver zu positionieren und für stürmischere Zeiten wetterfest zu machen“, sagt Tanzmeister. „ Nicht jeder hat die Nerven und die finanziellen Möglichkeiten, alle Höhen und Tiefen des Marktes auszusitzen. Und so kann ein flexibleres und robusteres Portfolio Anlegern helfen, über den gesamten Marktzyklus hinweg investiert zu bleiben und von höheren langfristigen Renditen zu profitieren.“  Anleger könnten ihre Aktienquote etwas reduzieren und auf Qualitätstitel setzen, im Anleihenbereich auch auf höhere Qualität schauen und den liquiden Anteil etwas erhöhen. Wann der Crash kommt, weiß niemand. Auch die Crash-Propheten nicht. aber irgendwann werden sie ihr Recht bekommen. So viel ist zumindest sicher.

Autorin: Jessica Schwarzer

Foto: Krzysztof Slusarczyk / Shutterstock.com

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11.10.2019, 17:38, BME Alternativ Market

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