Tausende Rohingya fliehen vor Kämpfen aus Myanmar nach Bangladesch

Dhaka (Reuters) - Auch sieben Jahre nach der massenhaften Vertreibung der Rohingya aus Myanmar flüchten immer noch Tausende Mitglieder der muslimischen Minderheit ins benachbarte Bangladesch.
"Uns liegen Informationen vor, wonach in den letzten zwei Monaten etwa 8000 Rohingya nach Bangladesch eingewandert sind", sagte der für Flüchtlinge zuständige hochrangige Mitarbeiter der Regierung in Dhaka, Mohammad Shamsud Douza, am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters.
Die Rohingya flüchten vor den Kämpfen zwischen Armee und Arakan-Miliz. Die Miliz besteht vor allem aus der Volksgruppe der Arakanesen im Bundesstaat Rakhine und kämpft für eine größere Autonomie. Die Arakan-Kämpfer haben jedoch auch Siedlungen der Rohingya angegriffen.
"Bangladesch ist bereits überlastet und kann keine weiteren Rohingya mehr aufnehmen", sagte Douza. Der Außenminister von Bangladesch, Mohammad Touhid Hossain, hatte am Dienstag angekündigt, das Kabinett werde sich mit dem Zuzug der Rohingya befassen. Sein Land sei nicht mehr in der Lage, weitere Flüchtlinge aus humanitären Gründen aufzunehmen.
Über eine Million Rohingya leben in überfüllten Lagern im Süden Bangladeschs und haben kaum Hoffnung auf eine Rückkehr nach Myanmar. 2017 hatten sich Rohingya gegen die damals noch demokratisch gewählte Regierung erhoben. Das Militär in Myanmar ging daraufhin mit großer Gewalt gegen sie vor, die USA stuften die Angriffe auf die muslimische Minderheit in dem buddhistisch geprägten Land als Völkermord ein. Über eine halbe Million Rohingya flohen in jenem Jahr über die Grenze nach Bangladesch. Die Militärregierung in Myanmar verweigert die Rückkehr und hat ihnen Staatsbürgerschaft und Bürgerrechte aberkannt.
(Bericht von Ruma Paul, geschrieben von Hans Busemann, redigiert von Kerstin Dörr. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)