Aussicht auf geldpolitische Lockerungen beflügelt

Zinsfantasien heben Dax auf Allzeithoch - 19.000er voraus

Reuters · Uhr (aktualisiert: Uhr)
Quelle: Curioso.Photography/Shutterstock.com

An den Börsen knallen wieder die Sektkorken: Die Aussicht auf geldpolitische Lockerungen haben den Dax am Donnerstag auf Höhenflug geschickt.

Der deutsche Leitindex übersprang seine Bestmarke von Mitte Mai und stieg um bis zu 0,8 Prozent auf ein Rekordhoch von 18.936,04 Punkten. Damit ist der nächste Meilenstein mit einem Dax-Stand über 19.000 Punkten nicht mehr fern. Der EuroStoxx50 kletterte um ein Prozent auf ein Sechs-Wochen-Hoch von 4961 Zählern.

"Die Zeichen stehen auf Zinssenkungen und damit bessere Finanzierungsbedingungen – das ist der Treibstoff für die Börse und weiter steigende Aktienkurse", sagte Marktstratege Jürgen Molnar vom Broker RoboMarkets. Anleger setzen auf eine nächste weitere Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) im September. Die Notenbank hatte im Juni die Zinswende nach unten vollzogen, als sie den Zinssatz vom Rekordhoch von 4,50 auf 4,25 Prozent drückte.

In die Hände spielen dürfte den Notenbankern dabei die sinkende Inflation. Nach dem Anstieg im Juli ist die deutsche Inflationsrate im August wegen billigerer Energie voraussichtlich spürbar gefallen. Darauf deuten die am Morgen veröffentlichten Daten aus den Bundesländern hin. Das Statistische Bundesamt will um 14.00 Uhr eine erste Schätzung für ganz Deutschland abgeben. Am Devisenmarkt zwangen die Zinssenkungsfantasien den Euro in die Knie. Die Gemeinschaftswährung fiel in der Spitze um 0,4 Prozent auf ein Tagestief von 1,1071 Dollar.

US-Zinswende im September erwartet, Gold steigt

Die Anleger warten auch auf die Veröffentlichung des US-Kernindex für die persönlichen Konsumausgaben (PCE) am Freitag – das bevorzugte Inflationsmaß der Federal Reserve –, der Hinweise auf die Zinsaussichten in den USA geben könnte. Sollte der Inflationsbericht positiv ausfallen, sei das ein weiteres Argument für eine Zinssenkung im September, sagte Julia Khandoshko vom Broker Mind Money.

Das könne den Goldpreis weiter nach oben treiben, da niedrige Zinsen gut für zinslose Anlagen seien. Das Edelmetall verteuerte sich zuletzt um 0,6 Prozent auf 2516 Dollar je Feinunze. Die Wetten der Anleger auf baldige Zinssenkungen in den USA waren durch die Äußerungen des US-Notenbankchefs Jerome Powell letzte Woche in Jackson Hole untermauert worden.

Börsianer schütteln Nvidia-Enttäuschung ab

Die Börsenoptimisten schoben die Enttäuschung über die Zahlen von Nvidia schnell beiseite und griffen auch bei europäischen Technologiewerten fleißig zu. Der Branchenindex stieg um 1,8 Prozent auf ein Ein-Wochenhoch. Der weltweit größte Anbieter von KI-Hochleistungschips konnte die hoch gesteckten Erwartungen der Anleger mit seinem Ausblick nicht erfüllen. Die Aktien fielen im vorbörslichen US-Handel an der Wall Street um gut knapp fünf Prozent. An der Erfolgsstory um das Thema Künstliche Intelligenz sei aber "nichts kaputtgegangen", sagte Marktstratege Molnar. "Dass auf einem solch hohen Kurs- und damit auch Bewertungsniveau die Luft dünner und die Angst vor einer Korrektur größer werden, sollte Anleger nicht überraschen."

Anleger von europäischen Branntweinherstellern durften aufatmen. Peking will nach eingehender Untersuchung der Wettbewerbsbedingungen nun keine zusätzlichen Anti-Dumping-Maßnahmen auf Importe aus der EU erheben. Das kam vor allem den französischen Brandy-Herstellern Remy Cointreau und Pernod Ricard zugute. Deren Aktien zogen an der Pariser Börse um 8,1 und rund neun Prozent an. In Mailand lagen die Aktien von Campari mehr als vier Prozent im Plus. Bei den deutschen Einzelwerten ragten Delivery Hero heraus, die mehr als sechs Prozent zulegten. Einem Börsianer zufolge kamen die Pläne für einen Börsengang (IPO) der Tochtergesellschaft Talabat in Dubai gut an. Aktien von Schott Pharma schossen um mehr als dreizehn Prozent in die Höhe. Der Pharmaverpackungskonzern hat sein Wachstumsziel nach kräftigen Zuwächsen im abgelaufenen Quartal erhöht. Im Fahrwasser gewannen die Aktien des Rivalen Gerresheimer 7,4 Prozent.

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