Uniper will für Rückkehr an die Börse fit werden
- von Tom Käckenhoff und Christoph Steitz
Düsseldorf/Frankfurt (Reuters) - Der verstaatlichte Energiekonzern Uniper bereitet den Weg für eine Rückkehr an die Börse.
Die Entscheidung, wann und wie der Bund seine Beteiligung reduziere, liege in der Hand der Bundesregierung, sagte Finanzchefin Jutta Dönges am Donnerstag bei der Vorlage der Ergebnisse des ersten Halbjahres. "Unsere Aufgabe ist es, alles zu tun, um Optionen zu schaffen und dem Bund den Verkauf seiner Uniper-Aktien zu ermöglichen." Die Kapitalmarktfähigkeit von Uniper sei eine wesentliche
Voraussetzung dafür. "Und daran arbeiten wir mit aller Kraft."
Der Bund hatte den größten deutschen Gaskonzern nach dem russischen Gaslieferstopp 2022 mit Eigenkapital in Höhe von 13,5 Milliarden Euro vor der Pleite bewahrt. Nach der Verstaatlichung hält er 99,12 Prozent an dem Unternehmen. Die EU-Kommission hat der Hilfsaktion unter der Bedingung zugestimmt, dass der Bund bis Ende 2028 seinen Anteil auf mindestens 25 Prozent plus eine Aktie reduziert. Insidern zufolge könnte der Bund im Frühjahr kommenden Jahres eine Minderheitsbeteiligung veräußern.
MILLIARDEN-ZAHLUNGEN AN DEN BUND
Uniper hat mehr Geld für die Rückzahlung der vom Bund in der Gaskrise 2022 erhaltenen Beihilfen zurückgelegt. Die Rückstellungen seien auf 3,4 Milliarden Euro von 2,2 Milliarden Euro angehoben worden, teilte das Unternehmen mit. 2,9 Milliarden Euro würden voraussichtlich Anfang 2025 an den Bund gezahlt. Die genaue Summe hänge vom Ergebnis des laufenden Geschäftsjahres ab, erklärte Uniper. Der jetzige Schritt deutet darauf hin, dass Uniper bereits im kommenden Jahr an die Börse zurückkehren könnte.
Der Düsseldorfer Konzern hatte bereits in der vergangenen Woche seine Prognose für das Halbjahr und das Gesamtjahr angehoben. Uniper fuhr in den ersten sechs Monaten einen bereinigten operativen Ertrag (Ebitda) von 1,743 Milliarden Euro nach zuvor 4,113 Milliarden Euro ein. Der Versorger erwartet nunmehr für das Gesamtjahr 2024 eine verbesserte Ergebnisentwicklung. Das bereinigte Ebitda werde voraussichtlich in einer Bandbreite von 1,9 bis 2,4 Milliarden Euro liegen. Im Februar hatte der Konzern noch ein bereinigtes Ebitda von 1,5 bis 2,2 Milliarden Euro in Aussicht gestellt.
Unklar sind unterdessen die Folgen eines Gerichtsurteils in Sankt Petersburg, das dem russischen Gasriesen Gazprom im Streit um die 2022 gestoppten Gas-Lieferungen Schadenersatzansprüche in Höhe von über 14 Milliarden Euro bescheinigt hat. Diese könnten innerhalb und auch außerhalb Russlands geltend gemacht werden. Uniper sei in rund 40 Ländern tätig - jedes mit eigenen Beziehungen zu Moskau, sagte Vorstandschef Michael Lewis. Uniper fechte das Urteil an, wolle aber keine Details nennen. "Es ist sehr kompliziert." Ein schwedisches Gericht hatte dem deutschen Unternehmen im Juni Schadensersatz in Höhe von 13 Milliarden Euro zugesprochen. Uniper hatte daraufhin sämtliche Gaslieferverträge mit Gazprom gekündigt.
(Bericht von Tom Käckenhoff, Christoph Steitz, redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)