Werbung

Aktienmärkte: Kommt es am Ende doch wieder anders als die meisten denken? Faktoren für und gegen eine neue Aktien-Rally

onvista · Uhr (aktualisiert: Uhr)
Quelle: jijomathaidesigners/Shutterstock.com

Seit Monaten sind nun geopolitische Gefahren, Inflation, steigende Zinsen und die Angst vor einer globalen Rezession die beherrschenden Treiber an den Märkten. Weiterhin stellt sich die Frage: Ist das alles bereits ausreichend eingepreist oder müssen die Märkte noch weiter korrigieren?

Dem Bärenmarkt noch einmal von der Schippe gesprungen?

Blickt man auf den S&P 500, der aufgrund seiner marktbreiten Abbildung der global relevanten US-Wirtschaft als guter Indikator dient, zeigt sich, dass der Index einem Bärenmarkt scheinbar noch einmal davongekommen ist. Am kritischsten Punkt seit dem letzten Allzeithoch bei knapp 4.800 Punkten hat der Index in der letzten Woche mit 19 Prozent Verlust darunter notiert und somit nur knapp über der 20 Prozent Marke, die einem Bärenmarkt entspricht.

Der Dax ist Anfang Mai bereits unter diese Marke gefallen, konnte sich seitdem jedoch wieder deutlich erholen und notiert noch etwa 13 Prozent unter seinem letzten Allzeithoch bei etwa 16.300 Punkten.

Laut einer neuen Marktanalyse der Credit Suisse war der letzte Rebound des S&P 500 das sechste Mal seit dem Jahr 1978, dass der Index sich kurz vor dem Eintritt in einen Bärenmarkt noch fangen konnte. In den vorherigen fünf Szenarien sind jedes Mal in den folgenden 12 Monaten erhebliche Gewinne gefolgt.

So ist der Index laut den Analysten beispielsweise nach dem Tief im März 1978 im Laufe des nächsten Jahres um 13 Prozent geklettert. Noch einem Tiefpunkt im Oktober 1990 folgten 29 Prozent Kursgewinne, nach den Tiefstständen im Oktober 1998 sowie im Dezember 2018 folgten Gewinne von über 37 Prozent. Nach dem Einbruch im Jahr 2011 waren es 32 Prozent.

In drei dieser sechs Szenarien gab es laut den Analysten einen offensichtlichen Auslöser für die Erholung: Es folgte eine quantitative Lockerung der US-Notenbank Federal Reserve. Der Grund für den jüngsten Einsturz an den Aktienmärkten liegt im Gegenteil daran, dass die Fed ihre Geldpolitik strafft wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Hier sehen die Analysten auch das größte Hindernis: „Wir haben im Moment Mühe, einen offensichtlichen unmittelbaren Katalysator zu sehen, um weitere Stürze [am Aktienmarkt] zu stoppen. Es erscheint höchst unwahrscheinlich, dass die Fed eine Lockerung angehen oder andeuten würde.“

Werbung

Die Fed fällt diesmal höchstwahrscheinlich als Rettungsleine aus

Mit dieser Einschätzung decken sich die jüngsten Aussagen des Fed-Chefs Gerome Powell, der am Dienstag noch einmal betont hat, dass die Fed die Zinsen so lange anheben wird, bis die Inflation wieder unter Kontrolle ist. „Wenn dies bedeutet, über allgemein bekannte neutrale Niveaus hinauszugehen, werden wir nicht zögern, dies zu tun“, sagte der Zentralbankchef dem Wall Street Journal am Dienstag. „Wir werden gehen, bis wir das Gefühl haben, an einem Punkt angelangt zu sein, an dem wir sagen können, dass die finanziellen Bedingungen an einem geeigneten Ort sind, wir sehen, dass die Inflation zurückgeht. Dabei wird es kein Zögern geben.“

Dabei sieht der Fed-Chef aufgrund einer starken Wirtschaftslage immer noch die Möglichkeit einer „sanften Landung“ für die Wirtschaft, also eine Bekämpfung der Inflation, ohne dass es in Folge zu einer Rezession kommt. „Wir hätten immer noch einen starken Arbeitsmarkt, wenn die Arbeitslosigkeit ein paar Ticks steigen würde. Ich würde sagen, es gibt eine Reihe plausibler Wege für eine sanfte Landung. Unsere Aufgabe ist es nicht, die Chancen zu beeinträchtigen, sondern zu versuchen, dies zu erreichen“, sagte er.

Die Fed scheint sich nun endgültig in ihrer Meinung gefestigt zu haben, dass die Eindämmung der Inflation oberste Priorität hat und auch eine mögliche Rezession dabei in Kauf genommen werden muss. Im Kern ist das auch richtig, denn eine Inflation, die nicht mehr unter Kontrolle gebracht werden kann, richtig langfristig einen sehr viel größeren Schaden an als eine „gewöhnliche“ Rezession.

Kann eine Rally auch ohne Schützenhilfe der Fed gelingen?

Zwar dürfte die Schützenhilfe der Fed durch ein Zurückrudern der strafferen Geldpolitik zumindest für die nächsten Monate vom Tisch sein, doch der Markt könnte immer noch die Möglichkeit haben, aus eigener Kraft zurückzukommen.

Laut jüngsten Daten der Bank of America ist die Menge an Cash, die von Vermögensverwaltern im Zuge der Unsicherheit der letzten Monate angehäuft worden ist, auf dem höchsten Stand seit zwei Jahrzehnten angekommen. Das geht aus einer „extrem rückläufigen“ Mai-Umfrage unter globalen Vermögensverwaltern hervor, die am Dienstag von einem Team von Strategen der Bank of America unter der Leitung von Michael Hartnett veröffentlicht wurde.

Geld genug für eine neue Rally wäre also da. Letzten Endes kehrt wieder alles zu der entscheidenden Frage zurück: Ist alles Negative bereits eingepreist oder verlangt das derzeitige Marktumfeld noch weiteren Tribut? Die Strategen der Bank of America gehen davon aus, dass an den Märkten noch keine „vollständige Kapitulation“ erreicht worden ist und die Chancen für eine kurzfristigere Bärenmarktrally höher stehen.

Was heißt das für Anleger?

Geduld bleibt weiterhin die beste Strategie. Dabei gilt: je langfristiger der Anlagehorizont, desto optimistischer gestaltet sich das derzeitige Marktumfeld, denn mit langfristig angelegten Sparplänen nimmt man die derzeitigen Kurse gerne mit. Der Zinserhöhungszyklus gibt die Richtung für die nächsten Monate vor. Wichtigster Indikator für die nächste Zeit: Die Inflationsentwicklung der nächsten Monate. Sollte sich ein Peak oder bereits ein Rückgang abzeichnen, lockern sich die Daumenschrauben der Notenbanken wieder. Dann werden die Aktienmärkte die erwartete wirtschaftliche Erholung und das günstigere Gesamtumfeld schnell vorwegnehmen.

Meistgelesene Artikel

Werbung