Österreichs Notenbank - Gewerbeimmobiliensegment sorgt für höhere Kreditrisiken

Wien (Reuters) - Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) erwartet für das laufende Jahr steigende Kreditrisiken und damit erhöhten Druck auf die Profitabilität der Banken.
Neben geopolitischen Faktoren sei dies auf einem Anstieg der Kreditausfälle durch Insolvenzen, höhere Refinanzierungskosten und eine schwächere Nachfrage nach Wohnkrediten infolge der gestiegenen Zinsen zurückzuführen, teilte die Notenbank am Montag in ihrem halbjährlichen Finanzmarktstabilitätsbericht mit.
Bereits Ende des vergangenen Jahres habe die gestiegene Zahl an Insolvenzen zu einem Anstieg der Kreditausfälle geführt. Dieser Trend habe sich zu Beginn des laufenden Jahres fortgesetzt, so die Nationalbank. Vor allem bei gewerblichen Immobilienkrediten hätten die Kreditausfälle zugenommen.
In Österreich sei das Gewerbeimmobiliensegment im europäischen Vergleich "durchaus auffällig", sagte OeNB-Vize-Gouverneur Gottfried Haber. Gleichzeitig müsse man allerdings beachten, dass der gemeinnützige Wohnbau hier eine besondere Bedeutung und Größe hat. Schließlich seien die Risiken in diesem Bereich im Vergleich zu klassischen Gewerbeimmobilien deutlich niedriger.
Wir sind nicht besorgt im Sinne, dass wir eine akute Krisensituation oder ähnliches vor uns sehen", sagte Haber. In ganz Europa seien derzeit Gewerbeimmobilien unter genauerer Beobachtung. Zudem sei es die Aufgabe der Notenbank potenzielle Risken zu identifizieren.
Der Anteil der notleidenden Kredite (NPL-Quote) sei in Österreich am schnellsten in ganz Europa gewachsen. Gegenüber früheren Werten sei man aber noch weit entfernt, sagte OeNB-Direktor Markus Schwaiger. Zum Jahresende 2023 erhöhte sich die NPL-Quote auf 2,6 Prozent, nachdem sie seit 2021 stabil bei nur etwa 2,0 Prozent lag. Die Verschlechterung sei vor allem auf Unternehmenskredite zurückzuführen, während die Qualität bei Haushaltskrediten weitgehend stabil blieb, heißt es in dem OeNB-Bericht.
Die Notenbank empfiehlt den Finanzinstituten daher Zurückhaltung bei den Gewinnausschüttungen und Aktienrückkäufen. Zudem sollten sich die Geldhäuser auf höhere Risikogewichte für Gewerbeimmobilien vorbereiten und nachhaltige Vergabestandards bei der Kreditvergabe sicherstellen. Darüber hinaus empfiehlt die OeNB den Banken aufgrund der strengen Regeln in Europa proaktiv Wertberichtigungen zu bilden. "Wir empfehlen lieber den vorsichtigen Weg, vor allem im Gewerbeimmobiliensegment und eher zu gering, als zu hoch zu bewerten", sagte Haber.
(Bericht von Alexandra Schwarz-Goerlich, redigiert von XY. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)