Rund 88 Prozent der Gastwirte profitierten nicht von Fußball-EM

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Berlin (Reuters) - Die Fußball-Europameisterschaft im eigenen Land hat den Gastwirten in Deutschland insgesamt kaum Impulse gebracht.

Etwa 88 Prozent der Gastronomie und Hotellerie verzeichneten keine positiven Effekte, wie am Donnerstag aus einer Umfrage des Branchenverbands Dehoga unter 2730 Betrieben hervorgeht. Nur für 8,1 Prozent ergaben sich Impulse durch das Sport-Großevent. Eine besonders gute Resonanz meldeten mit 32,1 Prozent allerdings Kneipen, Bars und Biergärten. "Etwas getrübt wurde die Feierlaune insbesondere durch das wechselhafte Wetter und das Ausscheiden der deutschen Mannschaft im Viertelfinale", sagte Dehoga-Präsident Guido Zöllick. "Die EM ist auf jeden Fall ein wichtiger Impulsgeber zur Stärkung des Deutschlandtourismus."

Die Fußball-EM hat am 14. Juni begonnen und endet am 14. Juli mit dem Finale Spanien gegen England in Berlin. Viele Ökonomen und Analysen von Wirtschaftsforschungsinstituten haben gezeigt, dass ähnliche Großveranstaltungen zwar die Konjunktur insgesamt kaum beleben, aber einige Branchen punktuell von der Europameisterschaft profitieren dürften.

GASTRONOMIE IN EM-SPIELORTEN STEIGERT UMSATZ

Eine Studie des Zahlungsabwicklers Mastercard belegt derweil, dass zumindest in den Austragungsorten die Gastronomieumsätze teilweise deutlich gestiegen sind. Demnach verzeichneten Dortmund, Düsseldorf, Köln und Stuttgart dreistellige Wachstumsraten. In Dortmund lagen die Umsätze von Restaurants, Cafés oder Bars beim Vorrundenspiel Frankreich gegen Polen sogar 283 Prozent über dem Vorjahr. In den drei größten deutschen Städten Berlin, Hamburg und München fielen die Umsatzsprünge aber deutlich geringer aus. In Hamburg lagen die Erlöse der Gastronomie zum Teil sogar unter dem Vorjahresniveau. "Die verschiedenen Spielstätten ziehen nicht nur große Menschenmengen an, sondern kurbeln auch die lokale Wirtschaft an, weil die Ausgaben für Gastronomie, Tourismus und Unterhaltung steigen", erklärte Natalia Lechmanova, Europa-Chefökonomin beim Mastercard Economics Institute.

Insgesamt sind die Zeiten für das von der Corona-Krise arg gebeutelte Gastgewerbe nicht gerade rosig. Laut Verbandsumfrage setzten die Hoteliers und Gastronomen im ersten Halbjahr 2024 nominal 10,9 Prozent weniger um als vor einem Jahr. Die Gewinne seien sogar um 22,2 Prozent gesunken. "Die aktuellen Umfrageergebnisse verdeutlichen die weiter sehr angespannte Lage im Gastgewerbe", sagt Zöllick, Chef des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga). Überdurchschnittlich hoch seien die Umsatz- und Gewinneinbußen bei Gasthöfen, speisengeprägten Gastronomiebetrieben sowie Clubs und Diskotheken.

BRANCHE SCHWÄCHELT - MEHR KOSTEN UND KÜRZERE ÖFFNUNGSZEITEN

Die Geschäftsaussichten sind getrübt. Nur 18 Prozent melden laut Dehoga "gute" und 4,4 Prozent "sehr gute" Vorbuchungszahlen für Juli, August und September. Jeder Dritte beurteilt seine Buchungs- oder Reservierungslage als "schlecht", 8,8 Prozent sogar als "sehr schlecht".

Rund 87 Prozent der Betriebe haben ihre Preise seit Anfang 2024 erhöht, als eine Entlastung bei der Mehrwertsteuer auslief. Seitdem liegt der Tarif wieder bei 19 statt bei sieben Prozent. "Nach vier Verlustjahren ließen die massiv gestiegenen Kosten den Betrieben keine andere Wahl, als die Preise anzupassen", betonte Zöllick. Etwa 5,7 Prozent der befragten Unternehmer sehen sich gezwungen, ihren Betrieb aufgeben zu müssen. Zudem versucht die Branche, ihre Kosten in den Griff zu bekommen. Sie fahren demnach geplante Investitionen zurück (78 Prozent), passen ihr Angebot an (62 Prozent) und haben ihre Öffnungszeiten reduziert (40,5 Prozent).

(Bericht von Klaus Lauer und Maria Martinez; Redigiert von Hans Busemann; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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