Wirecard-Pleite - Einheitliche Regeln für Zahlungsanbieter gefordert

Reuters

London (Reuters) - Nach der Pleite von Wirecard werden Rufe nach mehr gemeinsamen Regeln für die Branche der Zahlungsabwickler laut.

Wirecard-Pleite - Einheitliche Regeln für Zahlungsanbieter gefordert

"Einer der Schlüsselaspekte wird sein, wie die unterschiedlichen Marktteilnehmer in das System eingebunden werden können", sagte der Präsident der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), Augustin Carstens, am Dienstag. Der Zahlungsverkehr lag früher traditionell in der Hand von Banken, mittlerweile gibt es aber immer mehr IT-Finanzfirmen (Fintechs), die solche Dienstleistungen anbieten.

Ob auch eine strengere Regulierung notwendig sei, lasse sich noch nicht abschließend beurteilen, sagte der BIZ-Chef. "Wenn mehr Details bekannt werden, denke ich, dass wir in der Lage sein werden, festzustellen, ob weitere aufsichtsrechtliche oder regulatorische Maßnahmen erforderlich sind oder nicht." Durch die Insolvenz von Wirecard ist auch die deutsche Finanzaufsicht BaFin in die Kritik geraten. Sie hatte nach eigner Darstellung nur die Kontrolle über die zum Konzern gehörende Wirecard Bank. Die Dachgesellschaft Wirecard AG war dagegen als Technologie-Holding eingestuft und unterlag damit nicht der Finanzaufsicht.

Auch Finanzstaatssekretär Jörg Kukies forderte einheitliche und transparente Vorgaben für Zahlungsabwickler in Europa. "Was auf jedenfall ein Defizit ist, ist, dass Unternehmen, die vergleichbare Zahlungsdienstleistungen anbieten sehr unterschiedlich beaufsichtigt werden", sagte er am Montagabend. "Wenn eine Bank, die intensiv beaufsichtigt wird, den selben Service anbietet wie ein Zahlungsdienstleistungsunternehmer, kann es sein, dass für die selbe Tätigkeit der Zahlungsdienstleister gar keine Aufsicht hat oder eine sehr geringe Aufsicht - siehe das Beispiel der Wirecard AG - und die Bank, die Vergleichbares tut, sehr hohe Auflagen hat. Diese zu Fehlanreizen führende Struktur muss beendet werden."

Die Wirecard AG meldete vergangene Woche Insolvenz an, nachdem in der Bilanz des Unternehmens ein Loch von 1,9 Milliarden Dollar aufgetaucht ist. Es ist noch unklar, was mit dem Geld passiert ist und ob es je überhaupt existiert hat.

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