EU-Zölle bremsen Chinas Elektroauto-Exporteure

Reuters · Uhr

Peking (Reuters) - Schon vor Einführung der europäischen Anti-Dumping-Zölle auf E-Autos aus China sind deren Exporte merklich zurückgegangen.

Das Wachstum sei durch die Zolldiskussion um 20 bis 30 Prozentpunkte gedrückt worden, sagte Cui Dongshu, Generalsekretär der China Passenger Car Association (CPCA), am Montag. "Die Exporte von Elektroautos und Plug-In-Hybriden stehen derzeit unter Druck", sagte er. In den vergangenen Monaten hätten die Ausfuhren um gerade einmal gut zehn Prozent zugelegt, in der Vergangenheit seien es 30 bis 40 Prozent gewesen.

Derzeit sind 21 Prozent der aus China exportierten Autos Elektroautos oder Hybridfahrzeuge, die zusätzlich zu einem Elektroantrieb auch über einen Verbrennermotor verfügen. Vor einem Jahr lag der Anteil der E-Autos jedoch noch um drei Prozentpunkte höher. Schlecht läuft es etwa für den US-Elektroautobauer Tesla, der in seinem Werk in Shanghai das Model 3 unter anderem für den europäischen Markt fertigt: Im Frühjahrsquartal lagen die Ausfuhren so niedrig wie zuletzt im dritten Quartal 2022, als ein Corona-Lockdown das Werk weitgehend lahmlegte.

Die EU-Kommission verlangt für chinesische Elektroautos vorläufige Zusatzzölle von bis zu 37,6 Prozent. Sie hat ihre Entscheidung mit unfairen Wettbewerbsvorteilen durch hohe Subventionen für E-Autos aus China begründet. Das gefährde die europäischen Autobauer und ihre Umstellung auf Elektromobilität. Allerdings sind auch europäische Hersteller wie BMW oder Renault von den Zusatzzöllen betroffen.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck bezeichnete einen Wettlauf über Zölle, um Wirtschaftsräume zu schützen, als falsch: "Denn dieser Wettlauf von Zöllen, wenn er denn weiter voranschreitet, hat am Ende nur ein Resultat, alles wird teurer", sagte Habeck bei einem Besuch in Stuttgart. "Und das ist nicht nur schlecht für die Wirtschaft, sondern es ist schlecht für die Verbraucher."

Die EU-Kommission hat bis Anfang November Zeit, um endgültig über die Zölle zu entscheiden. Einem Insider zufolge rechnet BMW dann auch mit einer besseren Einstufung seines in China gebauten Elektro-Kleinwagens Mini, der erst seit wenigen Monaten vom Band läuft und für derzeit der Höchstsatz fällig wird.

CHINESISCHER AUTOMARKT SCHWÄCHELT

Auch auf dem chinesischen Markt insgesamt läuft es trotz staatlicher Anreize schlechter. Der Absatz ging im Vergleich zum Vorjahr um 6,9 Prozent auf 1,78 Millionen Fahrzeuge zurück, wie der Branchenverband CPCA mitteilte. Damit schrumpfen die chinesischen Autoverkäufe den dritten Monat in Folge.

Die seit 2023 entfachte Preisschlacht auf dem weltgrößten Fahrzeugmarkt hatte zunächst die Verkaufszahlen angekurbelt, doch auch die staatlichen Subventionen für einen Fahrzeugtausch konnten eine abflauende Dynamik in den vergangenen Monaten nicht aufhalten. Zwar wurden im Juni 9,9 Prozent mehr E-Autos in der Volksrepublik verkauft - im Mai waren es aber noch 27,4 Prozent gewesen. Besser lief es dagegen bei Hybrid-Autos, bei denen der Absatz um 67,2 Prozent anzog, nachdem bereits im Vormonat ein Plus von 61,1 Prozent zu Buche stand.

(Bericht von Victoria Waldersee, Qiaoyi Li, Zhang Yan und Sarah Wu, geschrieben von Christina Amann, redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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