US-Zinspolitik verschreckt Dax-Anleger - Leitindex sackt ab

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Frankfurt (Reuters) - Die Aussicht auf vorerst anhaltend hohe Zinsen in den USA ist den Dax-Anlegern am Donnerstag aufs Gemüt geschlagen.

Der deutsche Leitindex verlor bis zu 1,1 Prozent auf 18.424 Zähler. Der EuroStoxx50 gab 0,9 Prozent nach. Auch bei den Rohstoffpreisen ging es zum Teil deutlich nach unten. Fed-Chef Jerome Powell signalisierte nach dem Zinsbeschluss am Mittwochabend, dass es wohl nicht mehr als eine Zinssenkung der US-Notenbank in diesem Jahr geben wird. "Worte, die kein Börsianer gerne hört", konstatierte Christian Henke vom Broker IG. Die Erwartungen der Marktteilnehmer seien weitaus größer gewesen, aber am Ende könnten die Börsianer noch froh über die eine Zinssenkung sein, meint der Experte.

Trotz jüngster Entspannungssignale von der Preisfront bleibt die Fed weiter vorsichtig. Die Währungshüter beließen den geldpolitischen Schlüsselsatz auf ihrer Sitzung in der Spanne von 5,25 bis 5,50 Prozent. Sie avisieren im Mittel zugleich für 2024 nur noch einen Zinsschritt nach unten. Im März hatten sie noch drei Senkungen ins Auge gefasst. Auch wann es zu der lang ersehnten Zinswende kommt, von der sich viele Investoren eine Belebung der Konjunktur erhoffen, blieb unklar. "Der Fed fehlt im Moment die Zuversicht, einen konkreten Termin für eine erste Zinssenkung zu nennen", schreibt CMC Markets Analyst Jochen Stanzl. Die US-Notenbank wolle weiter abwarten und die Daten beobachten, bevor sie aktiv werde.

DOLLAR ETWAS FESTER - EURO KAUM VERÄNDERT

Am Devisenmarkt erholte sich die US-Währung von ihren jüngsten Verlusten - der Dollar-Index rückte um bis zu 0,2 Prozent auf 104,85 Punkte vor. Der Euro trat bei 1,0808 Dollar auf der Stelle.

Bei den Rohstoff-Anlegern dominierte die Sorge, dass die hohen US-Zinsen die Konjunktur schwächen und die Nachfrage nach Öl und Kupfer schwächen könnten. Das Nordseeöl Brent und das US-Öl WTI verbilligten sich zeitweise jeweils um 0,7 Prozent auf 82,06 beziehungsweise 78,47 Dollar je Fass. Das Industriemetall Kupfer wurde in der Spitze mit 9781 Dollar je Tonne 1,6 Prozent niedriger gehandelt. Auch der Goldpreis musste Federn lassen, er fiel um bis zu 0,6 Prozent auf 2308 Dollar je Feinunze.

AUTOWERTE GERATEN UNTER DIE RÄDER

Auf der Unternehmensseite rückten die Autowerte erneut in den Fokus. Die Ungewissheit, wie China auf die von der EU-Kommission angekündigten Strafzölle auf Elektroautos aus der Volksrepublik reagieren wird, belasteten die Branchenstimmung. Der europäische Autoindex gab zeitweise 2,2 Prozent nach. Volvo Car rutschten an der Stockholmer Börse um fast sechs Prozent ab. Im Dax verloren Porsche, Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz zwischen 3,9 und 1,5 Prozent. China hat die EU-Kommission am Donnerstag aufgefordert, nicht einen neuen Handelskonflikt anzuzetteln. Ein Sprecher sagte, China werde alle notwendigen Schritte ergreifen, um die Maßnahmen zu kontern.

Im MDax gingen die Aktien der Lufthansa nach einem negativen Kommentar von JP Morgan auf Tauchstation. Die Titel verloren in der Spitze 7,1 Prozent auf 5,84 Euro und markierten damit den tiefsten Stand seit Oktober 2022. Die Analysten haben die Titel vor der Veröffentlichung des zweiten Zwischenberichts auf die "Negative Catalyst Watch" gesetzt und das Kursziel auf 5,60 (5,70) Euro gesenkt. Sie rechnen damit, dass das zweite Quartal hinsichtlich der Profitabilität im Vergleich zum Vorjahr eher schwach ausfallen wird.

Mit Spannung warteten die Anleger auf die im Tagesverlauf anstehende Hauptversammlung von Tesla. Nach Ansicht von Konzern-Chef Elon Musk werden die Aktionäre das 56 Milliarden Dollar schwere Vergütungspaket für ihn mit großer Mehrheit absegnen. Zudem geht der Manager laut einem Beitrag auf seinem Kurznachrichtendienst X davon aus, dass die Anteilseigner für den Umzug von Delaware nach Texas als Rechtssitz des Konzerns stimmen werden. Im vorbörslichen US-Handel zogen die Tesla-Aktien um mehr als sechs Prozent an.

(Bericht von: Daniela Pegna, redigiert von Sabine Ehrhardt. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)