Grenfell-Untersuchung - Behörden und Firmen für Brandkatastrophe verantwortlich

London (Reuters) - Eine öffentliche Untersuchung zur verheerenden Brandkatastrophe im Londoner Grenfell Tower 2017 hat schwere Versäumnisse von Regierung, Bauindustrie und den am Umbau beteiligten Firmen festgestellt.
Die Hauptverantwortung liegt bei den Unternehmen, die an der Wartung und Sanierung des 24-stöckigen Wohnhochhauses beteiligt waren, wie aus dem am Mittwoch vorgelegten fast 1700 Seiten langen Abschlussbericht hervorgeht. Zudem kritisierten die Verfasser neben den Behörden auf lokaler und nationaler Ebene auch Firmen, die brennbare Fassadenverkleidungen fälschlicherweise als sicher vermarktet hätten. Nicht alle seien in gleichem Maße für die Katastrophe verantwortlich, sagte Untersuchungsvorsitzender Martin Moore-Bick. Doch alle hätten auf die eine oder andere Weise dazu beigetragen. "Die einfache Wahrheit ist, dass die Todesfälle alle vermeidbar waren."
Im Juni 2017 waren bei dem Großbrand im Stadtteil Kensington 72 Menschen ums Leben gekommen. Nach Angaben der Polizei war das verheerende Feuer von einem defekten Kühlschrank im vierten Stock ausgegangen. Die Bewohner des Grenfell Towers wurden im Schlaf überrascht. Mehrere Menschen vor Ort hatten damals gesagt, es habe keinen Feueralarm gegeben. In den oberen Stockwerken hatten eingeschlossene Bewohner um Hilfe gerufen. Augenzeugen zufolge sollen in der Verzweiflung auch Kinder aus dem Haus geworfen worden sein. Der Brand gilt als einer der schwersten in der britischen Hauptstadt seit Jahrzehnten.
(Bericht von Michael Holden und Catarina Demony, geschrieben von Philipp Krach, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)